Blindgänger unschädlich gemacht Bombe in Pasing: So lief die Entschärfung

Experten des Kampfmittelräumdienst untersuchen den Blindgänger. Foto: Gaulke

Nur etwa 40 Zentimeter tief unter der Erde wird in einem Feld in Pasing eine Fliegerbombe entdeckt. Rund 1.000 Menschen müssen deshalb ihre Häuser verlassen. Am Nachmittag dann die erfolgreiche Entschärfung.

Pasing - Hier waren ganz besondere Schutzengel am Werk: Die amerikanische Fliegerbombe lag seit 70 Jahren nur etwa 40 Zentimeter unter der Erde. Es grenzt an ein Wunder, dass sie bisher noch nicht von einem Pflug erwischt oder auch einem neugierigen Hund ausgegraben wurde. Am Sonntag findet ein Sondengeher auf der Suche nach Metall das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Polizei kommt, wenig später ist der Verdacht bestätigt: In dem Feld direkt gegenüber des Max-Planck-Gymnasiums liegt eine Bombe.

Noch am Abend rückt das Sprengkommando an und legt das Trum weitgehend frei. „Eine Standardbombe der Amerikaner mit zwei Zündköpfen, 500 Pfund schwer“, stellt Sprengstoffexperte Martin Tietjen fest. Doch bevor er das Fundstück vollständig freilegen und mit der Entschärfung beginnen kann, müssen die Menschen in 500 Meter Umkreis in Sicherheit gebracht werden. Bei einer Explosion würden herumfliegende Splitter gefährlich werden: Mit 4000 bis 6000 Metern pro Sekunde würden sie zu tödlichen Geschossen.

Selbst eine kontrollierte Sprengung hat gewaltige Ausmaße – die Schwabinger können sich nur zu gut daran erinnern: 2012 musste ein Sprengkörper in der Feilitzschstraße ausgelöst werden. Damals gingen die Schäden in die Millionen.

Am Montag klingelt daher für viele überraschend die Polizei an der Tür, das Max-Planck-Gymnasium bleibt geschlossen, Polizisten leiten den Verkehr um die Gefahrenzone herum. Die Menschen sammeln sich in einer Betreuungsstelle am Schererplatz – wann sie in die Wohnungen zurückkönnen, ist zunächst noch unklar.

„Wir sind Kriegskinder und haben Bombenangriffe miterlebt, aber so eine Evakuierung kannten wir noch nicht“ erzählen Christa und Hermann Roth. „Wir saßen gemütlich im Garten beim Zeitunglesen, als plötzlich die Polizei kam und sagte, wir müssten unser Haus verlassen.“ Rentnerin Else Prücken musste sogar mit dem Krankenwagen weggebracht werden. Sie nimmt’s aber gelassen: „Die Polizisten waren wirklich sehr nett. Eigentlich war es ganz lustig. Die Hauptsache ist, dass ich am Ende wieder zurückgebracht werde.“

Dass die Bombe ausgerechnet hier gefunden wurde, ist laut Martin Tietjen nicht allzu überraschend: „Die Pasinger Bahnlinie liegt in unmittelbarer Nähe und war wohl das Ziel des Angriffs.“ Obwohl die Fundstelle mitten im Feld die Evakuierungsarbeiten erleichtert, ziehen sie sich mehrere Stunden hin. Rund 300 Einsatzkräfte sind vor Ort beschäftigt – Polizisten, Feuerwehrleute, Rettungsdienst und Sprengkommando.

Während eine Gruppe Kinder, die in der Turnhalle in Sicherheit gebracht worden ist, noch herumtobt, wird es um kurz nach 15 Uhr schließlich spannend auf dem Feld – jetzt beginnt Tietjen mit dem gefährlichsten Teil seiner Arbeit. Die Bombe ist zum Glück unbeschädigt und liegt in einem Stück im Boden. Tietjen dreht vorsichtig den Sprengkopf heraus und entfernt den Zünder. Um 15.50 Uhr kommt die Nachricht: Die Fliegerbombe ist entschärft, die Sperrungen werden aufgehoben.

Der Fund in Pasing war aber vermutlich nicht der letzte seiner Art.

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