AZ-Kolumnist Bruno Reichart über University of Cape Town - eine Hochschule ohne Rassenschranken

Gratulation nach Kapstadt: Die medizinische Fakultät der University of Cape Town (UCT) feiert ihren hundertsten Geburtstag. 1912 als erste „Medical School“ des südlichen Afrikas gegründet, werden dort heute pro Semester 200 Medizinstudenten und -studentinnen ausgebildet, etwa die Hälfte mittlerweile dunkelhäutig.

Schon zu meiner Zeit von 1984 bis 1990 war UCT trotz Apartheid eine Hochschule ohne Rassenschranken: Jeder, dessen Abi gut genug war, konnte dort studieren. Was bei einer Schulpflicht der schwarzen Jugendlichen von nur 14 Jahren natürlich nicht ohne zusätzliche Anstrengungen ging. Unser UCT-Präsident Harry Oppenheimer gründete ein Institut, an dem begabte junge Schwarze ihre Abschlüsse nachholen konnten. Der erste „black doctor“ graduierte dennoch erst Anfang der 90er Jahre.

In meiner Klinik gab es während der Apartheid-Zeiten noch keinen einzigen dunkelhäutigen Arzt. Und auf den Stationen herrschte strenge Trennung zwischen den Hautfarben. Immerhin konnte ich durchsetzen, dass weiße Schwestern schwarze Patienten behandeln durften. Wenig später war die Herz- und Thoraxchirurgische Abteilung im Groote Schuur Hospital die einzige „gemischt-rassige“ Station.

Heute wird die UCT in den Ranking-Listen als beste Uni Afrikas geführt. Ich möchte jedem Südafrika-Reisenden empfehlen, dem Campus am Fuße des Tafelbergs einen Besuch abzustatten: Er ist einer der schönsten der Welt. Gelehnt an die Säulen der Jameson-Hall, umgeben von selbstbewussten, fröhlichen Studenten, geht der Blick bis zu den Hottentot-Holland-Bergen – eine wunderbar friedliche Stimmung.