Bayerische Unis CSU wird Studiengebühren beerdigen
Angela Böhm, 23.10.2012 17:38 Uhr
Schadenfreude: Horst Seehofer wollte aus Angst vor 2013 die Uni-Maut schon abschaffen. CSU und FDP aber nicht.Foto: Reuters
Seehofer fürchtet, dass ihm Studenten sonst bei der Landtagswahl die Quittung präsentieren.
München - Jetzt geht’s nur noch um die Beerdigungs-Modalitäten: Ministerpräsident Horst Seehofer will die Studiengebühren vor der Landtagswahl im September 2013 begraben – aber nicht im Alleingang. Zuvor soll die ganze Partei, von der Spitze bis zur Basis, ausführlich über die Uni-Maut beraten.
Mit klammheimlicher Schadenfreude reagierte Seehofer gestern in der Kabinettssitzung auf das Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes. Der hatte am Montag überraschend das Volksbegehren der Freien Wähler zur Abschaffung der Studiengebühren zugelassen. CSU und FDP waren felsenfest überzeugt, dass es null Chance hat. Auch SPD und Grüne hatten nicht mit dem Urteil gerechnet.
Immer wieder hatte Seehofer damit geliebäugelt, die umstrittenen Studiengebühren abzuschaffen, damit es keine Angriffsflächen in seinem Wahlkampf gibt. Damit aber war er an der eigenen CSU-Fraktion und am Koalitionspartner FDP gescheitert. Beide wollten auf Biegen und Brechen an den 500 Euro pro Semester fest halten. Schließlich müssten Handwerker für ihre Meisterausbildung ja auch zahlen. Einen Plan B haben CSU-Fraktion und FDP nicht.
Jetzt nimmt Seehofer seiner Fraktion die Regie aus der Hand – und macht die Studiengebühren zur Chefsache. Nicht die Landtagsabgeordneten alleine sollen über sie nachdenken. Der Ministerpräsident wolle sich „breiten Rat“ einholen, heißt es. Die Studiengebühren seien nun Angelegenheit der ganzen Partei.
Hinter den Kulissen aber wird das Begräbnis schon vorbereitet und werden Horror-Szenarien gezeichnet. Ein Großteil der Studenten habe seinen ersten Wohnsitz gar nicht in Bayern. Die würden mit dem Volksbegehren nun alle motiviert, sich umzumelden, damit sie abstimmen können. So dürfen sie dann auch bei der Landtagswahl ihr Kreuzerl machen. Und das könnte Seehofer zum Verhängnis werden. „Das sind Wählergruppen, die vielleicht nicht gerade für die CSU votieren“, sagt ein führender CSU-Mann.
Gestern gab Seehofer schon den Auftrag zu prüfen, was es die Staatskasse kostet, wenn sie den Ausfall der Studiengebühren an den Universitäten übernehmen würde. Die Antwort ist simpel: Rund 150 Millionen Euro hat der Freistaat pro Jahr von seinen Studenten kassiert. Nun soll sich die „CSU-Familie“ Zeit lassen für einen „ausgiebigen Dialogprozess“. Aber nicht zu lange. Das Volksbegehren muss nun für Januar oder Februar angesetzt werden. „Das Ding ist nicht zu gewinnen“, waren sich schon gestern Teilnehmer der Seehofer-Runde einig.
Die CSU habe noch nie einen Volksentscheid gewonnen. Ein CSU-Mann zur AZ: „Da muss man einfach Polit-Realist sein.“
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@Marlene; Wenn schon ins Ausland schauen ...
Liebe Marlene, wenn schon ins Ausland schauen, dann bitte richtig. Die Länder, die die OECD Vergleiche in der Bildung anführen sind z.B. Skandinavien. Ohne Schul- und Studiengebühren. In den USA läuft im Moment eine Riesendiskussion wie die graduierten Studenten jemals im Leben sie 300-300 Tausend Dollar Kredit wieder zurückzahlen sollen. Finanzfachleute sehen auf die USA deshalb eine Kreditkrise zukommen, die grösser ist, als die die durch Sub-Prime-Kredite ausgelöst wurde. Wollen wir da hin? Ich hatte den Luxus sowohl in Deutschland einen FH und in UK einen Masters-Abschluss zu machen. Das Geld (und das war viel) das meine Ausbildung gekostet hat habe ich sicher schon in den ersten 10 Jahren in Steuern zurückbezahlt. Selbst wenn es nicht so gut läuft wie bei mir, lohnt sich Studieren für unsere Gesellschaft immer. Und zum Vergleich mit Meistern: wer hindert fertige Gesellen daran, statt dem Meister ein Studium zu machen? Das geht sogar in Bayern!
was kommt als nächstes ?
Wahlgeschenke ? Gerne, wenn sie denn nicht danach wieder gekippt werden. Ansonsten ist eine universitäre Ausbildung nicht Aufgabe des Staates. In anderen Ländern sind Studiengebühren für eine gute Ausbildung normal. So wie das Schulgeld, um die höhere Reife zu erreichen.
seehofer
Angst hat er ja e keine der Horsti, jetzt ein Gutele für die Studeten, dann ein wenig Hoffnung für die von der Landesbank verratenen Mieter, ja was kann er denn noch alles tun. Ich verstehe seine Angst nicht, bei 48 % der Wählerstimmen, oder glaubt er seinen in Auftrag gegebenen Analysen doch nicht so ganz.