Bayern-Keeper im AZ-Interview Ulreich: "Nummer 1 zu sein – das bleibt mein Wunsch"

"Ich bin froh, dass ich jetzt mal zeigen konnte, was ich drauf habe", sagt Sven Ulreich. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Sven Ulreich im AZ-Interview: Hier spricht Bayerns Torhüter über die Rückkehr von Stammkeeper Manuel Neuer, einen möglichen Wechsel, seinen toten Vater und sein Engagement für Hunde.

München - Die AZ hat mit Sven Ulreich gesprochen. Der Torhüter (29) wechselte 2015 von Stuttgart zum FC Bayern. Wegen Manuel Neuers Verletzung stand Ulreich zum Saisonauftakt der Bayern zwischen den Pfosten.

AZ: Herr Ulreich, merken Sie jetzt, nach drei Spielen in Folge als Torhüter des FC Bayern, dass Ihre Popularität in München steigt?
SVEN ULREICH: Ich war erst Anfang der Woche mit meiner Frau in der Stadt, und da habe ich das schon gemerkt. Die Fans haben nach Fotos oder Autogrammen gefragt, manche haben mir zu meinen Leistungen gratuliert. Sonst bin ich unentdeckter durch die Stadt gegangen. Wenn ich jetzt wieder nicht so häufig spiele, wird es sich wahrscheinlich wieder ändern.

Sie sprechen es an: Manuel Neuer könnte am Samstag beim Spiel in Bremen ins Tor zurückkehren. Wie weit ist er schon?
Manu hat diese Woche alles mit der Mannschaft mitgemacht. Er ist wieder voll hergestellt. Deswegen gehe ich davon aus, dass er am Samstag spielen wird.

Tut es nicht weh, wieder auf die Bank zu müssen?
Ich wusste, dass es nur vorübergehend ist, dass ich Manu nur vertrete. Ich freue mich aber auch für Manu, dass er wieder zurück ist. Und ich bin froh, dass ich jetzt mal zeigen konnte, was ich kann.

Haben Sie es sich auch selbst bewiesen, dass Sie es bei einem Klub wie Bayern können?
Ich hatte nie Zweifel, dass ich die Qualität habe, über einen längeren Zeitraum auch bei Bayern zu spielen. Es ist immer schwierig, wenn man über fünf, sechs Monate nur trainiert, dann mal ein Spiel macht. Man hat einfach nicht so den Rhythmus.

War der gehaltene Elfmeter im Supercup gegen Dortmund denn ihr schönster Bayern-Moment?
Es gab viele schöne Momente. Auch die Titel, die man holt, wenn man auf der Bank sitzt, sind schön. Weil man jeden Tag hart mit der Mannschaft arbeitet. Aber natürlich ist so ein Elfmeterschießen besonders.

Wo holen Sie sich jetzt den Kick, wenn Sie nicht mehr im Tor stehen?
Das Adrenalin vor den Spielen ist mit nichts zu vergleichen. Ich bin aber jetzt nicht der Action-Fan, der Bungee Jumping macht. Ich spiele eher mal eine Runde Golf, da ist auch Adrenalin dabei, wenn du vor dem Ball stehst. Oder ich fahre Rad.

Beim Einlaufen hat man zuletzt gesehen, dass Sie Ihre Faust Richtung Himmel strecken. Eine Geste, um ihren verstorbenen Vater zu ehren.
Das ist unser gemeinsames Zeichen, das mache ich immer noch. Ein Ritual an meinen Papa, der viel zu früh gestorben ist. Es ist ein kleiner Dank für das, was er für mich getan hat.

 

 

Sven Ulreich und AZ-Reporter Maximian Koch (links).

Sie haben am Ende der vergangenen Saison über einen Wechsel nachgedacht. Warum sind Sie doch geblieben?
Ich habe noch ein paar Spiele gemacht, das war wichtig für mich. Bayern ist ein großer Verein. Auch wenn ich nicht so oft spiele, will ich der Mannschaft helfen, ihre Ziele zu erreichen. Ich habe immer gesagt, dass ich darüber nachdenke, zu wechseln, wenn ich bei einem Verein dauerhaft spielen kann. Ich war aber nie in der Stimmung, dass ich unbedingt wegwollte. Ich fühle mich sehr wohl hier.

Gab es konkrete Gespräche mit anderen Klubs?
Es gab Angebote, aus der Bundesliga und aus dem Ausland. Aber für mich waren es nicht die passenden.

Ihr Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Gibt es schon eine Tendenz?
Ich lasse alles auf mich zukommen. Den Wunsch, vielleicht irgendwo anders die Nummer eins zu sein, habe ich aber immer noch.

Was reizt Sie? England? China? USA?
Die Premier League finde ich sehr interessant, da gibt es tolle Klubs. Ich mag auch die USA, bin dort gern im Urlaub. Aber ich hoffe, ich habe noch zwei drei Jahre, bis ein solcher Wechsel in Frage kommt. China ist für mich unvorstellbar:

Warum?
Ich war zweimal dort mit Bayern im Trainingslager. Das ist nicht so meine Welt.

Welche Eigenschaft von Neuer hätten Sie eigentlich gern?
Ich habe mir viel von ihm abgeschaut. Kopieren kann man Manu nicht, er ist in einer anderen Liga als alle anderen Torhüter. Das Antizipieren von ihm hätte ich gerne. Er ist so gedankenschnell, weiß schon vor dem Schuss, wo der Ball hinfliegt. Das ist Wahnsinn, das kann man nicht lernen. Darum beneide ich ihn.

Gegen Leverkusen hat die Ordnung nicht gestimmt. Muss sich die Mannschaft nach den Rücktritten von Lahm und Alonso noch finden?
Man muss nicht diskutieren: Lahm und Alonso waren Weltklassespieler. Es ist ein kleiner Umbruch da, wir haben jetzt mehr jüngere Spieler. Wir müssen erst noch zusammenwachsen, die Abstände haben noch nicht ganz gestimmt, das Pressing, die Automatismen.

Trotz Umbruchs: Ist Bayern stark genug, die Champions League in diesem Jahr zu gewinnen?
Ja, der Kader ist stark genug. Wir haben mit James einen Weltklassespieler dazu bekommen. Rudy und Tolisso passen auf der Sechs super zusammen. Auch Niklas Süle ist eine große Bereicherung.

Sie werben für die Tierrechtsorganisation Peta, haben Hündin Nala aufgenommen. Wie viele Hunde haben Sie inzwischen zuhause?
Meine Frau und ich hatten jeweils einen Hund, als wir uns kennengelernt haben. Die sind jetzt beide daheim bei unseren Familien. Es kam ja noch eine Tochter dazu, das wäre sonst alles ein bisschen viel geworden. Wir haben jetzt nur die Nala, die uns ans Herz gewachsen ist. Man sollte Tiere adoptieren, die auf der Straße oder im Tierheim leben, statt immer neue Züchter aufzusuchen.

Waren Sie schon immer ein Hundefreund?
Nein, gar nicht. Früher hatte ich total Angst vor Hunden. Da hätte schon ein ganz Kleiner gereicht und ich wäre eine Etage höher gestiegen. Durch einen Bekannten habe ich die Angst verloren, wollte unbedingt selbst einen Hund. Es gibt nichts Schöneres, dein Hund ist immer für dich da und baut dich auf.

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