Die Basketballer steigen aus dem Projekt zum Bau einer 100-Millionen-Arena zusammen mit den Eishacklern des EHC aus. „Tot ist das Projekt deswegen nicht“, sagt Sportbürgermeisterin Strobl

München - Rien ne va plus! Da war es nur noch Einer! Die Basketballer des FC Bayern haben die geplante Platzhirsch-Kooperation mit dem Getränkegiganten Red Bull, dem die Münchner Eishackler des EHC gehören, zum Bau eines neuen gigantischen Sportkomplexes in München beendet. „Das Präsidium des FC Bayern hat beschlossen, den Audi Dome langfristig als Trainings- und Spielstätte für den FC Bayern Basketball zu nutzen. Hierzu sind entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur und Erhöhung der Zuschauerkapazität geplant“, hieß es in einer Presseerklärung. Und weiter: „Diese Entscheidung hat zur Folge, dass der FC Bayern sich nicht an weiteren Planungen einer neuen Multifunktionshalle für Eishockey, Basketball und Drittveranstaltungen im Olympiapark München beteiligt.“

Aus, vorbei ist’s mit der Kooperation! Red Bull steht nun mit dem 100-Millionen-Projekt, das auf dem Gelände des ehemaligen Radstadions im Olympiapark (das bereits abgerissen wurde) entstehen sollte, allein da. „Unsere Gründe für den Ausstieg aus den Planungen einer neuen Halle im Olympiapark sind zum einen das zu hohe wirtschaftliche Risiko für den Klub, das vor allem eine Bindung über einen zu langen Zeitraum in das von Red Bull vorgelegte Konzept mit sich bringen würde“, erklärte Bayerns Präsident Karl Hopfner.

 

So sollte das Hallen-Projekt ablaufen

 

Es war geplant, dass Red Bull die Kosten für die Arena, die 10 000 Zuschauern Platz bieten sollte, alleine stemmen würde, Bayerns Basketballer und auch die Stadt München dafür als Ankermieter einen langjährigen Vertrag (im Raum standen 30 oder 50 Jahre) unterschreiben müssten. Die Eishackler und die Basketballer gemeinsam in einer Halle, da waren Probleme programmiert. Für sechs Wochen – zwischen Mitte März und Mai – hätte es Spielplan-Überschneidungen geben können.

Das war wohl einer der Knackpunkte für die Bayern, das Projekt aufzukündigen. „Überschneidungen wären im künftigen Spielbetrieb von Eishockey und Basketball unvermeidbar“, erklärte Bayern-Präsident Hopfner. Erstaunlich, da andere Hallen – wie etwa Hamburg – dieses Problem wohl lösen konnten. Zudem zeichnete sich eine Entspannung der Problematik dadurch ab, dass die Telekom, die schon länger Basketball übertragt, sich ab der kommenden Saison die Übertragungsrechte für die Eishockey-Liga DEL gesichert hat. Eine Koordination der Spielpläne also nicht nur von den Vereinen, sondern auch vom Rechteinhaber gewünscht wäre.

„Der FC Bayern und der EHC wollten natürlich beide gerne die Top-Spielzeiten belegen. „Schade, dass die sich nicht einig geworden sind“, sagt Kristina Frank, sportpolitische Sprecherin der CSU im Rathaus. Sie glaubt aber nicht, dass damit unbedingt das Aus des Projekts besiegelt ist. Der Ball liege weiter bei Red Bull, die Verantwortlichen dort müssten entscheiden, ob ihnen der Bau unter den neuen Umständen „wirtschaftlich erscheint“. Und Sportbürgermeisterin Christine Strobl (SPD) meinte: „Wenn ein Hauptmieter wegfällt, ist klar, dass sich die Konditionen ändern.“ Strobl rechnet damit, dass die Stadt für die Mitnutzung nun womöglich höhere Gebühren wird entrichten müssen. „Tot ist das Projekt deswegen aber nicht“, so Strobl. Genaueres werde aber erst die nächste Verhandlungsrunde mit Red Bull erbringen.

Diese soll innerhalb der nächsten beiden Wochen stattfinden. Es bleibt spannend. Für die Halle, aber sicher auch die langfristige Zukunft des Eishockeys in München.

 

Die Pressemitteilung des FC Bayern im Wortlaut

 

"Das Präsidium des FC Bayern München eV hat als alleiniger Gesellschafter der FC Bayern München Basketball GmbH beschlossen, den Audi Dome langfristig als Trainings- und Spielstätte für den FC Bayern Basketball zu nutzen. Hierzu sind entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur und Erhöhung der Zuschauerkapazität geplant.

Diese Entscheidung hat gleichzeitig zur Folge, dass der FC Bayern München sich nicht an weiteren Planungen einer neuen Multifunktionshalle für Eishockey, Basketball und Drittveranstaltungen im Olympiapark München beteiligt.

 

Karl Hopfner, Präsident des FC Bayern München eV, zur Entscheidung

 

„Wir haben diese Entscheidung nach reiflicher Überlegung getroffen. Unsere Gründe für den Ausstieg aus den Planungen einer neuen Halle im Olympiapark sind zum einen das zu hohe wirtschaftliche Risiko für den Club, das vor allem eine Bindung über einen zu langen Zeitraum in das von Red Bull vorgelegte Konzept mit sich bringen würde. Zum anderen wären Überschneidungen im künftigen Spielbetrieb von Eishockey und Basketball unvermeidbar. Diese könnten wir nur mit dem Erhalt eines spielfähigen Audi Domes lösen. Auch dies würde noch einmal zu einer zusätzlichen wirtschaftlichen Belastung führen.

Deshalb haben wir uns entschieden, in den Audi Dome zu investieren und diesen langfristig als Heimat unserer Basketballer zu etablieren.

Sowohl mit der Landeshauptstadt München als auch mit Red Bull haben wir über einen langen Zeitraum immer offene und konstruktive Gespräche geführt. Beiden Parteien wurden über unsere Entscheidung informiert.“