BioTech statt Landungen Riemer Flughafen: Neuer Chef im alten Tower

Stefan Vilsmeier vor „seiner“ Brainlab-Zentrale im ehemaligen Flughafen-Tower in Riem. Foto: Petra Schramek

Rund um den Kontrollturm des Riemer Flughafens hat die Medizintechnikfirma Brainlab ihr Hauptquartier gebaut. Stefan Vilsmeier ist hier der Boss.

Riem - Er war kein gewöhnlicher Jugendlicher. Stefan Vilsmeier sagt: "Die Idee, Software für die Neurochirurgie zu entwickeln, war mein Lebenstraum, als ich 18 war." Dass dies dem Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter der Brainlab AG gelungen ist, war nicht selbstverständlich. Inzwischen ist das Unternehmen weltweit bekannt für die Entwicklung computergestützter Medizintechnik.

Mit 16 schrieb er ein Buch. Es verkaufte sich 50.000 Mal

So ungewöhnlich wie Vilsmeiers Lebenstraum für einen Achtzehnjährigen war, so außergewöhnlich ist die Geschichte seines Erfolgs. "Meinen ersten Computer, einen C64, bekam ich mit 15. Er war für mich ein kreatives Werkzeug. In der Schule nahmen wir gerade Vektorgeometrie durch. Mein Fokus lag auf der 3D-Grafik, ich entwickelte 3D-Software für den C64".

Mit 16 Jahren schrieb Vilsmeier darüber ein Buch, das sich 50 000 Mal verkaufte. Ab dem 15 001. Exemplar sprudelten die Tantiemen üppig, 150.000 Mark erwirtschaftete der damalige Abiturient. Sein Buch weckte Interesse bei Architekten und Medizinern weit über Deutschland hinaus.

Die Medizinische Fakultät Wien lud Vilsmeier ein. "Da sah ich mein erstes Computer-Kernspin auf einem Bildschirm in der Ecke und hatte die Idee, dass Software das Bindeglied für millimetergenaue Eingriffe werden muss". An der TU München hielt es Stefan Vilsmeier nicht lange: "Nach zwanzig Tagen hängte ich den Campus an den Nagel. Ich wollte programmieren! Mit den 150.000 Mark gründete ich Brainlab".

Im Keller des Poinger Elternhauses programmierte der Autodidakt Software für die Chirurgie. "Meine Eltern hatten sich für den Nachwuchs was anderes vorgestellt, unterstützten mich aber trotzdem immer", sagt Vilsmeier. Dass er mal Unternehmer sein würde, war für ihn unvorstellbar.

Gerät selbst in den Schädel geschraubt

"Das Unternehmer-Image war damals nicht gut. Mich faszinierte die Vorstellung, was man durch technische Möglichkeiten für Patienten bewegen kann. Ich suchte mir einen Partner für den Verkauf". Mit wenig Glück, denn "die nutzten mich zum Anfixen der Kunden, um eigene Produkte zu verkaufen". Man trennte sich. Die 150.000 Mark waren aufgebraucht, "ich stand wieder vor dem Nichts". Mit einem selbstgebauten Messestand reiste Vilsmeier in die USA, dort gab es erste Kundenkontakte mit Südafrika und Taiwan. 1992 brachte Brainlab erstmals Software auf den Markt, mit der man Hirntumore präzise bestrahlen konnte.

Einschneidend für Vilsmeier war eine Chinareise im Jahr 1994. "Wir hatten das System dorthin verkauft. Der 23-jährige Neurochirurg kam aus einer mongolischen Medizinschule und war mit der Fixierung des Kopfrings heillos überfordert", sagt Vilsmeier. Er habe das Gerät dann selbst in den Schädel des Patienten geschraubt. Vilsmeier erinnert sich an strömendem Regen und tiefen Matsch.

Zur Schonung der einzigen Anzughose "stapfte ich in Unterhosen durch die China-Nacht". Gelernt hat Vilsmeier damals, dass "Technologie ohne entsprechendes Training wertlos ist". So gibt es im neuen Brainlab-Quartier ein Auditorium und einen OP-Saal, um Mediziner an Programmen zu schulen.

Aktuell hat Brainlab 1300 Mitarbeiter weltweit und erzielte 2016 einen Umsatz von 260 Millionen Euro. Vilsmeiers Erfolgsrezept: Junge Querdenker einstellen, eng mit den Ärzten kommunizieren, Altbekanntes durchbrechen. Für seine Verdienste als Vorzeige-Unternehmer wurde Vilsmeier mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bayerischen Verdienstorden.

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