Der bayerische Verfassungsschutz soll nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ in den 90er Jahren aktiv am Aufbau der rechtsextremen Szene beteiligt gewesen sein.

München -  In den Ermittlungen zur Beziehung von Verfassungsschützern und Neonazis kommt nun ans Licht: Bayerns Verfassungsschutz soll in den 90er Jahren Neonazis geholfen haben. Der Nachrichtendienst habe einen Mitarbeiter in die Szene eingeschleust, der mit finanzieller Unterstützung des Verfassungsschutzes am Aufbau des sogenannten Thule-Netzes mitgewirkt habe, eines bundesweiten Mailbox-Systems, mit dem die Neonazis Informationen austauschten und Aktionen planten, berichtete die Zeitung am Donnerstag ohne Nennung einer Quelle.

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Der Mitarbeiter sei ein Computerfachmann aus dem oberfränkischen Landkreis Kronach gewesen und von 1987 bis 1998 für den bayerischen Verfassungsschutz tätig. Hierfür soll er monatlich 800 D-Mark erhalten haben.

Der gebürtige Berliner sei aber kein überzeugter Rechtsextremist gewesen und soll zuvor für den Berliner Verfassungsschutz die linke Szene ausspioniert haben, ehe er zu einem der wichtigsten Kader in der Neonazi-Szene aufgestiegen sei. Nun stehe die Frage im Raum, ob der Mann gezielt zu einem führenden Neonazi aufgebaut worden sei oder er den Behörden mit der Zeit „schlicht aus dem Ruder“ gelaufen sei, heißt es in dem Bericht.

 

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