Der Arzt über die medizinische Seite der reisebedingten Zeitverschiebung

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Schlaflos in München: Nicht immer ist die Hitze schuld, wenn man nachts nicht zur Ruhe kommt. Oft plagt der Jetlag vor allem diejenigen, die im fernen Westen – zum Beispiel in den USA – Ferien gemacht haben. Für sie ist die Zeitzonen-Umstellung besonders unangenehm, weil ihre innere Uhr nun nicht mehr mit der verkürzten heimischen Ortszeit übereinstimmt. Abends sind diese Ex-Urlauber hellwach, um dann beim Morgengrauen in Tiefschlaf zu fallen und den folgenden Tag wie gerädert zu erleben. Besser dran sind die Asien- und Australien-Heimkehrer, für die sich die Zeit dehnt – die allerdings hatten beim Flug in den Urlaub das Problem der fehlenden Stunden.

Ab fünf Stunden steckt man die Zeitverschiebung nicht mehr einfach so weg. Und einen Tag etwa braucht der Körper, um mit einer Stunde Zeitverschiebung fertig zu werden. Das sind wissenschaftliche Erkenntnisse, gestützt auf Kernspin- und EEG-Untersuchungen. Erst nach sechs Tagen hat man also schlafmäßig einen New York-Trip richtig verkraftet.

Im Laufe der Jahre habe ich mir meine eigenen Jetlag-Rezepte verordnet. Bei kurzen Fernreisen lasse ich mich gar nicht erst auf das neue Land ein: Hinflug, Vortrag oder Klinik und sofort zurück. Bei längeren Reisen in den Osten bleibe ich mit Hilfe von zum Beispiel Kaffee wach, für den Westen nehme ich gleich beim Abflug ein kurzwirkendes, verschreibungspflichtiges Schlafmittel und lasse mich erst vor der Landung wieder wecken. Vorsicht mit Alkohol: Er hilft nicht bei Zeitumstellung und macht beim Abklingen nur unruhig. Dafür viel Wasser trinken.

Ein Jetlag geht (meist) vorbei – was hilft, ist Geduld. Was aber, wenn man dauernd an Schlafmangel leidet? Dazu mehr in meiner Kolumne am nächsten Montag.