Eine neue Form von Stents hinterlässt im Körper keine Spuren

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Immer zum Jahresende treffen sich in der Münchner BMW-Welt die Kardiologen-Kollegen zu einem Kongress und ziehen, inspiriert vom futuristischen Ambiente, optimistisch Bilanz. Nicht ganz zu Unrecht: Mit nicht-operativen, also vom Herzkatheter unterstützten Maßnahmen schließen sie inzwischen Löcher im Herzen, ersetzen Herzklappen und damit immer öfter leider auch uns Chirurgen.

Ihr etabliertester Eingriff ist das Platzieren von Stents: von kleinen Kunstwerken aus Drahtgeflecht (mit und ohne Medikamenten-Beschichtung), die die Engen (Stenosen) in den Herzkranzgefäßen nach dem Aufdehnen geöffnet halten sollen. Was nicht immer gelingt – und darum wurde ein neuartiger Stent mit seiner ersten Langzeit-Studie jetzt auf der Tagung durchaus begrüßt.

Das Besondere an diesem neuen „Gerüst“ aus Polymilchsäure, das vor allem jüngeren Patienten implantiert wird: Es ist nach zwei bis drei Jahren spurlos verschwunden und hinterlässt ein wieder normal aussehendes Herzkranzgefäß. Keine Reste von Metallgeflechten, mit denen der Herzchirurg zu kämpfen hat, falls es später doch noch zu einer Bypass-Operation kommen sollte.

Wichtig für die Patienten und Kardiologen: Da kein Metall zurück bleibt, kommt es auch nicht zu den damit verbundenen Wachstumsreizen, die zu Zellwucherungen und letztendlich zu erneuten Stenosen führen können – schlimmstenfalls sogar zur Thrombose mit Verschluss der Koronararterien.

Wegen dieser Gefahr benötigen die Patienten derzeit noch mindestens zwölf Monate lang zwei starke, gerinnungshemmende Medikamente; auch das wird mit der Neuentwicklung sehr bald auf drei Monate reduziert werden können. Viele positive Aspekte – kein Wunder, dass der amerikanische Hersteller selbstbewusst jeden Vergleich mit der Konkurrenz ablehnt. „Nennen Sie es nicht einen Stent!“, warnt er die Berichterstatter. „Es ist ein Gerüst!