Die Bar „K&K“ galt im Glockenbachviertel als Ausgeh-Klassiker: Jetzt setzt der Chef mit der „Bar Reichenbach“ auf gesetzteres Publikum

A.J. Menexes ist es Leid, immer auf seine Schnapsidee reduziert zu werden. „Das Gin-Abo war einfach ein lustiger Einfall, und verkauft ist sowieso nur eins – an einen Bekannten, der uns unterstützen wollte.“ Aber eine Gin-Flatrate für 10000 Euro im Jahr ist willkommenes Fressen für die Gentrifizierungsdebatte ums Glockenbachviertel, in deren Zentrum die „Bar Reichenbach“ seit drei Monaten trohnt. Genauso wie die Klingel an der Tür – „dabei weisen wir hier sicher weniger Leute ab als an der Tür vom K&K“.

So hieß Menexes Lokal früher. Ein abgerockter Laden irgendwo zwischen Bar und Club, in dem sich acht Jahre lang das ausgehfreudige Gärtnerplatzpublikum drängte. „Im letzten Jahr hatten wir so viel Stress mit den Anwohnern – ständig Polizeieinsätze, ich war nur noch damit beschäftigt, mit meinem Anwalt Schreiben aufzusetzen. Das hat keinen Spaß mehr gemacht“, sagt Menexes.

Also sperrte er das K&K kurzerhand zu. Heute sind die Mecker-Anwohner von früher seine Gäste. „Vielleicht hat’s auch was mit dem Alter zu tun, irgendwann hat man keine Lust mehr auf nur Party“, sagt der Chef. Sein 40ster Geburstag fiel mit der Neueröffnung zusammen. Mit einem befreundeten Architekten hat er sein Objekt komplett umgemodelt. Marmortische, Polsternischen – eine klassisch-schicke Bar mit versteckten Gimmicks wie einem weißen Kakadu an der Wand.

Hinter dem glänzenden Tresen steht Dietmar Petri. Für die Bar Reichenbach hat er der Cortiina Bar den Rücken gekehrt – Petri ist Gründungsmitglied des Barzirkels, in München so etwas wie ein Garant für feinste Drinks. Zur Hand geht ihm Arpad Nikhazi, der sechs Jahre an der Bar des Pacific Times gearbeitet hat. „Die Kreationen mit Champagner gehen gut“, sagt Petri. 14,50 Euro sind für einen wie „The Earl“ fällig, mit Gin, Earl Grey, Honig, Zitrone und Champagner.

Durchschnittlich schlagen die Drinks mit 12,50 Euro zu Buche. Das sagt schon einiges über das Publikum, „natürlich haben wir Geschäftsleute, aber genauso Studenten, die gute Drinks zu schätzen wissen und an einem anderen Abend im Holy Home gegenüber feiern“, sagt A.J. Menexes. „In einer Bar sind alle gleich“, sagt Petri. Marken sollen auch hinter der Bar keine Rolle spielen.

Hochwertige Spirituosen sind in dieser Liga selbstverständlich, ausgestellt werden sie nicht. Dafür ist ein kleiner Servierwagen reserviert für die Stählemühle-Brände von Christoph Keller – aus Stachelbeeren, Koriander oder Weinbergpfirsichen produziert er Hochprozentiges im Schwarzwald.

Bei leiser Jazzmusik und Kerzenschein sitzen die Gäste beisammen, „viele sind erstaunt, wie ruhig es hier ist“, sagt Menexes. Anwohnerbeschwerden gibt es keine mehr. Ein exklusiver Zufluchtsort direkt am Gärtnerplatz. „Wer an unserer Tür klingelt“, sagt A.J. Menexes, „der weiß das zu genießen.“


Reichenbachstraße 22, Mo. bis Sa. ab 21 Uhr, www.bar-reichenbach.de, Tel.: 12 73 90 94