Fußball-Zweitligist RB Leipzig peilt nicht nur die Bundesliga an, sondern sogar Europa. „Wir haben den Ehrgeiz, uns mit allen messen zu wollen.“ - Natürlich auch mit dem FC Bayern.

Leipzig - Nur noch 129 Tage in der 2. Liga, dann dürfte Leipzig nach 22 Jahren ins Fußball-Oberhaus zurückkehren. Außerhalb der Stadtgrenzen können sich noch nicht viele Fans mit diesem Gedanken anfreunden, das mit Red-Bull-Millionen aus dem Boden gestampfte Projekt RB Leipzig ist für viele nach wie vor ein Rotes Tuch.

Doch die „Bullen“ scheinen unaufhaltsam. Die Mission Aufstieg, die der Zweitliga-Spitzenreiter am Donnerstag mit dem Trainingsauftakt für die Rückrunde fortsetzte, ist nur ein weiterer Schritt zum eigentlichen Ziel. Mittelfristig plant RB den Angriff auf Europa und sogar auf den FC Bayern.

„Jetzt zu sagen, dass wir den Bayern Paroli bieten wollen, wäre absoluter Schwachsinn. Aber dass wir grundsätzlich den Anspruch und den Ehrgeiz haben, uns mit allen messen zu wollen, ist klar. Den sollte eigentlich jeder haben“, sagte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff der „Welt“.

 

Die Region lechzt nach Bundesliga-Fußball

 

Klar scheint: Sollte dem auf Initiative des österreichischen Getränkeherstellers gegründeten Klub sieben Jahre nach dem Einstieg in der 5. Liga der Sprung in die Bundesliga gelingen, ist Fußball-Deutschland um ein sportliches Schwergewicht reicher. Geld ist vorhanden, das Umfeld mit dem Trainingszentrum und der ausgezeichneten Nachwuchsarbeit genügt schon jetzt höchsten Ansprüchen, und das Faninteresse in Leipzig und Umgebung ist enorm. Seit dem Abstieg des VfB Leipzig 1994 lechzt die Region nach Bundesliga-Fußball.

Sie dürfte nicht nur das bekommen. „Ich bin kein großer Freund von einer sogenannten Konsolidierung“, sagt Mintzlaff. In der Bundesliga dürfte der Lizenzspieler-Etat von derzeit rund 16 Millionen nahezu verdoppelt werden. Die Bühne Bundesliga dürfte auch einen namhaften Trainer locken. Ralf Rangnick will nach erfolgreichem Aufstieg zurück auf den Posten des Sportdirektors. Gesucht wird derzeit auch ein „Sales Director“, der neue Sponsoren an den Verein binden soll. Finanziell hätte das der Verein nicht nötig, doch will Leipzig international spielen, muss die Vereinsstruktur weiter reformiert werden.

 

RasenBallsport Leipzig - ein Synonym für die Kommerzialisierung

 

Momentan würde der Umfang des Red-Bull-Sponsorings (rund zwei Drittel des Gesamtetats) vermutlich gegen das Financial Fairplay der Uefa verstoßen. Schon die Zweitligalizenz hatte der Verein nur bekommen, nachdem er beim Logo sowie bei Mitglieder- und Führungsstruktur nachgebessert hatte. Für viele Fans bleibt RasenBallsport Leipzig aber ein Retortenklub, das Synonym für die ausufernde Kommerzialisierung im Profifußball. Rangnick kennt die Kritiken und Vorurteile aus seiner Zeit bei 1899 Hoffenheim. Der 57-Jährige glaubt, dass sich die Aufregung schon bald legen werde. „Wir werden attraktiv für die Liga sein“, sagte Rangnick: „Wir werden zahlreiche Auswärtsfans stellen, zu Hause fast immer ausverkauft sein. Und mit unserer Spielweise haben wir ein echtes Markenzeichen.“