Bombenfund 2600 Nürnberger auf der Flucht

Bombenfund: Ab 13 Uhr ging in weiten Teilen der Südstadt nichts mehr: Auch die Humboldstraße musste gesperrt werden, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste evakuierten die Häuser. Foto: News5

NÜRNBERG Erst vor drei Wochen mussten 3500 Einwohner in aller Eile aus der Südstadt evakuiert werden. Grund: eine Bombe im Siemens-Technopark in Steinbühl. Am Samstag stieß ein Bagger neben einem Siemens-Gebäude in der Straßburger Straße wieder auf eine Bombe. Wieder ein 450 Kilogramm-Trumm – und wieder mussten 2600 Menschen im Umkreis von 300 Metern ihre Häuser verlassen.

Es lief reibungslos. Am Sonntag um 13 Uhr wurden die Zufahrten zu den Straßen Leibnitzstraße, Humboldstraße, Gugelstraße, Pfälzerstraße, Vogelweiherstraße, Alemannenstraße, Karlsruher Straße, Lotzestraße, Heidelbergerstraße, Herschelstraße und der Fußweg am Herschelplatz gesperrt.

Ein Tag Vorbereitung für die Einsatzkräfte

Die Einsatzkräfte hatten sich einen Tag lang vorbereiten können. 220 Polizisten standen bereit, unterstützt von der Bereitschaftspolizei. 174 Feuerwehrleute, 66 Helfer vom THW und 300 von den Rettungsdiensten klapperten Haus für Haus, Stockwerk für Stockwerk ab. Die meisten hatten die Aushänge an den Türen gelesen und den Sonntagmittag anderweitig verplant. Doch es gab auch Menschen wie Hildegard Eder (79): „Ich habe davon nichts mitgekriegt und mich nur über die vielen Feuerwehrautos gewundert.” Als es dann auch an ihrer Tür heftig klopfte, weil sie die Klingel nicht hörte, „da hatte ich mir noch nicht mal die Haare gemacht – so geh’ ich normalerweise nicht auf die Straße!” Die Männer von der Rettung seien „überaus nett gewesen”. Frau Eder wird mit einem VAG-Bus in die Adam-Kraft-Schule am Lutherplatz gebracht. Hier hält sie ein Pläuschchen mit Maria Vietz (78). Die sieht’s gelassen: „Der Sanitäter, der mich abholte, war jung und gutaussehend – was will ich mehr?”

Schwieriger waren Einsätze für Menschen wie Heinrich Christoph. Er ist schwer krank und wurde aus dem Haus getragen. „Ist mal was anderes”, witzelt er, er verbrachte den Sonntag dann bei seiner Schwester, zu der ihn der Rettungsdienst brachte.

Für Fälle wie ihn hatten die MAN Motorenwerke in der Vogelweiherstraße eine Motorenhalle ausgeräumt und ein Bettenlager errichtet. Schön: Es musste kaum genutzt werden.
Um 16 Uhr waren die Wohnungen leer. Sechs Minuten später stieg Sprengmeister Karl-Heinz Wolfram in die Baggergrube. Um 16.37 Uhr hatte sie der Profi entschärft, und die Menschen konnten zurück in ihre Wohnungen. sw

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