Münchens größte Baustelle ist 2,8 Kilometer lang und kostet 398,5 Millionen Euro: Seit 2009 wird am Mittleren Ring ein neuer Tunnel errichtet. Selbst am Einbau der Löschwasserleitungen sind drei Firmen beteiligt.

München - Der Bauarbeiter hat's gut. Im weißen Transporter fährt er zügig und ohne Probleme jene Strecke, die täglich bei Tausenden Pendlern für einen erhöhten Adrenalinspiegel sorgt: den Mittleren Ring am Luise-Kiesselbach-Platz. Seit August 2009 schlängeln sich die Autos hier auf drei engen Spuren zwischen den rot-weißen Leitbaken und den orangen Linien, zwischen grauen Straßenbegrenzungen und mehreren Ampeln hindurch. Der Bauarbeiter aber fährt eine Etage tiefer. Dort, wo noch nichts los ist: im neuen Tunnel.

Münchens größte Baustelle ist 2,8 Kilometer lang, hat eine Fläche von 68 000 Quadratmetern und kostet 398,5 Millionen Euro. Zwei Tunnelabschnitte und eine tiefergelegte Straße zwischen beiden sollen dafür sorgen, dass der Verkehr auf dem Mittleren Ring auch im Münchner Westen künftig flüssiger läuft. Keine Kreuzungen, keine Ampeln - was schon im Norden und Osten funktioniert hat, soll nun auch hier den vom Lärm geplagten Anwohnern und Tausenden Pendlern aus Richtung Garmisch-Partenkirchen und Lindau helfen. Zum Bau der drei Tunnel an der wichtigen Verkehrsader hatten die Münchner ihre Stadt im Jahr 1996 bei einem Bürgerentscheid verpflichtet.

Inzwischen ist der Rohbau des vorläufig letzten Projekts nahezu fertiggestellt, Anfang 2015 soll auch der Innenausbau abgeschlossen werden. "Wir liegen gut im Zeitplan", sagt der Projektleiter aus dem Baureferat, Johann Wittmann.

Um die verschiedenen Arbeiten besser koordinieren zu können, wurde der Bau in zwölf Abschnitte unterteilt. So sind die Wände der Tunneleinfahrten mancherorts bereits mit metallenen Gittern verkleidet oder die grünen Türen der Notausgänge schon eingebaut. An anderen Stellen schimmert der Tunnel hingegen noch grau, lose Kabel hängen von der Decke oder liegen am Boden.

Der Ausbau ist für die Stadtverwaltung vor allem eine logistische Herausforderungen. 25 Firmen wurden mit dem Innenausbau beauftragt und müssen nun koordiniert werden. "Selbst an einer Löschwasserleitung arbeiten drei verschiedene Firmen", sagt Wittmann.

Schwerpunkt der Arbeiten ist die Sicherheit. Brandmelde- und Lüftungsanlagen werden ebenso eingebaut wie Lautsprecher. Im gesamten Neubau können zudem 15 000 Datenpunkte angesteuert werden, alle 60 Meter soll eine Kamera hängen. "Der Tunnel wird lückenlos überwacht werden", erklärt Wittmann. Mehrere Notstromaggregate sorgen dafür, dass es nicht plötzlich dunkel wird.

Lesen Sie hier: Ein neuer Park am Luise-Kiesselbach-Platz

Ehe der Tunnel im zweiten Halbjahr 2015 eröffnet wird, soll die Technik intensiv geprüft werden. Deren Funktionieren ist extrem wichtig, denn künftig werden täglich etwa 120 000 Autos durch den dreispurigen Neubau fahren.

Noch aber lagern dort große Kabeltrommeln und allerlei Werkzeuge, vereinzelt stehen schon die großen Namensschilder für die Tunnelportale auf dem Boden bereit. Im "Trog" genannten Abschnitt in der Heckenstallerstraße versperrt sogar eine große Fußgängerbrücke den Weg. Sie wird in sieben Metern Höhe künftig die beiden Seiten des nicht überdachten Abschnitts verbinden.

Erst wenn die Brücke an ihrem Platz und der Innenausbau größtenteils abgeschlossen ist, soll auch die letzte Schicht des Straßenbelags aufgetragen werden. Denn um teure Schäden zu vermeiden, wurden die Tunnel-Durchfahrten bislang lediglich asphaltiert. "Die Dauerhaftigkeit und Robustheit des Baus ist für uns extrem wichtig", sagt Wittmann. Frühestens in 25 Jahren sollen wieder umfangreichere Arbeiten an den Tunneln nötig werden.

Die Anwohner des Mittleren Rings werden derweil auch nach der Eröffnung des Neubaus noch bis Ende 2017 regelmäßig auf Baufahrzeuge blicken müssen. Erst dann wird auch der Park auf den beiden Tunneln fertig sein.