Das AZ-Interview mit Franck Ribéry: Hier spricht der Bayern-Star über die Rückkehr von Hoeneß und die Wahl zum Weltfußballer.

AZ: Herr Ribéry, Sie haben sich optisch verändert. Der lange Bart ist ab.

FRANCK RIBERY: Ja, ich hatte ihn seit der WM wachsen lassen. Meiner Frau hat das auch gefallen. Jetzt habe ich ihn abrasiert, ohne ihn sehe ich wieder jünger aus. Oder? (grinst)

Auch auf dem Platz sind Sie wieder fast der Alte. Zu Beginn der Saison bremsten Sie Knieprobleme, im Trainingslager konnten Sie voll mittrainieren.

Ich bin seit drei Monaten wieder fit, manchmal zwickt es aber doch noch am Knie. Deshalb muss ich eine halbe Stunde vor dem Training mit unserem Physio immer ein paar Übungen machen, auch danach. Manchmal ist es gut und ich spüre gar nichts, manchmal noch ein bisschen.

In der Hinrunde haben Sie größtenteils mit einem neuen Partner auf der linken Seite zusammengespielt: Juan Bernat. Wie klappt das bislang?

Ich kannte ihn nicht, bis er zu uns kam. Er ist ein guter Spieler, sehr schnell und hat einen guten linken Fuß. Er läuft viel. Es klappt gut. Es ist aber auch komplett anders als mit David (Alaba, Anm. d. Red.).

Inwiefern?

Ich war am Anfang der Saison ja verletzt und spiele erst zwei, drei Monate mit Juan zusammen. David und ich dagegen kennen uns schon ein paar Jahre. Mit Juan verstehe ich mich auch schon gut. Aber bei David weiß ich eben ganz genau, was er macht und braucht. Und er kennt mich perfekt. Wir verstehen uns blind.

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Ist es für die Situation auf dem Platz hilfreich, wenn man auch privat zusammen etwas unternimmt, so wie Sie und David Alaba?

Ja, das hilft viel. Wir gehen öfter mal zusammen in die Stadt, etwas essen oder einen Espresso trinken. Das ist schon wichtig.

Philipp Lahm arbeitet gerade nach seinem Knöchelbruch intensiv an seinem Comeback. Wie wichtig ist seine Rückkehr für die Mannschaft?

Philipp ist eine Säule für uns. Er, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger und ich sind schon lange beim FC Bayern. Philipp ist sehr wichtig mit seiner Präsenz. Er ist unser Kapitän. Er hat immer gespielt. Deshalb war die Verletzung nicht nur für ihn, sondern die Mannschaft und den ganzen Klub ein Schock.

Wo ist er besser: in der Abwehr oder im Mittelfeld?

Philipp war fast seine ganze Karriere lang Außenverteidiger. Das hat er super gemacht. Seit Pep Guardiola unser Trainer ist, hat er fast immer im Mittelfeld gespielt. Das hat er auch sehr gut gemacht. Als ich hierher gekommen bin, habe ich ja auch eine Weile mit ihm auf der linken Seite zusammen gespielt. Auch da war er brutal gut. Wie überall.

Philipp Lahm hat zuletzt gesagt, wenn sein Vertrag 2018 ausläuft, wird er seine Karriere beenden. Wollen Sie nochmal verlängern?

Vielleicht. Mein Vertrag endet 2017. Dann bin ich 34 Jahre alt. Ich muss sehen, wie es mir dann geht und wie mein Körper reagiert. Ich kann cool bleiben. Vielleicht ist es ja wichtig für Bayern, dass ich noch ein oder zwei Jahre länger hier spiele. Schauen wir mal.

Zu Uli Hoeneß haben Sie eine besonders innige Beziehung. Als Freigänger darf er seit Anfang des Jahres tagsüber aus dem Gefängnis und wieder an der Säbener Straße arbeiten.

Ich habe ihn direkt nach dem Winterurlaub getroffen. Vorher habe ich auch schon mit ihm telefoniert. Wir sind alle glücklich für ihn, dass er jetzt wieder bei uns sein darf. Er hat ein Büro hier, seine Tür ist immer offen. Du kannst zu ihm gehen und mit ihm reden, das ist super. Ich war auch schon bei ihm in seinem Büro und habe ihn besucht.

Optisch hat er sich ja ein bisschen verändert...

Ja, er hat viel abgenommen. Es ist nach wie vor eine sehr schwierige Situation für ihn. Er war sieben Monate lang jeden Tag alleine, ohne Telefon. Aber er war stark, hatte den Kopf immer oben und hat sich nicht hängen lassen. Jetzt kann er wieder arbeiten und wieder anfangen, zu leben.

Hat er sich auch als Mensch verändert?

Uli Hoeneß ist immer noch derselbe. Er denkt immer noch für den FC Bayern und sein Leben ist immer noch der FC Bayern.

Wie wirkt Uli Hoeneß auf Sie?

Wenn er hier ist, geht es ihm sehr gut. Wenn ich ihn hier sehe und mit ihm spreche, ist er immer glücklich und froh.

Und worüber reden Sie mit ihm?

Natürlich auch über Fußball. Er fragt immer, wie es mit meiner Verletzung ist und wie es mir geht. Er hat auch gesagt, dass er zufrieden damit ist, wie gut die Mannschaft im Moment spielt. Wir sprechen aber auch über Privates, unsere Familien und Kinder.

Gesprochen wurde auch viel über die Weltfußballerwahl. Ihr Mannschaftskollege Manuel Neuer ist Dritter geworden, hinter Messi und Ronaldo, wie Sie im letzten Jahr.

Ich war richtig sauer. Aber es ist jedes Jahr das Gleiche: Du weißt nicht, was du machen musst, um diese Wahl zu gewinnen.

Viele Tore, viele Titel?

Selbst Weltmeister zu werden, reicht offenbar nicht. Was willst du machen? 2006 war Abwehrspieler Fabio Cannavaro Weltmeister und hat den Ballon d’Or gewonnen. Neuer ist seit zwei, drei Jahren der beste Torwart in der Welt. Er hat Titel mit dem Verein gewonnen. In Brasilien war er der beste Torwart und ist Weltmeister geworden. Das ist offenbar nicht genug. Ich verstehe das nicht! Wenn wieder ein Bayernspieler nominiert wird, sollten wir überlegen, ob wir dort überhaupt hinfahren. Wofür? Vielleicht für ein Foto? Nein! Das ist Politik für mich. Das ist nicht korrekt. Jeder Spieler muss wissen: Wenn Ronaldo und Messi da sind, muss sich der dritte nominierte Spieler da keine Hoffnungen machen.

Sie sind Muslim, beten vor jedem Spiel. Nun wurde in Ihrer Heimat die Religion für einen Anschlag missbraucht: In Frankreich haben islamistische Terroristen 17 Menschen getötet.

Ich möchte nicht über diese Probleme in Frankreich sprechen. Ich will mich auf Fußball konzentrieren.

In Deutschland und mittlerweile auch in München gehen in diesen Wochen Demonstranten als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße. Der FC Bayern ist doch ein gutes Gegenbeispiel. Es spielen Profis aus verschiedensten Nationen zusammen.

Das ist immer gut. Egal, ob du Muslim bist oder welche Farbe du hast. Wir sind alle Menschen und wir sind alle gleich. Egal ob schwarz, weiß, oder arabisch. Jeder hat sein Privatleben. Aber wenn wir hier sind, sind wir ein Team. Wir sind wie Brüder in einer Familie.