Fußballer Egon Coordes, ehemals Assistent von Heynckes, macht jetzt Bayerns Basketballer fit. „Ich wurde von Hoeneß im Sommer gebeten“

München - Das Debüt von Svetislav Pesic als Coach der Bayern-Basketballer war daneben gegangen. Mit 72:80 verlor man bei Alba in Berlin. Etwas mehr Zeit, mit seiner Mannschaft richtig zu arbeiten, hat Pesic diese Woche. Bei seiner Heimpremiere im Audi Dome am Sonntag (13.15 Uhr) gegen die Telekom Baskets Bonn will man ein anderes Gesicht zeigen. Mehr Biss. Mehr Power.

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Am Dienstag stand eine knackige Athletik-Einheit an. Unter Anleitung von Egon Coordes. Ja, der Egon Coordes. Fußballtrainer, ehemaliger Assistent von Jupp Heynckes, Udo Lattek und Giovanni Trapattoni. Nicht zum ersten Mal leitet der 68-Jährige die Übungen. Doch bei Bayern wollte man den Teilzeitjob des Mitglieds der Scouting-Abteilung (der Fußballer!) nicht zum Thema machen. Erst Pesic verriet nun den Undercover-Job.

„Ich wurde von Uli Hoeneß schon im Sommer gebeten, dies zu tun. Seit Juli mache ich das ein Mal pro Woche“, erzählt Coordes der AZ, „im Trainingslager in Garmisch haben wir damit angefangen.“ Also schon unter Ex-Trainer Dirk Bauermann. Dass Hoeneß den alten Fußballer-Kumpel an die Seite Bauermanns schickte, um Nachhilfe in Konditionsarbeit zu leisten, war ein deutliches Misstrauensvotum.

Für Coordes war der Job „Neuland“, wie er sagt, „aber der Sport spricht eine Sprache, ich hatte keine Bedenken“. Auch wenn er sich beim Übersetzen für die US-Boys von Steffen Hamann oder Desmond Greene helfen lässt. „Es geht um Schnellkraft und Gymnastik“, erklärt Coordes, „die Basketballer sind natürlich anders gebaut, daher sind die Belastungen anders, da muss ich vorsichtiger sein.“ Netter Randaspekt: „Die Gruppe ist kleiner, übersichtlicher. Das macht es einfacher.“

Nur die Punkteausbeute ist ausbaufähig. Platz zwölf, nur fünf Siege in elf Spielen. An Coordes soll es nicht liegen. „Unsere Arbeit hat sich bewährt, die Jungs ziehen gut mit, lassen sich sehr gut belasten“, sagt der Mann aus Wesermünde bei Hannover, „ich will die Spieler vernünftig fordern, mache die Jungs frisch. Sie sollen aus ihrem Tief heraus.“

Vernünftig fordern? Coordes hat aus seiner Fußballtrainerkarriere den Beinamen Schleifer wegen seiner harten Einheiten bekommen – lange vor Felix Magath. „Ich bin so selbstbewusst, diese Dinge mit einem Lächeln hinzunehmen“, sagt er der AZ, „bei mir hat sich noch kein Spieler im Training verletzt. Außerdem: Das sind Profis, die müssen ihrem Beruf gemäß gefordert werden.“

Zum vierten Mal arbeitet er bei Bayern. Nach Co-Trainer und Chefanalytiker nun in Doppelfunktion als Scout und Konditionstrainer. „Ich bin immer noch Teil der Scouting-Abteilung, sehr viel unterwegs. Wir beobachten den gesamten Profimarkt bis runter zur U17.“ Heynckes & Pesic – so ist Coordes ein Diener zweier Herren.