Der Kolumnist über den diesjährigen Nobelpreis für Medizin

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So euphorisch wie in diesem Jahr bei der Verleihung der Nobelpreise für Medizin jubeln Laudatoren sonst eher selten: „Lehrbücher wurden umgeschrieben, neue Forschungsgebiete geschaffen!“ Die Würdigungen galten den bahnbrechenden Entdeckungen von John Gurdon (Cambridge) und Shinya Yamanaka (Kyoto); den beiden gelang es – in einem Abstand von 40 Jahren –, die Lebensuhr der Menschen zurückzudrehen. Indem sie zeigten, dass die verschiedenen Zellen unseres Körpers wieder in embryonale Zellen zurückverwandelt werden können. Und dass diese wiederum in der Lage sind, alle Zellen innerhalb eines Körpers neu zu bilden – der lang gesuchte Jungbrunnen!

Auch wir, die Mitglieder der deutschen Xeno-Forschungsgruppe, haben die Stockholmer Entscheidung begeistert aufgenommen. Ist sie doch eine Bestätigung der Grundlagen unseres Programms – der Erzeugung von genetisch veränderten Schweinen, deren Gewebe und Organe von Menschen akzeptiert werden. Preisträger Sir John Gurdan wird als „Klon-Vater“ geehrt, er forschte seinerzeit noch an Froscheiern. Unser Münchner Veterinärmediziner Eckhard Wolf trägt den stolzen Titel des „Adoptivvaters“ von Uschi, dem ersten europäischen Klon-Kalb.

Eine Stammzell-Forschung, die ohne Embryonen auskommt und eine maßgeschneiderte Reparatur kranker Organe und Gewebe möglich macht – ein großer Fortschritt für die Medizin! Erste Therapien, bisher nur bei wenigen Patienten mit Herz- oder Augenerkrankungen, zeigten beeindruckende Erfolge.

Eher unbeachtet von der großen Weltbühne veröffentlichte jetzt ein New Yorker Arzt seine Recherchen zu der Frage „Wie wird man überhaupt Nobelpreisträger?“ Er konnte beweisen, dass dies unter anderem mit der Menge der Schokolade zusammenhing, die man verspeist. Je mehr Sweets, desto mehr Nobles: Eine Rolle spielen offensichtlich Pflanzenstoffe wie Flavonoide, die auch in grünem Tee oder Rotwein vorkommen. Schweden und Schweizer liegen ganz vorn, Deutsche nur im Mittelfeld. Aber das ließe sich doch schnell ändern, denke ich.