An dem Münchner Hausberg soll für ein Kraftwerk ein riesiger Speichersee entstehen. Naturschützer sind entsetzt. Strom liefern könnte das Kraftwerk ab 2022.

Bad Tölz - Der Jochberg mit einer Höhe von 1565 Metern zählt zu den beliebtesten Hausbergen der Münchner. An schönen Sommertagen sitzen sie knapp unterhalb des Gipfels an der Jocher-Alm und genießen das Alpenpanorama.

Doch wenn das geplante Pumpspeicherkraftwerk tatsächlich kommt, würde die Berg-Alm wohl in den Fluten eines Speichersees versinken.

Zum Vergleich: Das im vergangenen Sommer gebaute Speicherbecken für die Schneekanonen im Skigebiet am Brauneck ist nur rund 100000 Kubikmeter groß. Der Speichersee am Jochberg könnte bis zu drei Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Das entspräche der Fläche von bis zu 20 Fußballplätzen.

Der  Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Friedl Krönauer, ist entsetzt. Ihm ist im näheren Alpenraum aus den vergangenen Jahrzehnten kein Eingriff dieser Größenordnung bekannt. Der Protest beginnt sich bereits zu formieren. Alpenverein, die Organisation Mountain Wilderness und der Landesbund für Vogelschutz sind alarmiert.

Die Naturschützer können auf Unterstützung aus dem gesamten Voralpenland bis München rechnen.

Die Energieallianz Bayern plant das rund 600 Millionen Euro teure Projekt. Ein Bündnis aus 32 kommunalen Energieversorgungsunternehmen aus ganz Bayern unter der Federführung der Tölzer.

Der Geschäftsführer der Tölzer Stadtwerke, Michael Hofmann, möchte derzeit am liebsten gar nicht über das Projekt sprechen. In seinem Haus verweist man stattdessen auf eine Infoveranstaltung, die für Ende Februar geplant ist. Ähnlich wortkarg zeigt man sich auch in den Rathäusern von Jachenau und Kochel am See. Es sei alles noch zu vage.

Deutlicher wird da schon Landrat Josef Niedermaier (FW). „Der Speichersee dient der allseits beschworenen Energiewende“, betont er. Man könne nicht einerseits dauernd die Energiewende fordern und andererseits zugleich alle einschlägigen Projekte ablehnen, so Josef Niedermaier.

Technisch gesehen ist der Jochberg wegen seiner geologischen und topografischen Bedingungen als Standort geeignet. Die Höhendifferenz reiche aus, sagen Experten. Ein Netzanschluss sei vorhanden. Und, was für die Energieallianz wichtig ist: Sie hat es nicht mit einem Naturschutzgebiet zu tun.

Der Baugrund gehört mehreren Bauern. Bei ihnen wurde bereits sondiert, wie sie zu einem Verkauf stehen.

Naturschützer wie Friedl Krönauer warnen, dass ein Speichersee dieser Dimension ein gewaltiger Eingriff in die Umwelt wäre. Sprengungen wären notwendig, riesige Mengen Beton würden verbaut. Was bliebe, wäre eine gigantische Betonwanne.

Die Jocher-Alm müsste bei einer Seegröße von drei Millionen Kubikmeter um mehrere Meter den Berg hoch versetzt werden. Technisch ein Klacks. Ob der Besitzer mitspielt, ist eine ganz andere Frage.

Das Kraftwerk und die Leitungen sind unterirdisch, sagt Achim Thiel. Zu sehen wäre der Speichersee, in dem wegen ständig wechselnder Pegelstände und der Pumpen aber keiner baden dürfte. Der Freistaat sucht seit 2010 Standorte für Pumpspeicher-Werke. Vom Chiemgau über das Mangfallgebirge, den Sylvensteinspeicher bis zum Jochberg.

Das Projekt sei nicht beschlossene Sache, betont der Tölzer Landrat. Zuvor gebe es ein Raumordnungsverfahren, ein Planfeststellungsverfahren mit entsprechender Beteiligung der Bevölkerung. „Wir sind in einem frühen Anfangsstadium“, sagt Achim Thiel. In etwa fünf Jahren könnte der Bau beginnen. Strom liefern könnte das Kraftwerk ab 2022.