Bayern-Kaserne Flüchtlinge im Hungerstreik

In der Bayern-Kaserne kommen auch unbegleitete ausländische Jugendliche unter. Foto: Daniel von Loeper

42 junge Afghanen in der Bayernkaserne verweigern das Essen – was sie dazu treibt.

München - Hungerstreik in der Bayernkaserne: 42 jugendliche Afghanen sind in der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in den Hungerstreik getreten. Einer von ihnen verweigert bereits seit Mittwoch das Essen, die anderen haben sich am Wochenende angeschlossen.

Was treibt die jungen Männer im Alter von 16 und 17 Jahren zu diesem Schritt? „Der Anlass sind die Bedingungen, unter denen sie hier leben“, sagt Michael Schütz von der Inneren Mission. Er ist Vize-Leiter der Erstaufnahme in der Bayernkaserne. „Ich verstehe die Probleme der Jugendlichen, weil die Lebensbedingungen hier sehr schwierig sind und nicht altersgerecht.“

Sie beklagen laut Schütz mehrere Punkte: Dass der Zugang zu Deutschkursen so schwer sei zum Beispiel. Dass sie nicht genügend Unterstützung bei psychologischen Problemen bekämen, oder bei Behördengängen. Dass es in der Unterkunft beengt ist und zu laut. Eigentlich sollten die Jugendlichen innerhalb von drei Monaten einen Platz außerhalb der Einrichtung bekommen. Tatsächlich aber, so Schütz, seien sie bis zu einem Jahr vor Ort.

Dem bayerischen Flüchtlingsrat liegt eine Liste mit 16 Problemfeldern vor. Darin sei die Rede von zu wenig Duschen, kaputten Fenstern und Türen und auch abgelaufenen Lebensmitteln. „Die Jugendlichen sagen, das Essen ist nicht frisch“, berichtet Markus Geisel vom Flüchtlingsrat.

Dem widerspricht die Regierung von Oberbayern vehement: Bereits im Oktober 2010 habe der Flüchtlingsrat bei Mandarinendosen in den Essenspaketen behauptet, die Regierung von Oberbayern würde abgelaufene Ware an die Asylbewerber verteilen. „Dabei hatte der Flüchtlingsrat schlicht das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Herstellungsdatum verwechselt“, sagt Behördensprecher Heinrich Schuster.

Am Nachmittag sollte es ein Gespräch mit den Hunger-Streikenden geben. „Wir werden versuchen, die Gründe, so weit es geht, aus dem Weg zu räumen.“
Das Grundproblem: Die Zahl der „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ ist stark gestiegen. Waren es vor zwei Jahren noch 525, werden inzwischen mehr als 900 betreut. Innerhalb von zwei Jahren lag die Steigerung der Fallzahlen damit bei rund 70 Prozent.

Auf all diese Jugendlichen kommen gerade mal zehn städtische Pädagogen. Weitere sieben Mitarbeiter im Jugendamt kümmern sich um die Verwaltung.
Gestern schlug die Behörde Alarm – und ließ sich vom Stadtrat mehr Personal genehmigen.

Die Erfüllung der „Kernaufgaben“ des Stadtjugendamts, wie zum Beispiel die adäquate Unterbringung der jungen Menschen , sei „kaum mehr möglich“.
Außerdem wird damit gerechnet, dass die Lage sich erneut verschärft und noch mehr Jugendliche, insbesondere aus den Ländern Nordafrikas, nach Deutschland flüchten.

 

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