Beim Münchner Bildungswerk Ehrenamtliche Seniorenbegleiter gesucht

Seniorenbegleiterin Ulrike W. und die 85-jährige Ilse H. schauen sich gemeinsam Familienbilder in einem Fotoalbum an. Foto: Münchner Bildungswerk / Stephan Zöller

Das Münchner Bildungswerk sucht ehrenamtliche Seniorenbegleiter. Im September starten neue Kurse.

Maxvorstadt - „Ich würde mir ganz gerne wieder einmal die Familienbilder ansehen“, sagt Ilse H. Die 85-Jährige sitzt in ihrem Fernsehsessel, weil sie nicht mehr so gut zu Fuß ist. Die Seniorenbegleiterin Ulrike W. geht zum Wohnzimmerschrank und holt das gelbe Fotoalbum heraus. „Das hat mein Enkel Patrik für seine Omi gebastelt, weil sie nicht mit in den Urlaub fahren konnte, aber doch daran teilhaben sollte“, erklärt Ilse H. stolz. Gemeinsam blättern die beiden Frauen die Seiten um und betrachten die Bilder von St. Peter-Ording an der Nordsee.

Seit sechs Jahren wird die Rentnerin von ihrer Seniorenbegleiterin zu Hause unterstützt. „Ohne Frau W. hätte ich schon längst meine Wohnung verlassen müssen“, betont Ilse H.. Zwar hat die Witwe fünf Kinder, acht Enkel und vier Urenkel, aber keiner von denen wohnt in München. „Allein die Gespräche mit der Seniorenbegleiterin sind für mich schon eine große Bereicherung“, meint die Rentnerin dankbar, „denn geistiger Stillstand ist Rückschritt.“ Darüber hinaus stehen Spaziergänge mit dem Rollstuhl im Park, Besuche beim Zahnarzt oder Einkaufen im Supermarkt auf dem Programm: „Ich esse doch so gerne diesen Camembert“. Auch eine neue Brille haben die zwei Frauen zusammen ausgesucht.

Viele Senioren wollen nicht ins Altenheim. Sie möchten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und sich selber versorgen. Ulrike W. freut sich, dass sie durch ihr freiwilliges Engagement alten Menschen diesen Wunsch erfüllen kann. Nach dem Tod ihres Mannes und dem Ende ihrer Berufstätigkeit hatte die 60-Jährige viel Freizeit, die sie sinnvoll nutzen wollte. Die Seniorenbegleitung bereichert sie auch persönlich. So hat die ehemalige Designerin viel über die Probleme des Alterns in der heutigen Gesellschaft erfahren. „Vor allem habe ich gelernt, wie ein gesundes Maß des Gebens den anderen im Alltag hilft, ohne für mich zur Belastung zu werden“, sagt Ulrike W..

Damit die Ehrenamtlichen für ihre vielfältigen Aufgaben gut vorbereitet sind, bietet das Münchner Bildungswerk (MBW) eine Schulung für die Seniorenbegleitung an. Kooperationspartner sind der Caritasverband der Erzdiözese und die Alzheimer-Gesellschaft München.

In 30 Stunden wird u.a. über Alterserkrankungen informiert, der Umgang mit dem Rollator geübt und ein Altenheim besichtigt. Karin Wimmer-Billeter ist die zuständige Projektleiterin im MBW. „Unsere qualifizierten Referentinnen kommen alle aus der Praxis“, so die Sozialpädagogin. Und die Diskussion in der Gruppe sei auch sehr wichtig: „Manche Teilnehmende haben schon Erfahrungen in der Altenarbeit und erzählen im Kurs davon, daraus können alle lernen.“

Das Besondere am Konzept des MBW ist die Einbindung der Seniorenbegleiter in die Einrichtungen vor Ort. So fühlen sich die Ehrenamtlichen nicht allein und können bei Bedarf nach Unterstützung fragen. Barbara Fröhlich-Rausch ist die Leiterin des Alten- und Service-Zentrums Perlach. Die Seniorenbegleitung ist für ihre Tätigkeit eine wichtige Ergänzung. „Wir haben gar nicht das Personal, um die vielen einsamen und depressiven Menschen regelmäßig zu besuchen“, betont die Sozialpädagogin. Durch die Vernetzung der Helfer im Stadtviertel profitieren alle: „Ich habe Kontakt zu Frau W. und den anderen Ehrenamtlichen und erfahre so, wo wir Hauptamtlichen mehr Angebote machen müssen.“

Der nächste Grundkurs „Seniorenbegleitung“ startet am Samstag, 27. September 2014. Die Gebühr für die sechs Treffen beträgt 50 Euro. Der Anmeldeschluss ist Montag, 15. September 2014.

Weitere Informationen stehen in dem Faltblatt „Seniorenbegleitung 2014/2“, das kostenlos und unverbindlich beim Münchner Bildungswerk, Dachauer Str. 5/II, 80335 München, Telefon 089/54 58 05-0, mbw@muenchner-bildungswerk.de, erhältlich ist oder auf www.muenchner-bildungswerk.de heruntergeladen werden kann.

 

 

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