Alkohol, Wetten und Spielsucht. Die Zahl abhängiger Profis im Sport steigt. Um ihre Spieler zu schützen, müssen die Vereine und Verbände mehr Initiative ergreifen.

München - Während der Länderspielreise im Zuge des Freundschaftsspiels Chile gegen Paraguay am 5. September soll sich Bayern-Star Arturo Vidal noch vor der Partie in einem Casino aufgehalten haben. Daraufhin verlor der chilenische Trainer Jorge Sampaoli angeblich die Geduld mit Vidal und schickte ihn nach Hause. Was beim chilenischen Nationalspieler eher als Ausrutscher angesehen werden kann, wird für andere berühmte Persönlichkeiten im Sport zu einem großen Problem, von der breiten Öffentlichkeit und teils auch von verantwortlichen Vereinen und Arbeitgebern ignoriert – mit verheerenden Folgen für die Spieler, aber auch die Vereine.

Spielsucht bei Profisportlern

„His Airness“ selbst zählt wahrscheinlich zu den größten Sportlern unserer Zeit. In den 80er und 90er Jahren war Michael Jordan der wohl bekannteste Profisportler zweier Jahrzehnte. Zeit seiner Karriere wurde dem Ausnahmetalent vor allem eines zugeschrieben: unbedingter Siegeswille. Michael Jordan konnte einfach nicht verlieren. Das machte ihn auf dem Basketballplatz so stark.

Doch seine Leidenschaft entwickelte sich schnell zu einem Laster. Nicht einmal seine eigenen Kinder konnte und wollte er gewinnen lassen. Leider übertrug sich dieser Ehrgeiz auch auf das Glücksspiel. Wie Michael Jordan in der US-amerikanischen Sendung „60 Minutes“ selbst einräumte, hat ihn sein Glücksspiel bis an den Rand des Bankrotts getrieben.

„Ich war bescheuert“, sagt die Basketballlegende selbst über sich. Dabei war er nicht der einzige. Auch andere Größen aus dem US-Sport wie Charles Barkley gestanden, mehrere Millionen US-Dollar verloren zu haben. Oftmals zeigten die Sportler typisches Suchtverhalten, griffen zu immer höheren Einsätzen, um verlorene Gelder wieder wettzumachen.

Sportler wetten auf eigene Mannschaften

Problematisch wird es, sobald Sportler beginnen, auf Spiele ihrer eigenen Mannschaft zu wetten. In Deutschland wurde im Zuge der aufgedeckten Wettskandale offengelegt, dass vor allem Fußballspieler aus Amateurligen auf Niederlagen ihrer eigenen Mannschaft wetteten und die Spiele durch eigenes Zutun manipulierten, wie auf www.abendblatt.de zu lesen war. Leider war dies kein Einzelfall.

• Fußballer des niedersächsichen Oberligisten TB Uphusen sollen 2014 ein Spiel zu Ungunsten ihrer Mannschaft manipuliert haben.
• 2009 soll die gesamte Mannschaft des FC Oberneuland Bremen auf eine eigene Niederlage gewettet haben. Beweisen konnte man dies den Spielern letztendlich aber nicht.

Dass die Wettmafia vor allem in unterklassigen Vereinen wildert, ist einfach zu erklären. Denn die Verdienstspanne ist bei Amateurvereinen nicht derartig hoch, dass die Spieler lukrativen Nebeneinkommen von mehreren tausend Euro entgehen lassen würden.

Besonders perfide hierbei ist, dass die Wettpaten gezielt auf der Suche nach Spielern sind, die für dubiose Angebote verfügbar sind. Vor allem Studenten und Personen, die sich eher am unteren Rand des Durchschnittseinkommens bewegen, stehen auf der Liste der Wettmafia. Auf kurz oder lang beginnt hierdurch ein Teufelskreis, aus dem die Spieler nur schwierig wieder herauskommen. Das schnelle Geld wirkt oftmals lukrativ, die Identifikation mit dem eigenen Sport oder dem Verein dagegen eher gering. Dass Sportler bei gelungenen Manipulationsversuchen schnell auch ihr Glück bei anderen Wettangeboten suchen, liegt dabei klar auf der Hand.

www.dailymail.co.uk berichtet von einer Studie der Professional Players Federation, die 350 Profis der Sportarten Fußball und Cricket in Großbritannien befragte. Laut dieser Umfrage haben 6,1% der Profisportler Probleme mit Spielsucht. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch ein wenig höher. Der Anteil der Spielsüchtigen in der deutschen Bevölkerung hingegen liegt laut www.zdf.de bei etwa 1%.

