Die Bayern treten in der Champions League bei Juventus Turin an. „Es werden zwei wahnsinnig schwere Spiele“, warnt Guardiola. Ganz in der Nähe – in Mailand – findet im Mai auch das Finale statt.

Turin - 143 Kilometer sind es von Turin, der Hauptstadt des Piemont, nach Mailand, der Modemetropole Italiens, der Capitale der Lombardei. Norditalien ist also Ausgangspunkt und Fernziel der Bayern im Frühjahr 2016. Bella Italia oder grande dilemma? Es war nur ein kurzer Hupfer mit dem Flieger über die Alpen, nur knapp eine Stunde dauerte der Flug mit LH 2570 am Montagnachmittag. 21 Spieler hatte Guardiola mit an Bord genommen – alle fitten Profis außer den drei Abwehrspielern Jérôme Boateng, Javi Martínez und Holger Badstuber.

Am Dienstag (20.45 Uhr, Sky live) steigt das Hinspiel des Achtelfinals bei Juventus Turin, am 28. Mai will man das Finale von Mailand im „Giuseppe Meazza“ (im Volksmund „San Siro“) spielen. Im dritten Amtsjahr von Pep Guardiola strebt er sein erstes bayerisches Königsklassen-Finale an. Sein letztes Pflichtspiel auf der Bayern-Bank mit dem Champions-League-Pokal im Visier: Im Grunde wäre dies der einzig würdige Abschluss, nachdem es 2014 mit dem Finaleinzug von Lissabon und 2015 mit dem Erreichen des Endspiels von Berlin nicht geklappt hatte.

Die gesamte Ära Guardiola steht aber schon mit dem doppelten Duell gegen Juventus auf dem Prüfstand. Ein Aus im Achtelfinale wäre ein regelrechter GAU, zuletzt hatte es die Bayern in der ersten K.o.-Runde 2011 unter Louis van Gaal erwischt mit einem 1:0 und 2:3 gegen Inter Mailand. Wenige Wochen später war der eigenwillige, absonderliche Niederländer entlassen.

Eigenwillig trifft auch auf Guardiola zu, eigenartig ebenso. Ab Sommer soll er Manchester City wieder auf Vordermann bringen. Vorher gilt es, die drei Jahre in München abzuschließen. Aber wie wird man seine Ära final bewerten? Das steht schon Dienstag im „Juventus Stadium“ auf dem Spiel. „Wir sind gerade in einer guten Phase, hatten einen guten Rückrundenstart“, sagte Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Abflug, „nun gilt es, in Turin nachzulegen. Wir haben keine Angst, aber Respekt. Aber Juventus hat auch Respekt vor Bayern München.“ Die Marschroute ist klar bei einem Auswärtsauftritt im Hinspiel. „Es wird wichtig sein, ein Tor zu erzielen. Das würde uns im Rückspiel helfen“, sagte Tore-Pfund Thomas Müller. Auf ihn und Robert Lewandowski setzen die Bayern. „Es wäre schön, wenn sie wieder treffen“, sagte Rummenigge, „wichtig ist auch, was drumherum passiert. Die beiden werden auch gut bedient.“

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Der Trip nach Turin könnte die 16. und letzte internationale Dienstreise des Spaniers sein. Oder folgen inklusive Viertel- und Halbfinale sowie Endspiel drei weitere? „Normalerweise ist das ein Spiel fürs Halbfinale, Finale“, meinte Guardiola und warnte vor zu viel bajuwarischem Mia-san-mia-Denken: „Hier denken manche: Wir sind Bayern, wir sind so gut. Und dabei vergessen sie ein bisschen: Auch Juve ist gut. Es wird sehr, sehr schwer, zwei wahnsinnige Spiele.“ Juve, die „Alte Dame“, ist in Europa seit 16 Spielen zu Hause ungeschlagen – die letzte Pleite hatte es 2013 gegeben. Ausgerechnet gegen die Bayern. 2:0 siegte die Truppe von Jupp Heynckes im Viertelfinale. Es folgte der Triumph von Wembley.

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Das souveräne Weiterkommen von vor drei Jahren gegen Juve soll auch für die anstehenden Duelle helfen. „Turin ist nicht ohne Grund wieder nach oben gekommen in der italienischen Liga“, bemerkte Rummenigge, „aber wir haben auch bewiesen, dass wir hohe Qualität haben. Die letzten drei Spiele gegen Juventus haben wir allesamt gewonnen, die Statistik ist jetzt insgesamt sogar positiv.“ Recht hat Rummenigge, der Ex-Profi von Inter Mailand: Auch Bayerns Gesamtbilanz gegen italienische Klubs ist leicht positiv: 16 Siege, acht Remis, 15 Niederlagen. Na dann: Una bella partita in bella Italia! P. Strasser, M. Koch