Wie unsere Kolumnist selbst Medizingeschichte schrieb

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Vor 30 Jahren, am 13. Februar 1983, führte ich im Klinikum Großhadern die erste Herz-Lungen-Transplantation in Deutschland durch. Der Patient war 28 Jahre alt und schwerstkrank, er hatte sofort seine Einwilligung zu diesem damals weltweit erst wenige Male praktizierten Eingriff gegeben. Die Operation dauerte mehr oder weniger einen ganzen Tag und stellte große Anforderungen an die Standfestigkeit des gesamten Teams.

Rückblende auf das Jahr 1981: Zu jener Zeit war ich regelmäßig in der berühmten Stanford-Universität in Palo Alto, Kalifornien, um mich auf meine erste Herztransplantation vorzubereiten (die dann in München im August 1981 stattfand). Im April 1981 erlebte ich die amerikanischen Kollegen im Ausnahmezustand: Sieben Tage vor meiner Ankunft war ihnen zum ersten Mal in der Welt die En-Bloc-Verpflanzung von Herz und Lungen geglückt. Mary Gohlke hieß die Patientin, eine kleine positive Frau, die mit den neuen Organen noch vier Jahre lebte. Ich war in jeder freien Minute auf der Intensivstation, um so viel wie möglich von dem postoperativen Verlauf der komplizierten Transplantation mitzubekommen.

Zwei Jahre später waren dann auch wir vorbereitet. Die Verpflanzung der Organe wurde ein Erfolg, Lungen und Herz arbeiteten einwandfrei. Die Leber des Patienten war allerdings zu sehr vorgeschädigt, er starb am elften postoperativen Tag. Auf meinen zweiten Eingriff musste ich über ein Jahr warten, bis Ende Mai 1984. Bis zu meinem Ausscheiden als Ordinarius für Herzchirurgie wurden in Großhadern mehr als 73 Eingriffe durchgeführt, mit einer 5-bzw. 10-Jahres-Überlebensrate von ca. 60 bzw. 45 Prozent.

Diese Transplantationen haben mich immer fasziniert. Zweimal führten wir den Eingriff sogar mit Herz, Lunge und Leber durch, eine Patientin lebt heute noch, sie ist verheiratet und hat ein gesundes Kind. Ohne das großartige Team um mich herum wäre das alles jedoch nie gelungen. Auch nicht ohne die großzügige Unterstützung durch meinen damaligen Chef Werner Klinner, einem deutschen Pionier der Herzchirurgie. Er ist Anfang Februar mit 89 Jahren verstorben. Ich werde ihn nicht vergessen – ich verdanke ihm viel.