Hollywood und die Sucht: Zwei nominierte Filme setzen sich mit Krankheiten und ihren Folgen auseinander

Anzeige

Kurz vor der Verleihung der Oscars fällt mir auf, dass sich zwei der besten Filme sehr kompetent mit Krankheiten und ihren Auswirkungen beschäftigen. Über „Silver Linings“ werde ich nächstes Mal schreiben, heute geht es um „Flight“. Darin spielt Denzel Washington einen alkohol- und drogenabhängigen Piloten, der seine Maschine mit einem waghalsigen Manöver vor dem Totalverlust bewahren und die meisten Passagiere retten kann, wegen seiner Sucht dann aber doch zur Verantwortung gezogen wird. Minutiös wird sein Abgleiten dargestellt; eine starke Aussage ist die Großaufnahme seiner Faust, die ein Fläschchen Wodka an sich reißt – danach beginnt die Höllentour des Koma-Saufens.

Großes Drama. In der Realität beginnt der Abstieg oft eher unauffällig – zunächst handelt es sich noch nicht um Abhängigkeit, sondern ‚nur' um Alkohol-Missbrauch. Dessen Definition ist jedoch schon ziemlich eindeutig: Wer mehr als einen halben Liter Bier benötigt pro Tag oder ein Viertel Wein oder zwei Cognac, der betreibt bereits Missbrauch. Er riskiert damit schwere gesundheitliche Schäden (zum Beispiel Bluthochdruck, Krebs) ebenso wie die Verminderung seiner Lebenserwartung. Und er gefährdet möglicherweise sein soziales Umfeld: in der Familie, im Beruf, im Straßenverkehr.
Alkohol ist neben Tabak das größte Suchtmittel in Deutschland und sehr schwer zu behandeln. Im Internet gibt es Checklisten zur Selbsteinschätzung, mit einfachen Fragen und Antworten wird der Grad der Alkoholabhängigkeit ermittelt. Das ist ein erster Weg, um Schlimmeres zu vermeiden und Hilfe zu suchen: durch den Arzt, den Therapeuten, Selbsthilfegruppen und auch durch Medikamente, die oft zu wenig verordnet werden.

Die letzte Einstellung im Film zeigt Denzel Washington in einer Therapiegruppe. Wo diese stattfindet – das möchte ich nicht verraten. Vielleicht schauen Sie sich das spannende Stück ja noch an.