AZ-Kolumnist Prof. Dr. Bruno Reichart ist Herzchirurg. Jede Woche beantwortet er für Sie in der AZ Fragen rund um die Gesundheit.

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Endspurt: Bis zum Jahresende sollen 70 Prozent der Versicherten in Deutschland die Gesundheitskarte haben. Nach den vielen Protesten um Datensicherheit und Bürokratieaufwand sind darauf nun lediglich Name, Geburtsdatum, Anschrift und Angaben zur Krankenversicherung vermerkt – eine magere Ausbeute. Immerhin kann man online verändern, ohne dass die ganze Karte weggeworfen werden muss.

In der Anfangsphase war ich involviert, weil ich die Karte zur Aussage über eine mögliche Organspende nutzen wollte. Damals schon zu schwierig – ich hörte oft den Satz: „Die Karte muss sicherer sein als eine Kreditkarte.“ Natürlich muss man mit sensiblen Daten sensibel umgehen – aber: Ist es nicht ein „Overkill“, wenn es vor lauter Sicherheitsbedenken kein Weiterkommen gibt? Während der acht Jahre „Herumbastelns“ überschlugen sich im Internet die Entwicklungen, die Medizin-Infotechnik ist nun weit dahinter zurückgeblieben.

Wie wichtig eine gut funktionierende Gesundheitskarte wäre, macht uns Dänemark vor. Dort wird jeder Bürger bei der Geburt mit einer Nummer registriert; mit den angesammelten anonymen Daten werden für die Volksgesundheit wichtige Studien erstellt. Ein aktuelles Beispiel: Alle 15- bis 49-jährigen Frauen, die auf Rezept (und damit auf der Karte ersichtlich) Antibaby-Pillen nahmen, wurden kürzlich auf das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko gescreent und, wenn notwendig, entsprechend beraten.

Vor- und Nachteile einer Gesundheitskarte sollten also fair abgewogen werden, aber eines dürfen wir nicht vergessen: Die überwiegenden Vorteile sind eine Chance!