70 Biergärten standen zur Wahl - nun wurde der Gewinner der AZ-Aktion "Mein schönster Biergarten" gekürt: Klicken Sie sich durch die zehn beliebtesten Oasen der AZ-Leser.

München - Als die AZ mit der Urkunde durch den Garten läuft, melden sich die Stammgäste zu Wort. „Die hat er verdient!“, sagt eine Frau und schneidet sich eine Scheibe von der Ochsenlende ab. Er, das ist Luggi Käser (58), der Wirt vom Urthalerhof, der beschwingt die Wiese überquert – zum Pferdestall. Die Übergabe der Urkunde soll standesgemäß erfolgen. Und das heißt hier: in der Kutsche.

Zu einer der vielen Besonderheiten des Wirtsgartens zählt nämlich, dass in Sichtweite Pferde grasen. Sie gehören zum Bauernhof, der viele frische Zutaten für die Gerichte liefert. „Wir machen praktisch alles selbst“, sagt Käser. Die Soßen. Die Spätzle. Den Kartoffelsalat. Sogar das Apfelmus.

Auch das Ochsenfleisch stammt aus eigener Schlachtung. Das schmeckt man. Und das ist wohl auch einer der Gründe, warum die AZ-Leser den Urthalerhof zum Sieger wählten. „Was ich nicht mag, kriegt auch kein Gast!“, sagt der Wirt entschlossen.

Sein Haus gewinnt übrigens nicht nur den AZ-Wettbewerb zum wiederholten Male, sondern wurde bereits mehrmals Landkreissieger beim Wettbewerb „Bayerische Küche“.

Dass mit dem Wirtsgarten ein Gasthaus aus dem Voralpenland triumphiert, liegt sicher auch an seiner Lage: Hier kommen die Münchner (über die A95 Richtung Garmisch, an der B 472) in Scharen auf ihren Ausflügen vorbei.

Wie nah man den Bergen ist, wird deutlich, wenn man den Blick über den Rand seines Maßkrugs die Alpenkette entlangschweifen lässt: von der Benediktenwand über den Herzogstand bis zur Zugspitze.

Spätabends lässt sich hier noch ein weiteres Naturschauspiel beobachten: Dann zieht der Nebel vom benachbarten Moor über die Wiese bis an den Wirtsgarten und bleibt kurz davor stehen. „Er will uns begrüßen“, erklärt Luggi Käser, der eigentlich Ludwig heißt, seinen staunenden Gästen in diesen Momenten.

So ganz traut sich der Nebel dann zum Glück doch nicht in den Garten – und verkriecht sich kurz darauf wieder. Wer einmal hier war, wird nicht überrascht sein, dass sich der berühmte Maler Franz Marc von 1909 bis 1914 in Sindelsdorf inspirieren ließ, im Ort lebte. Die Pferde, die er malte, könnten direkt vom Urthalerhof stammen.

Der ist seit 1800 in Familienbesitz. 1978 übernahm Luggi Käser das Anwesen von seinen Eltern, 1991 eröffnete er mit seiner Frau Rita das Gasthaus – „ich habe sie wegen ihrer Kochkünste geheiratet, nicht nur, aber auch!“.

Glückwunsch, Luggi!