Leichter Zugang zu Casinos und Wettanbietern

Uli Borowka, ehemaliger Fußballprofi und einstiger Europapokalsieger der Pokalsieger mit Werder Bremen, schlägt in die gleiche Kerbe. In einem Interview mit DIE WELT nimmt der Gründer des Vereins „Uli Borowka Suchthilfe und Suchtprävention e.V.“ kein Blatt vor den Mund und offenbart einige Gründe, warum Profisportler stark suchtgefährdet sind.

Vor allem der öffentliche Druck und Versagensängste seien die Auslöser für Suchtprobleme. „19 Prozent der aktiven Sportler leiden an Alkohol-, Drogen-, Medikamenten- oder Spielsucht, nach der Karriere steigt die Zahl auf 34 Prozent.“ Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob der Sportler in der ersten, zweiten oder dritten Liga gegen den Ball tritt.

Der DFB und die Vereine haben selbst meistens keine eigene Anlaufstelle für Sportler mit Suchtproblemen, auch aufgrund der geringen Präsenz in den Medien. Suchtkranke Menschen werden in der deutschen Gesellschaft häufig geächtet und so wird sich auch kaum ein Profi mit dem Thema an seinen Verein wenden, vor allem aus Angst um seinen Arbeitsplatz und die Reaktion in der Öffentlichkeit.

Peter Brandt von www.besteonlinecasinos.co sieht die Gründe auch im leichteren Zugang zum Glücksspiel: „Wettanbieter und Online-Casinos sind dank der Smartphones heutzutage schnell und vor allem von überall aus zu erreichen. Da bedarf es noch einiger Aufklärung für die Kunden und Präventionsmaßnahmen zur Bekämpfung von Spielsucht seitens der Regierung.“


 Roulette.                                                                                                                        Foto: Fotolia
 

Spielsucht mittlerweile häufiger als Alkoholsucht

Die Zahl der spielsüchtigen Profis steigt indes an, bestätigt auch Tony Adams, Gründer der Spezialklinik Sporting Chance, in der psychisch erkrankte Profisportler behandelt werden. „70 Prozent der Patienten in Sporting Chance sind Spielsüchtige. Es hat in den vergangen Jahren unter den Profis mit größerem Einkommen eine enorme Verschiebung vom Trinken zum Wetten und Spielen stattgefunden“, so der ehemalige englische Nationalspieler.

Während Tony Adams inzwischen viele Unterstützer, darunter auch die englische Regierung, die Profispielervereinigung PFA und viele Prominente, für seine Klinik gewinnen konnte, erhält man laut Uli Borowka in der deutschen Gesellschaft bislang wenig Unterstützung.

Um ihre Spieler zu schützen, müssen die Vereine und Verbände mehr Initiative ergreifen. Die Probleme mit der Sucht können arge finanzielle Schwierigkeiten mit sich bringen und die Existenz bedrohen. In der NBA hat man aus den Erfahrungen der letzten Jahre und auch dank vieler ehemaliger Profisportler wie Michael Jordan, die offen über ihre Probleme redeten, Konsequenzen gezogen.

In den USA gibt es für die Rookies seit einigen Jahren ein Programm zur Weiterbildung im Finanzmanagement u.ä., an dem sich der Fußball eventuell ein Beispiel nehmen könnte. Jedoch sind die Zahlen laut www.focus.de im US-Sport noch brisanter. So sollen sich 60 Prozent der ehemaligen NBA-Spieler innerhalb von fünf Jahren nach dem Ende ihrer Karriere in finanziellen Schwierigkeiten befinden. Bei den Football-Profis liegt die Zahl mit 78 Prozent sogar noch höher und die Notwendigkeit solcher Programme ist wahrscheinlich ersichtlicher.

Da das Thema Sucht aber bis heute in der Öffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit und Hilfe findet, sehen die Vereine und Verbände momentan wohl wenig Handlungsbedarf.