Der Wechsel von Goretzka zu Bayern verdeutlicht, wie sich der Verein neu aufstellt. Die Münchner setzen auf junge Spieler wie Kimmich, Coman, Süle, James, die den Klub auf lange Zeit prägen sollen.

München/Doha – Man darf fest davon ausgehen, dass Jupp Heynckes schon ein bisschen mehr wusste, als er am Dienstagmorgen vor dem Abflug ins Trainingslager nach Doha über Leon Goretzka sprach. "Das ist ein guter Junge, der gefällt mir", sagte der Trainer über den ziemlich wahrscheinlichen Neuzugang des FC Bayern, der im Sommer 2018 laut übereinstimmenden Medienberichten ablösefrei vom FC Schalke 04 nach München wechseln wird.

Eine offizielle Bestätigung steht zwar noch immer aus, Heynckes verwies zudem auf "die Spanier", also Real Madrid und FC Barcelona, die auch am 22-Jährigen heftig interessiert waren. Doch ernste Zweifel am Goretzka-Transfer gibt es nicht mehr.

Die Bayern ziehen damit ein Top-Talent an Land. Einen weiteren deutschen Nationalspieler, einen Hoffnungsträger für die WM in Russland. Und sie setzen gleichzeitig den Verjüngungstrend fort, den man zuletzt schon erkennen konnte. Der Umbruch hat begonnen!

Bekommen Franck Ribéry und Arjen Robben noch einen neuen Vertrag?

Kingsley Coman (21) verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis 2023, der Franzose wird in naher Zukunft die Nachfolge Franck Ribérys antreten. Coman hat in dieser Saison bereits damit angefangen, er spielt konstant wie nie im Bayern-Dress. Auch auf der anderen Flügelposition steht mit Serge Gnabry (22) ein hochveranlagter Spieler für das Erbe Arjen Robbens bereit – wenngleich sich der Nationalspieler noch deutlich steigern muss. Aktuell ist Gnabry an 1899 Hoffenheim verliehen, im Sommer soll er zu den Bayern kommen.

Als Konkurrent oder Nachfolger Robbens? Diese Frage ist bislang ungeklärt. Erst im Frühjahr wollen die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge entscheiden, ob sie die Vereinsikonen Robben (33) und Ribéry (34) mit neuen Verträgen ausstatten.

Was wird aus Sven Ulreich und Rafinha?

"Sie wissen, dass wir einen Spieler am Ende nie fallen lassen", erklärte Hoeneß kürzlich. Ebenfalls offen ist die Zukunft von Torhüter Sven Ulreich (29) und Rafinha (32). Während Keeper Ulreich mit Top-Leistungen als Vertreter von Manuel Neuer glänzte und sehr gute Chancen auf eine Verlängerung hat, zeigte die Formkurve bei Rafinha zuletzt eher nach unten. Trotzdem: Aufgrund seiner guten Einstellung und Verlässlichkeit ist auch beim Deutsch-Brasilianer ein Verbleib in München möglich.

An Joshua Kimmich (22) gibt es für Rafinha allerdings keinen Weg vorbei. Der Youngster, der Philipp Lahm so hervorragend ersetzt hat, steht vor einer Vertragsverlängerung bis 2023, "er ist schon jetzt eines der Gesichter des FC Bayern", wie Entdecker Michael Reschke in der AZ betonte. Nationalverteidiger Kimmich dementierte am Dienstag eine Einigung mit dem Verein, bei Sky sagte er: "Die Gespräche laufen noch." In Kürze ist aber mit einer offiziellen Bestätigung zu rechnen – wie eben auch im Fall Goretzka.

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Heynckes bescheinigt dem Schalker Führungsspieler "eine klasse Entwicklung". Sein Co-Trainer Peter Hermann kennt Goretzka noch aus der gemeinsamen Zeit in Gelsenkirchen.

"Er hat mit ihm auf Schalke gearbeitet. Das muss ein aufgeweckter, intelligenter Junge sein. Der weiß schon genau, was für ihn das Beste ist", sagte Heynckes vor dem Abflug ins Traingslager nach Katar. Hermann Gerland, Bayerns zweiter Co-Trainer, verfolgt Goretzkas Entwicklung schon seit dessen Profianfängen beim VfL Bochum ganz genau. Der Kontakt zwischen beiden riss nie ab.

Für Arturo Vidal wäre der Goretzka-Transfer durchaus als Signal zu werten. Der Vertrag des Chilenen, der sich selbst gerne als "Krieger" bezeichnet, läuft noch bis 2019, im Sommer könnten die Bayern letztmals Kasse machen mit einem Verkauf. Der FC Chelsea lockt – ein Abschied könnte für beide Seiten Sinn ergeben.

Mit Goretzka im Team hätten die Bayern gleich sieben Spieler unter 25, die den Verein in naher Zukunft prägen sollen – und können: Gnabry, Kimmich, Coman, Niklas Süle (22), Corentin Tolisso (23) und David Alaba (25), dazu noch Juan Bernat (24) und die gerade 26-jährigen Thiago und James Rodríguez. Gute Aussichten.

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