Bizarrer Prozess Räuber und Opfer zugleich?

Der geständige Räuber wird abgeführt. Foto: jot

Prozess am Landgericht: Der Räuber will heim, braucht Geld fürs Ticket.

München - Es ging alles blitzschnell und mit großer Brutalität über die Bühne: Ein hagerer Mann kam am 23. Januar diesen Jahres gegen 16:30 Uhr in das Schreibwarengeschäft von Annelise R. in der Lindwurmstraße, griff sich sofort die Geldkassette der Kasse (mitsamt 680 Euro Bargeld) und riss sie aus der Verankerung.

Die Kassiererin schrie um Hilfe, worauf ihr der Räuber die Kassette mit Schwung auf den Arm schlug. Susanne R., die Nichte der Geschäftsinhaberin, hörte die Rufe und eilte der Kassiererin zu Hilfe. Doch der Räuber warf ihr die Kassette auf den Kopf. Dann flüchtete er.

Seine Opfer trugen ein Hämatom am Arm beziehungsweise eine blutende Risswunde an der Stirn davon.

Rando V. (39) wurde wenig später von der Polizei gestellt. Die Kassette hatte er noch unterm Arm. Seine Opfer erkennen ihn wieder. Er hatte bereits zuvor zwei, drei Mal in dem Geschäft eingekauft.

Motiv: Er brauchte Geld für die Heimreise

Leugnen ist angesichts dieser Beweislage eher unproduktiv. Rando V., ein Netztechniker aus Estland, gesteht die Tat. Zum Motiv erklärt Verteidiger Uwe Paschertz, dass sein Mandant bereits eine Woche vor dem Überfall kein Geld mehr abheben konnte, aber heim wollte.

Nach München war er gekommen, um eine Frau namens Cara zu treffen. Die hatte ihn immer wieder um Geld gebeten, das er ihr auch bereitwillig geschickt hatte. In München wollte er sie nun wiedersehen. Doch dazu kam es nicht.

Richterin Nicole Selzam kommen Zweifel. Das Verhalten der Frau erinnert sie an eine Betrugsmasche. "Die hat sie ausgenommen wie eine Weihnachtsgans", glaubt die Richterin. Rando V. zuckt mit den Schultern. So ganz scheint er das immer noch nicht glauben zu wollen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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