Bauprojekt Sudelfeld Alpenverein: „Das ist eine Hinrichtung der Alpen“

Die Bagger am Sudelfeld sollen vollendete Tatsachen schaffen – Naturschützer klagen dagegen. Foto: Rudolf Huber

Bund Naturschutz und Alpenverein reichen Klage gegen die Ausbaupläne für das Skigebiet ein. Vor allem erbost sie die Förderzusage aus dem Landtag.

München/Bayrischzell - Das millionenteure Speichersee- und Schneekanonenprojekt am Sudelfeld über Bayrischzell animiert Bayerns obersten Naturschützer zu drastischen Äußerungen. Als „bisherigen Höhepunkt der Zerstörung und Hinrichtung der Alpen“ bezeichnete Bund Naturschutz-Chef Hubert Weiger den Plan, im Schutzgebiet einen Speichersee zu bauen und 250 Schneekanonen zu installieren (AZ berichtete).

Bund Naturschutz (BN) und Deutscher Alpenverein (DAV) erläuterten gestern in München ihre Gründe für eine gemeinsame Klage gegen das Sudelfeld-Ausbauprojekt.

Weiger kritisierte dabei massiv die Politik der Liftbetreiber, sofort nach der Genehmigung durch das Landratsamt die Bagger von der Kette zu lassen: „Der Versuch, vollendete Tatsachen zu schaffen, hat mit rechtsstaatlichen Grundsätzen nichts zu tun!“

Besonders erbost ist Weiger über die Tatsache, dass der Freistaat 13 bis 16 Millionen an Steuergeldern zuschießen will: „Das ist eine massive Unterstützung für Naturzerstörung größten Umfangs.“

Empört ist der BN auch über die Begründung für die Zuschuss-Zusage der Landtags-Mehrheit in der letzten Woche: Es gebe ein „öffentliches Interesse“. Das heiße, dass die Zerstörung der Alpenwelt im öffentlichen Interesse liege – dabei habe doch der Umweltschutz Verfassungsrang.

Das Ausbau-Vorhaben am Sudelfeld ist das bisher größte im bayerischen Alpenraum. Allein 90 000 Kubikmeter Erdreich sollen für das künftige Speicherbecken mit 3,2 Hektar Fläche ausgehoben und 54 000 Kubikmeter für dessen Wände aufgeschüttet werden, 17 Kilometer Leitungen müssten verlegt werden.

Der DAV will mit seiner bisher ersten Klage als Naturschutzverband „ein klares Zeichen setzen“, so Vizepräsident Philipp Sausmikat. „Ein Zeichen gegen umweltschädlichen, teuren und nur kurzfristig wirksamen Aktionismus“.

Sausmikat forderte die Wintersportgemeinden auf, angesichts des unabwendbaren Klimawandels sanfte und zukunftssichere Alternativen zu entwickeln. Die auf insgesamt bis zu 45 Millionen Euro geschätzte Ausbau-Initiative am Sudelfeld nutze den Liftbesitzern höchstens 20 bis 25 Jahre.

„Es wird zu warm für den Kunstschnee“, so Axel Doering, Vizepräsident des europäischen Naturschutz-Dachverbands CIPRA. „Man hofft, man kann den Winter zurück kaufen – aber das wird nicht gelingen.“ Schneekanonen seien ein Großangriff auf die Natur – und ein Fehlgriff.

Juristisch stützt sich die angekündigte Klage, die fristgerecht bis zum 15. Juni eingereicht wird, laut Rechtsanwalt Ulrich Kaltenegger auf den Biotopschutz und die Landschaftsschutzverordnungen.

Ausnahmen gebe es da nur bei der Gefahrenabwehr – etwa der Lawinenverbauung – oder bei der Daseinsvorsorge, etwa der Straßenerschließung. Kaltenegger: „Aber hier geht es ums Skifahren.“

Er sieht eine grundsätzliche Bedeutung der Klage bei der Abwägung von Naturschutz und Tourismus-Förderung.

Im bisherigen Miesbacher Bescheid würden „Ausnahmen vom Naturschutz zur Regel gemacht“. „Wir werden versuchen, einen Baustopp zu erreichen, um die Schaffung weiterer vollendeter Tatsachen zu verhindern“, so Kaltenegger.

Unterstützung bekommt er vom SPD-MdL Florian von Brunn. Der forderte einen sofortigen „Stopp der Bauarbeiten für Schneekanonen im Skigebiet Sudelfeld“. Und Grünen-MdL Claudia Stamm verlangte: „Keine Baumaßnahmen auf dem Sudelfeld, bis das Gericht eine Entscheidung getroffen hat.“

 

 

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