Bruno Reichart Die erste Studie zu rauchenden Frauen
Bruno Reichart, 28.01.2013 11:08 Uhr
Haben Sie auch eine Frage an Herzchirurg Prof. Dr. Bruno Reichart? Schreiben Sie an medizin@abendzeitung.deFoto: Gregor Feindt
Je früher man mit dem Rauchen aufhört, desto besser
Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass wir bis zum 21. Jahrhundert warten mussten, um über die Gefährdung von Frauen durch Rauchen genau aufgeklärt zu werden. Bei Männern ist der verhängnisvolle Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und Mortalität schon vor 50 Jahren hergestellt worden, in einer bahnbrechenden Studie des englischen "Royal College of Physicians".
Doch erst jetzt veröffentlichte "Lancet" eine entsprechende Studie über Frauen, die "Million Women Study": 1,2 Millionen Engländerinnen, in den frühen 1940er Jahren geboren, waren nach ihren Rauchgewohnheiten befragt worden. Es handelte sich um die Generation von Frauen, für die das Rauchen als Zeichen der Emanzipation in den 1960er Jahren den Höhepunkt an Popularität erreicht hatte - Jahrzehnte später als bei Männern.
Selten sind die Ergebnisse einer Studie so klar und simpel wie diese: Als Raucherin hat man ein dreifach erhöhtes Risiko zu sterben - und zwar egal, in welchem Lebensalter. Die Hauptgründe: chronische Lungen- und koronare Herzerkrankungen, Lungenkrebs. Für Frauen, die noch vor dem 30. Lebensjahr wieder mit dem Tabakkonsum aufhörten, lag die durch Rauchen bedingte Sterblichkeitsrate bei nahezu null, bei einem Stopp der zehn Jahre Älteren immerhin noch bei "nur" zehn Prozent. Diejenigen, die täglich nur "eine Handvoll" rauchten, hatten eine doppelt so hohe Sterblichkeitsrate wie Nichtraucherinnen; das erhöhte Risiko geht dabei präzise mit der Menge der konsumierten Zigaretten einher.
Ganz klar also: Rauchen ist obsolet, je früher man damit aufhört, desto besser - am besten ist es, gar nicht erst anzufangen. Ausserdem haben wir 2013 ja auch noch das europäische "year of the air": Das Jahr der guten Luft, die zur Grundvoraussetzung der Menschheit gehört wie sauberes Wasser und gesunde Nahrung.

Sexistisch
Hallo Wolfgang, um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin starke Raucherin (60 Zigaretten pro Tag) und ich finde, da hat Sie die Sexismus-Debatte der vergangenen Tage zu einem frauenfeindlichen Kommentar hinreißen lassen. Erklären Sie mir doch: Warum riechen wir Raucherinnen schlechter als die Männer, die diesem Laster verfallen sind? Oder finden Sie einen Mann mit einer Alkoholfahne an der Supermarktkasse etwa appetitlicher? Und ja, ich versuche stets einen gewissen Abstand zu meinen Mitmenschen einzuhalten, um sie nicht meinem Nikotingeruch auszusetzen, zum Beispiel in der Sauna oder eben auch beim Einkaufen. Nehmen Sie es mir nicht üblich, wenn mir dies nicht immer gelingt und üben Sie etwas mehr Toleranz.
vom Gestank nicht zu reden
Mir reichts schon, wenn ich an der Supermarktkasse neben einer Tabakgestank ausdünstenden Raucherin stehen muss. Das ist widerlich. Und wohl nur ein Fall für nasenamputierte Männer.