Das nächste Löwen-Beben: Der Statthalter des Investors tritt als Aufsichtsrat zurück. 1860 trifft das unvorbereitet: „Ein herber Rückschlag“. Es ist unklar, wie es nun mit dem Geldgeber weitergeht

München - Bei der Trainerfrage haben sich die Löwen mit der Beförderung von U21-Trainer Alexander Schmidt gerade bis auf Weiteres für die interne Lösung entschieden. Nur drei Tage nach Schmidts Aufstieg aber folgt durch eine weitere Personalentscheidung ein neues Löwen-Beben. Und diesmal ein richtiges. Investoren-Einflüsterer Hamada Iraki ist mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Aufsichtsrat der KGaA und als Beirat der ausgegliederten Geschäftsführungsgesellschaft zurückgetreten. Damit verlässt der wahre Architekt des Investoreneinstiegs von Hasan Ismaik das Schiff.

Anlass für Irakis Entscheidung seien neue berufliche Herausforderungen, die seine volle Konzentration verlangen. Laut SZ soll Investmentbanker Iraki, der bisher für die UniCredit das Nahost- und Nordafrikageschäft leitete, in Zukunft eine höhere Position bei der Schweizer Großbank UBS bekleiden.

„Deshalb kann ich meine Aufgaben als Aufsichts- und Beirat nicht mehr so erfüllen, wie dies notwendig ist, und wie der Verein es von mir erwarten kann“, wird Iraki, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, in der Mitteilung des Klubs zitiert. Nichtsdestotrotz will Iraki dem Klub weiter als Berater zur Verfügung stehen – und, wie die AZ erfuhr, das Stadionprojekt vorantreiben. „Ich bedauere diesen Schritt. Aber Herr Iraki wird dem Verein auch nach dem Ausscheiden aus den Gremien mit Herzblut zur Seite stehen“, sagte Präsident Dieter Schneider der AZ. „An der Zusammenarbeit ändert sich nichts.“

Dennoch: Die Löwen-Bosse wurden von Irakis Entscheidung kalt erwischt. Erst in der Nacht auf Dienstag habe er Geschäftsführer Robert Schäfer informiert. Wer und wie künftig die auch bisher schon schwierige Kommunikation mit Ismaik ablaufen soll, ist offen. „Die Meldung hat uns extrem überrascht. Wir hatten uns als Gesamtgebilde gerade erst kultiviert, jetzt bricht ein wesentlicher Mosaikstein in unserer Vereinsführung weg. Uns hat mittlerweile nicht nur eine intensive Partnerschaft, sondern auch eine angenehme Freundschaft verbunden. Und jetzt müssen wir zusehen, dass wir diesen herben Rückschlag verkraften“, sagte Vereins-Aufsichtsratschef Otto Steiner der AZ. Er trifft sich am Mittwochabend mit der gesamten Vereinsspitze zur Aufsichtsratssitzung.

Überhaupt ist das Investorenmodell um Ismaik nur schwer vorstellbar ohne Iraki, den die AZ einst als „Löwen-Macchiavelli“ bezeichnete. Der Banker war es, der im April 2011 den Kontakt zwischen dem damals akut insolvenzgefährdeten Klub und Ismaik herstellte. Iraki suchte den Investor aus. Später war es Iraki, der sich auch in der Öffentlichkeit gegen Präsident Dieter Schneider positionierte und im Februar 2012 fast den Bruch provozierte. Spötter sagen sogar, dass Ismaik nur der Geldgeber war unter Iraki. „Mich gibt es nicht ohne Hamada. Was er tut, ist das, was ich denke“, sagte Ismaik bei einem seiner seltenen München-Besuche einst der AZ.

Was wird nun aus Ismaik bei 1860? Er wird sich einen neuen Vertrauensmann suchen müssen. Nach AZ-Informationen ist Iraki gestern selbst nach Abu Dhabi geflogen, um mit Ismaik die Zukunft der Löwen zu diskutieren. Schließlich sind beide gemeinsam auch Gesellschafter des 1860-Vermarkters HI2. „Wir sind gespannt, wie Herr Ismaik die Position neu besetzt“, sagt auch Steiner.
Denkbar wäre etwa, dass Ismaik einen seiner Brüder, die überwiegend als Banker und Investoren in London leben, nach München schickt. Dass Ismaik sich nun bei den Löwen zurückzieht, sei vertraglich nicht möglich, wie Schäfer erklärte. Undenkbar scheint dieser Tage aber mal wieder nichts beim TSV 1860.

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