Der Marienplatz gehört jetzt den Fußgängern allein. Die Radfahrer wehren sich gegen die neue Sperrzone direkt vor dem Neuen Rathaus.

München - Frei nach Hermann Hesse könnte man sagen: Jedem Anfang wohnt ein Ende inne. So bedeutet der Start der Umbauarbeiten am Hugendubel-Haus das Ende der Durchfahrt über den Marienplatz für Taxis, Busse und Radler. Der für Radfahrer ohnehin schon unleidige Weg durch die Altstadt wird damit noch komplizierter.

Die Fußgängerzone in der Altstadt dehnt sich aus und – wenig überraschend – der Protest lässt nicht lange auf sich warten: Ein Bündnis aus Verbänden, Gewerbetreibenden und Politik stellt sich gegen den Entschluss der Stadtregierung, die Radler zu verbannen.

"Kurios wäre es, wenn gerade in einer Radlhauptstadt die Bürgerinnen und Bürger nicht an ihrem Rathaus vorbeiradeln dürfen", sagt Dominic Staat vom Rikscha-Service Pedalhelden. Am Montagvormittag haben die Pedalhelden vor dem Rathaus auf die Aktion "Save Our Radler" aufmerksam gemacht.

Auf einem Tendem sind die Radler dazu angerückt – also auf einem Tandem für zehn Personen. Das Bündnis schlägt einen Kompromiss vor, nach dem sie die Sperrzone vorerst akzeptieren. In der Zeit des Umbaus des Hugendubelhauses soll dafür beobachtet werden, welche verkehrlichen Auswirkungen und Folgen die gesperrte Durchfahrt am Marienplatz hat.

 

"Der bisherige Zustand war für alle unbefriedigend"

 

Auf Basis dieser Ergebnisse soll im Anschluss ein Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Verbänden sowie Bürgerinnen und Bürgern über eine dauerhafte Lösung geführt werden. Getragen wird der Sperr-Entschluss von der Mehrheit der SPD und CSU im Rathaus. Die Parteien halten an ihrem Kurs fest. "Die Entscheidung, die Fußgängerzone zu erweitern, ist richtig", sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Reissl: "Der bisherige Zustand war für alle unbefriedigend: Zum einen für die Fußgänger, die gar nicht realisiert haben, dass da am Marienplatz eine Fahrbahn ist, achtlos über die Straße gingen und aufschreckten, wenn dann ein Radler kam. Aber auch für die Radler, die sich durch die Menschenmassen schlängeln und jede Sekunde damit rechnen mussten, dass ihnen jemand vors Fahrrad läuft."

Alles eine Frage der Gewöhnung, so ist weiter die Haltung im Rathaus. CSU-Fraktionschef Hans Podiuk: "Dieselben Vorbehalte gab es schon, als die Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Stachus eingerichtet wurde. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten werden sich sicherlich alle an die neuen Verhältnisse gewöhnen."

Laut Bund Naturschutz fuhren bisher täglich rund 8000 Radler über den Marienplatz – mit der neuen Umleitung könnte es am Viktualienmarkt also bald recht eng werden.