Ein Mann (51) fuchtelt mit einer Pistole in einer Arztpraxis herum. Der Mediziner flüchtet über die Feuerleiter. Eine Patientin bleibt zurück. Erst das schwer bewaffnete SEK löst die Situation

MÜNCHEN - Ausnahmezustand im Ärztehaus: Ein Drogenabhängiger hat im Marx-Zentrum am Peschelanger einen Arzt, Patienten, Polizisten und Anwohner in Atem gehalten. Die Polizei ging zunächst von einer Geiselnahme aus. In dem Ärztehaus befindet sich im vierten Stock eine so genannte Substitutionspraxis, wo Drogenabhängige mit der Heroin-Ersatzsubstanz Methadon behandelt werden. Kurz vor 12.30 Uhr kam ein 51-jähriger Mann in die samstags geöffnete Praxis. Er kannte den Arzt offenbar, ob er auch Patient bei ihm war, ist unklar. Der Besucher hielt eine Waffe in der Hand. „Er forderte die Arzthelferinnen und Patienten auf, die Praxis zu verlassen“, sagt Polizeisprecherin Sabine Mandlmeier.

Der Mediziner war gerade mit einer Patientin (42) in einem Behandlungsraum. Als er mitbekam, dass seine Angestellten offenbar bedroht wurden, verbarrikadierte er sich mit der Frau. Per Telefon verständigten sie die Polizei. Dann flüchtete der Arzt über eine Feuerleiter auf das Dach - während die Patientin blieb.

Innerhalb kurzer Zeit verwandelte sich das Ärztehaus in einen Hochsicherheitstrakt. Die Arzthelferinnen und Patienten waren aus dem Gebäude geflüchtet, Polizei und Feuerwehr rückten an. Schließlich traf auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) ein. Die rund 100 Schaulustigen mussten abziehen.

Auf dem Dach der Tiefgarage nahmen Scharfschützen Stellung, mehrere Polizisten stiegen in Feuerwehrkörbe, um sich in Tatortnähe bringen zu lassen. Auch der Arzt wurde mit einer Feuerwehrleiter vom Dach geholt. Die Patientin hörte sich unterdessen die Story des Mannes an, der ihr seine ausweglose Situation schilderte.
Nach zwei Stunden war der Spuk wieder vorbei. Auch die Frau stieg schließlich durch ein Fenster und wurde von Einsatzkräften in Sicherheit gebracht. Dann überwältigte das SEK den Mann. Er wurde in die Psychiatrie in Haar eingeliefert. Die Waffe stellte sich als Schreckschusspistole heraus. Die Polizei ermittelt wegen Bedrohung mit einer Waffe.

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