Eine Lanze für die Bürokratie: Salzburgs „Jedermann“ Cornelius Obonya ist der Frosch in der Silvester-„Fledermaus“ im Nationaltheater

Seit Sommer 2013 spielt er alljährlich bei den Salzburger Festspielen die Rolle des Jedermann, die bereits sein Großvater Attila Hörbiger verkörpert hatte. An Silvester steht Cornelius Obonya als Gefängnisdiener Frosch in der „Fledermaus“ von Johann Strauß auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper – in der mehrfach überarbeiteten, der Tradition angenäherten Inszenierung von Helmut Lehberger nach Leander Haußmann.

AZ: Herr Obonya, ist der Frosch eigentlich ein Jedermann?

CORNELIUS OBONYA: Ehrlich gesagt, nein. Hugo von Hofmannsthals Stück trägt den Untertitel „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“. Der Frosch dagegen ist ein kleiner Beamter und weiser Beobachter. Das Gefängnis ist seine kleine Welt. Er sieht die Großkopferten nach ihren Vergehen durch seine Türe treten. Frosch hat viel mehr mit dem braven Soldaten Schwejk gemeinsam als mit dem Jedermann.

Komisch, dass Sie das sagen. Ich dachte immer irgendwie, der Frosch sei ein Böhme.

Da kann was dran sein. Es gibt ein Sprichwort: Man ist kein Österreicher oder echter Wiener, wenn man nicht eine tschechische Mutter oder einen ungarischen Vater hat.

Den haben Sie wenigstens dem Klang nach.

Mein Vater Hanns Obonya war Wiener, meine Großeltern auch. Ich weiß nicht, wann meine Vorfahren aus Ungarn weggegangen sind.

Die Vorlage der „Fledermaus“ war allerdings eine französische Komödie.

Trotzdem: Der Frosch ist quintessenzhaft österreichisch. Ein typischer Beamter, nach dem Motto, „Etwas schlampig, dafür aber ungenau“, geht er seiner staatstragenden Pflicht nach. Wie jeder gute österreichische Beamter ist er außerdem ein bisschen angesoffen.

Vorsicht, Herr Obonya!

Gut. Jetzt muss ich eine Lanze für unsere Bürokratie brechen: Wir haben sehr zuvorkommende, wunderbare Beamtinnen und Beamte, die uns das Leben erleichtern. Aber es gibt natürlich auch die, bei denen man denkt: Es könnte so einfach gehen. Warum macht der es so kompliziert?

Der Frosch amtiert ohnehin im k.u.k-Österreich und hat schon deshalb mit der heutigen Bürokratie wenig zu tun.

Jeder Parkplatzwächter hatte damals 15 goldene Sterne am Kragen. Das ganze Land war komplett durchuniformisiert.

Der Frosch wurde erst im Lauf der Aufführungsgeschichte zur großen Rolle. Die berühmtesten Pointen stehen außerdem nicht im Urtext. Wie wird Ihre Fassung aussehen?

Bestimmte Witze wie „Herr Direktor, wir sind eingemauert“ sind einfach perfekt. Und so lange keine besseren erfunden werden, wird man sie beibehalten. Vieles im Originaltext wirkt altbacken, es gibt manche Löcher. Dem muss man Rechnung tragen. Es wird ein Extempore geben, das mir der österreichische Kabarettist Florian Scheuba geschrieben hat. Ich selber könnte das nicht.

Muss eine solche Einlage immer tagesaktuell sein?

Was nicht vorkommt, ist das Flüchtlingsproblem. Das passt nicht in ein Stück, in dem es um sehr viel Champagner geht. Es gibt andere Fragen, die genau so virulent sind und in der „Fledermaus“ besser passen.

Hat Ihr Großvater Attila Hörbiger auch den Frosch gespielt?

Einmal – bei den Wiener Festwochen in einer Inszenierung von Michael Kehlmann. Aber eine erbliche Vorbelastung gibt es deshalb nicht. Und wenn, dann würde ich sie nicht wahrnehmen. Es wird immer nur mein Frosch sein.

Wird das in München Ihr erster Frosch?

Ich spiele ihn so, wie er auf meiner Seele liegt. 2007 und 2008 bin ich in der Rolle an der Wiener Staatsoper aufgetreten – in der klassischen Inszenierung von Otto Schenk.

Der Frosch trinkt ziemlich viel Sliwowitz. Mögen Sie diesen Schnaps?

Nicht wirklich. Andere Schnäpse sind mir näher, etwa ein Zirbenschnaps.

Was machen Sie nach der Silvestervorstellung?

Zum Feiern ist nachher noch genügend Zeit. Meine Frau und mein Sohn sind mitgekommen. Ich war noch nie länger in München. Entweder feiere ich in der Oper oder an einem anderen Ort in der Stadt – das wird sich ergeben.

Man kann nachlesen, dass Sie Ihr Schauspiel-Handwerk in einem Kabarett namens „Fledermaus“ gelernt haben. Hatte das etwas mit dieser Operette zu tun?

Der Autor und Kabarettist Gerhard Bronner hat dieser Bar den Namen gegeben. Er mochte die Operette sehr und hat sie auch für Covent Garden in London bearbeitet – eine sehr gute Version, wie ich finde. Die Bar „Fledermaus“ war die ehemalige Marietta-Bar, wo in den fünfziger Jahren Bronner, Helmut Qualtinger, Peter Wehle und andere mit ihren Programmen aufgetreten sind. Es gibt sie heute noch, aber unter anderem Namen.

Welche Rolle spielt bei Ihnen die Operette sonst in Ihrer Karriere?

Keine große. Ich habe vor einigen Jahren die Öffentliche Meinung in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ gespielt. Das sind zufällige Sachen, die sich ergeben und die ich mache, wenn ich mich, wie in München, gut in ein Ensemble eingebunden fühle.

Und im Sommer sind Sie wieder der „Jedermann“.

Eben habe ich den ZDF-Zweiteiler „Gotthard“ gedreht. Er kommt zur Eröffnung des Basistunnels im Sommer 2016 und handelt vom Bau des ersten Gotthard-Tunnels, der etwa zur Zeit der Entstehung der „Fledermaus“ fertig wurde. „Jedermann“ geht weiter – mit neuer Buhlschaft. Wechselnde Damen passen gut zu der Rolle, finde ich.  

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