„Das hätte ein Blutbad geben können”, sagt der Hausbesitzer. In der AZ erzählt der Mann, wie er den unglaublichen Unfall erlebt hat. Dem Landwirt ist die Sache äußerst peinlich.

Neu-Ulm - Sachen gibt’s – die gibt’s gar nicht. Selten hat dieser Spruch besser gepasst als jetzt. Denn in Neu-Ulm hat sich gerade Bayerns unglaublichster Unfall ereignet.

Der 58 Jahre alte Ingenieur Michael Berg (Name geändert) hatte mit seiner Frau am Donnerstagabend gemütlich im Garten gegrillt. Das Ehepaar wohnt in einer schönen Siedlung im Stadtteil Finningen. Grün ist es dort. Idyllisch.

Die beiden waren mit dem Essen fertig und räumten gerade auf, als sie plötzlich einen „Höllenschlag” hörten. „Was ist jetzt umgefallen?”, dachte der Neu-Ulmer zuerst.

In der Küche lagen überall Glassplitter, der ganze Boden war voll davon. Das Küchenfenster, eine isolierverglaste Doppelscheibe, hatte ein Loch. „Erst dachte ich, dass es im Kühlschrank den Kompressor zerlegt hat”, erzählt Berg der AZ.

Doch da war nur eine Delle an dem Gerät. Mehr nicht. Dafür steckte irgendein sonderbares Eisenteil in der Küchentür. Es hatte sich richtig ins Holz reingebohrt. „Es war klar, dass es von einer Maschine stammen musste.”

Was für eine Aufregung – die halbe Nachbarschaft lief zusammen.

Schritt für Schritt rekonstruierten die Bergs mit Hilfe der herbeigerufenen Polizei und eines Nachbarn, was passiert war. Letzterer war gleich losgestartet und hatte sich umgeschaut, ob irgendwo in der Nähe frisch gemäht worden war. Ein wichtiger Tipp – denn so konnte die Polizei gleich den richtigen Landwirt ausfindig machen. „Der konnte das geborgene Teil aus meiner Tür seinem Kreiselmähwerk zuordnen”, berichtet Michael Berg der AZ.

Unfassbar: Es war vom Traktor aus Luftlinie 350 Meter weit geschleudert worden – bevor es bei den Bergs durchs Fenster schlug, mit großer Wucht am Kühlschrank abprallte und schließlich in die Tür eindrang. Bei dem Ding handelte es sich um eine Halterung für eines der 16 Mähmesser, die eigentlich fest verschraubt sein sollte.

Die Geschwindigkeit des gefährlichen Fluggeschosses muss enorm gewesen sein. „Je schneller eine Scheibe durchschlagen wird, desto kleiner ist das Loch”, erklärt Ingenieur Berg. Und das Loch, das da jetzt in seinem kaputten Fenster klaffte, war nicht viel größer als das fliegende Metallteil selbst.
„Die Polizei und die Versicherung sagen, sie haben so etwas noch nie gehört!”

Der Gedanke, dass alles auch ganz anders hätte ausgehen können, kam erst am nächsten Tag. „Meine Frau war eine Minute zuvor noch aus der Küche ins Wohnzimmer gegangen”, sagt Berg. Sie hätte mitten in der Flugbahn gestanden. Auch er wäre gleich wieder nach drinnen gekommen. „Das hätte ein Blutbad geben können.”

Was bleibe, sei das Gefühl: „Menschenskind, da haben wir wahnsinnig Dusel gehabt!” Und die Überlegung, dass sie nun doch noch anfangen sollten, Lotto zu spielen. „Denn die Wahrscheinlichkeit für einen Sechser sollte größer sein als das!”

Der Landwirt, dem das Mähwerk gehört, hat sich entschuldigt. „Es ist ihm hochpeinlich gewesen”, sagt Berg und nimmt ihn in Schutz: „Aber er kann ja nichts dafür!” Der Bauer vermute, dass sich das Metallteil gelöst hat, als er das Mähwerk nach oben richtete – um es zu wenden. „Er hat gar nichts davon bemerkt.”

Die Polizei hat jetzt die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft eingeschaltet. Die wird sich die Maschine nun mal ansehen.
„So etwas darf nicht passieren”, sagt ein Sprecher der Polizeiinspektion in Neu-Ulm. „Wenn das einen Menschen trifft, steht der wahrscheinlich nimmer auf.”

Unsicher fühlt sich Michael Berg nach diesem irren Erlebnis trotzdem nicht. Und er denkt jetzt auch nicht über Schutzfenster aus Panzerglas nach. „Mein Soll habe ich erfüllt”, sagt er und lacht dabei. „Mein Haus wird es statistisch gesehen nicht mehr treffen.”