Champions League Mit Arsenal gegen Bayern: Poldis neue Welt

fil, bm, 18.02.2013 16:30 Uhr
 

In Windeseile hat Ex-Bayer Lukas Podolski die Herzen der Arsenal-Fans erobert: Hier lesen Sie, wie es ihm geht – sogar ein Lied hat er schon

London - Was war das nur für ein Geunke im letzten Frühjahr, als Lukas Podolski seinen Wechsel zu Arsenal verkündete. Der kölsche Prinz, für den München schon zu anders schien als seine Herzensstadt und der von 2006 bis 2009 nie richtig glücklich wurde beim FC Bayern, nach London? Poldi bei einem großen Klub in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache? Kann das gutgehen?

Es geht gut. Kaum angekommen in London, spielte – und redete – sich Podolski in die Herzen der Gunners. Sportlich hat sich der Angreifer durchgesetzt bei Arsenal. Acht Tore in der Liga und drei in der Champions League gelangen ihm bereits. Gemeinsam mit Steven Gerrard (Liverpool) und Juan Mata (Chelsea) ist er mit neun Assists bester Vorlagengeber der Liga. Aber auch menschlich scheint alles zu passen. Bei seinem ersten Interview im klubeigenen Web-TV-Channel überraschte er mit einem souveränen Englisch. Wenig später sorgte Poldi für Furore beim Anhang, als Arsenal-Legende Ray Parlour ihm eine Lehrstunde im berühmten Londoner Slang, dem „Cockney”, gab. So wird man Publikumsliebling in London. Jetzt hat er nicht nur in Deutschland ein eigenes Lied („Lu, lu, lu, Lukas Podolski”). Sondern auch in England. „Lukas Podolski, he scores when he wants” (Lukas Podolski, er trifft, wann er will), singen die Gunners.

Die Liebe ist gegenseitig. „Hier gehen alle Zuschauer in einem Spiel viel mehr mit. Wenn du einen schönen Pass spielst oder eine Grätsche machst, springen die Fans auf und klatschen Beifall. Und wenn du nach einem Foul sofort wieder aufstehst und weiter machst, flippen sie aus”, sagte Podolski in einem Interview mit der „Welt”.
Podolski ist angekommen in seiner neuen Welt.

Jeden Tag bildet er mit Nationalmannschaftskollege Per Mertesacker, der ganz in seiner Nähe in Hampstead am Stadtrand lebt, eine Fahrgemeinschaft zum Training. Und wenn er in der Innenstadt ist, bewegt sich Poldi fort wie jeder andere normaler Londoner auch: Mit Tube, Bus und Cab. „Zum Training fahre ich mit dem Auto. Wenn ich in die Stadt will, nehme ich ein Taxi, den Bus oder die U-Bahn”, verriet er. Vor kurzem erst machte er eine Sightseeing-Tour mit dem Taxi quer durch die ganze Stadt. „London ist so groß und überwältigend, da kann ich mich gar nicht auf eine Sache festlegen. Es war überall beeindruckend, zu allem gibt es eine Geschichte, ob nun am Buckingham Palace oder am Big Ben, wo etwa die größte Glocke der Welt ist”, sagte er.

Er fühlt sich so wohl in London, dass er sogar überlegt, sich ein neues Tattoo stechen zu lassen. Wo auf dem rechten Arm schon der Schriftzug „Cologne” prangt, überlege er nun, auch den neuen Herzensklub auf seiner Haut zu verewigen: „Vielleicht könnte ich auf meinen linken Arm ein ,Arsenal’ kriegen”, sagte Podolski.
Schwer vorstellbar, dass Podolski jemals darüber nachgedacht hat, sich ein Tattoo des FC Bayern stechen zu lassen. Und trotz seines eher unglücklich verlaufenen Gastspiels an der Isar scheinen die Beziehungen nach München noch intakt. Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete Podolski vor dem Abflug augenzwinkernd als „netten Kerl”, der sich aber unterstehen solle, den Ex-Kollegen ein Tor einzuschenken: „Das sollte er sich gut überlegen!”