Wegen weniger Tausend Euro Kreis Landshut: "Mein Sohn ist entführt worden!"

, aktualisiert am 21.04.2017 - 17:35 Uhr
Eine SEK-Einheit der Polizei Niederbayern beendete die Geiselnahme (Symbolbild). Foto: dpa

So alarmiert eine Mutter aus dem Kreis Landshut die Polizei. Eine Frau und vier junge Männer nehmen den 19-Jährigen in die Mangel und drohen ihm mit Waffen.

Spricht man mit Menschen, die sich Zeit ihres Lebens beruflich mit Kriminalität beschäftigt haben, gibt es angesichts des Falls, der sich am Mittwochabend in Landshut abgespielt hat, zunächst nur eine Reaktion: Kopfschütteln.

Der Tatort: das beschauliche Geisenhausen, ein Markt mit knapp 7000 Einwohnern im Kreis Landshut. Das Opfer: ein junger Bursch, gerade einmal 19 Jahre alt. Die Täter: eine 29-jährige Frau und vier Männer, ebenfalls erst zwischen 18 und 20 Jahren alt. Der Vorwurf gegen sie: erpresserischer Menschenraub. Am Ende muss sogar das SEK anrücken.

Die 29-Jährige will Geld eintreiben, das Opfer kann es nicht zahlen

Was war passiert? Nach derzeitigem Ermittlungsstand hatte sich die Frau mit dem 19-jährigen Mann verabredet und fuhr zusammen mit ihren 20- und 19-jährigen Spezln nach Geisenhausen, um bei dem späteren Opfer Schulden im niedrigen vierstelligen Bereich einzutreiben – nach AZ-Informationen aus Drogengeschäften. Der 19-Jährige konnte allerdings nur einen Teil davon begleichen, da schlug das Trio einen raueren Ton an. Sie zückten eine Waffe und schleppten den Mann ins Auto.

Das Quintett lässt den jungen Mann wieder frei

Anschließend fuhren sie mit ihm in eine Wohnung im Osten Landshuts. Dort warteten bereits die beiden anderen beteiligten 18-Jährigen, ebenfalls mit einer Waffe.

Ein Zeuge hatte gesehen, wie der 19-Jährige ins Auto verschleppt worden war. Die Mutter des Jugendlichen schlug daraufhin Alarm bei der Polizei. Gegen 20 Uhr rief sie dort an: „Mein Sohn ist entführt worden!“

Sogar das SEK rückte daraufhin an. Nachdem die Entführer mitbekommen hatten, dass die Polizei informiert worden war, ließen sie ihr Opfer gehen. Von der Staatsanwaltschaft Landshut heißt es auf Nachfrage: „Die Tatverdächtigen hatten den Geschädigten bereits wieder freigelassen, dieser befand sich nicht mehr in der Gewalt der Beschuldigten.“

Noch im Laufe des Abends konnten vier Mitglieder des Quintetts von der Landshuter Polizei festgenommen werden. Einer der Beschuldigten wurde vom SEK in der fraglichen Wohnung festgenommen.

Die Täter – alles Deutsche – sind polizeibekannt. Ihre bisherigen Delikte sind recht umfangreich: Diebstahl, Drogenvergehen und auch Körperverletzung. Jetzt kommt also auch noch erpresserischer Menschenraub dazu. So lautet jedenfalls der Haftbefehl gegen die 29-Jährige und die vier jungen Männer. Was das Thema Drogen in diesem Fall betrifft: In der Wohnung wurde Marihuana gefunden – die Menge bewegt sich laut Staatsanwaltschaft im niedrigen zweistelligen Grammbereich.

Bei den Waffen, die bei dieser Gangster-Aktion zum Einsatz kamen, handelte es sich um Luftdruckwaffen. Zumindest eine davon, so die Staatsanwaltschaft, war auch geladen. Ob sie auch funktionsfähig war, ist bislang noch nicht klar.

Das Strafmaß für erpresserischen Menschenraub beträgt für Erwachsene zwischen fünf und 15 Jahren Haft. Bezüglich der vier beschuldigten Heranwachsenden kommt laut Staatsanwaltschaft die Anwendung von Jugendstrafrecht in Betracht.

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