Bayerische Staatsoper Kommt Andreas Homoki?

Der Regisseur und Intendant Andreas Homoki. Foto: dpa

Das lustige Theaterhütchenspiel: Andreas Homoki gilt als heißer Kandidat für die Nachfolge von Nikolaus Bachler an der Bayerischen Staatsoper

Die Berufung des Musikmanagers Bogdan Roščić zum neuen Direktor der Wiener Staatsoper hat das beliebte Intendantenkarussell angeworfen, obwohl nun gar kein Haus frei wird, sondern allenfalls ein Posten bei Sony.

Nikolaus Bachler wird die Bayerische Staatsoper zwar erst 2021 verlassen: Aber angesichts der langen Planungszeiten im Opernbereich ist ein kluger Kunstminister gut beraten, seine Suche langsam mit Vertragsverhandlungen abzuschließen.

In München gilt der Züricher Opernintendant Andreas Homoki als heißer Kandidat. Aber mehr als ein Gerücht ist das nicht. Die normalerweise wenig spekulationsfreudige „Neue Zürcher Zeitung“ orakelt in ihrer Sonntagsausgabe von einer möglicherweise kommenden Verwaltungsratssitzung des dortigen Opernhauses. Homoki sei auch bereits in Wien unter den üblichen Verdächtigen gewesen, denen man eine Nachfolge des scheidenden Direktors Dominique Meyer zugetraut hätte.

Die „NZZ“ hat Homoki auch zu den Gerüchten befragt: „Ich bin sehr glücklich am Opernhaus Zürich und hatte bisher keinen Anlass, über eine Intendanz in München nachzudenken“, habe er geantwortet.

Die Finanzen stimmen

Allerdings sind derlei Dementis im Ernstfall nichts wert. Homokis Vertrag läuft bis 2022. Die Züricher Oper spielt, wie München, über 35 Prozent des Budgets selbst ein. Dieser wirtschaftliche Erfolg ist eine Empfehlung. Homoki hat in der Ära Peter Jonas öfter am Nationaltheater inszeniert: „Idomeno“ von Mozart, eine „Arabella“ mit René Fleming, Humperdincks „Königskinder“ und Gounods „Roméo et Juliette“. Das waren unspektakulär solide Arbeiten, geprägt vom Markenzeichen des Regisseurs, den kegelförmigen bunten Karnevalshütchen.

Wer in München das Gerücht Homoki weiterträgt, pflegt in der Regel auch den Nachfolger für Kirill Petrenko zu kennen, der ab der Saison 2019/20 zu den Berliner Philharmonikern gleitet: Franz Welser-Möst. Der Österreicher hat 2014 mit einigem Getöse das Amt des Generalmusikdirektors der Wiener Staatsoper niedergelegt. Seitdem ist er nur noch Chef des Cleveland Orchestra und als Operndirigent unterbeschäftigt.

Vielleicht doch Pappano?

Welser-Mösts Name geistert seit Jahren auch durch die Nachfolgedebatten beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Er gilt als Langweiler, was ein wenig ungerecht ist. Er hat einen fulminanten „Rosenkavalier“ bei den Salzburger Festspielen dirigiert und wäre primär ein Mann für jenes spätromantische Repertoire, das zum Kerngeschäft des Bayerischen Staatsorchester zählt. Er steht für eine gründliche handwerkliche Solidität.

Mehr Glamour würde Antonio Pappano verströmen, der derzeit am Londoner Opernhaus Covent Garden wirkt und die römische Accademia di Santa Cecilia aufpoliert hat. Er könnte aber möglicherweise den Etat sprengen: Pappano wird eine Jahresgage von 737 424 Pfund (860 000 Euro) nachgesagt. Er gilt als Experte für italienische Oper, hat aber auch schon „Lohengrin“ in Bayreuth dirigiert und einen exzellenten „Tristan“ aufgenommen.

Die Hartnäckigkeit des Homoki-Gerüchts kann zweierlei bedeuten: Entweder es stimmt, oder es ist ein geschicktes Täuschungsmanöver. Leicht wird es nicht, dem Doppel Bachler-Petrenko nachzufolgen. Mit Kleckerlösungen sollte sich die deutsche Musikhauptstadt München nicht abspeisen lassen.

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