Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Banken Schuldenkrise verdirbt Ackermann letzte Bilanz

dpa, vom 02.02.2012 14:47 Uhr
Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, kann keinen Rekordgewinn vermelden. Foto: Marius Becker / Archiv Foto: dpa
Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, kann keinen Rekordgewinn vermelden. Foto: Marius Becker / Archiv Foto: dpa

Die Schuldenkrise in Europa hat Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann seine letzte Jahresbilanz verdorben.

Frankfurt/Main - Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen und ein schwaches Kapitalmarktgeschäft konnten durch bessere Zahlen bei Privatkunden nur zum Teil ausgeglichen werden.

Seine Nachfolger stimmte der 63-Jährige auf weiterhin widrige Zeiten ein. Bis zu einer dauerhaften Lösung der Schuldenkrise werde "das politische und ökonomische Umfeld volatil und schwierig bleiben", sagte Ackermann in Frankfurt. Der Jahresstart 2012 war vergleichsweise schwach: "Der Januar war klar unter dem Vorjahr." Ackermann betonte jedoch: "Die Deutsche Bank steht gut da. Sie ist für die Zukunft gut gerüstet. Und sie wird eine gute Zukunft haben." Ackermann wird mit Ablauf der Hauptversammlung Ende Mai von seinen Vorstandskollegen Anshu Jain und Jürgen Fitschen abgelöst.

Im vierten Quartal rutschte das Institut vor Steuern mit 351 Millionen Euro in die roten Zahlen. Im Schlussquartal 2010 hatte die Deutsche Bank vor Steuern noch 707 Millionen Euro verdient. Nur dank einer Steuergutschrift stand im vierten Quartal 2011 unter dem Strich noch ein Gewinn von 147 Millionen Euro (Vorjahr: 601 Mio Euro).

Für das Gesamtjahr wies die Bank zwar einen deutlichen Zuwachs des Überschusses auf 4,1 (2,3) Milliarden Euro aus. Allerdings war das Vorjahresergebnis durch Kosten für die Integration der Postbank und den Umbau des Investmentbankings stark belastet. Der Vorsteuergewinn stieg auf rund 5,4 (4,0) Milliarden Euro.

Das Rekordziel von zehn Milliarden Euro Vorsteuergewinn für 2011 hatte die Bank wegen der turbulenten Märkte im Oktober kassiert. Ackermann betonte jedoch: "Ich habe überhaupt kein Problem damit zu sagen, dass diese '10 Milliarden Euro plus' das Ertragspotenzial der Deutschen Bank darstellen so wie sie heute dasteht." Das Institut liege "voll im Plan" 2012 die Effizienz weiter zu steigern. Der Konzern rechnet im laufenden Jahr mit niedrigeren Kosten im Umfang von mehr als einer Milliarde Euro. Für das abgelaufene Jahr bezifferte die Bank die Kostenersparnis auf gut 600 Millionen Euro netto.

In der zweiten Jahreshälfte 2012 gab es im lange so erfolgreichen Investmentbanking - wie bei Konkurrenten auch - herbe Rückschläge. Ausgerechnet in der Sparte von Ackermann-Nachfolger Jain brach der Vorsteuergewinn im Gesamtjahr um mehr als 40 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro ein. In dem Bereich sollen bis März 500 Jobs abgebaut werden, weitere Stellenstreichungen hält sich das Unternehmen offen. Jain stellte klar: "Wir erwarten keine dramatischen Einschnitte."

Ackermann erklärte die Schwäche im Investmentbanking allein mit dem Marktumfeld. Das Geschäft mit Anleihen und Aktien brach ein, Börsengänge wurden verschoben, Firmenübernahmen abgesagt. Das Institut schlägt sich zudem vor allem in den USA mit Altlasten herum: Kläger werfen ihr angeblich unlautere Geschäftspraktiken vor der Finanzkrise vor. Für Rechtsrisiken legte die Bank 700 Millionen Euro zurück. Ackermann kündigte für die nächste Zeit einige Vergleiche an.

Die Bank bekenne sich trotz der Rückschläge "weiter voll zum Investmentbanking", betonte Ackermann: "Wir sind sicher, dass wir - nach erfolgter Marktkonsolidierung - auch in Zukunft viel Freude daran haben werden." Ihre Anlagen in Anleihen kriselnder Eurostaaten fuhr die Bank weiter zurück, von mehr als 12 Milliarden Euro Ende 2010 auf 3,67 Milliarden Euro Ende 2011.

Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung erwiesen sich indes als die erhofften Stützen. Die Sparte erzielte einen Rekordgewinn von 2,5 (knapp 1,0) Milliarden Euro vor Steuern. Die milliardenschweren Zukäufe von Postbank und Sal. Oppenheim zahlten sich aus. "Wir haben uns von riskanten Geschäftsaktivitäten verabschiedet und durch den massiven Ausbau des klassischen Bankgeschäfts unsere zweite Ertragssäule erheblich gestärkt", bilanzierte Ackermann.

Insgesamt sei die Kapitaldecke deutlich dicker geworden: Mit 9,5 Prozent Kernkapitalquote habe die Bank bereits Ende 2011 die erst ab 2013 geltenden schärferen Vorgaben der Aufseher erfüllt. Das Institut verfüge über fast 220 Milliarden Euro Liquiditätspuffer.

Kommentare (0)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Titel *  
     
Autor *  
     
Kommentar *  
             
(optional)
E-Mail   (wird nicht veröffentlicht)
             
Straße     Hausnr.  
             
PLZ     Wohnort  
             
    (E-Mail keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
             
      * Pflichtfelder
Angst vor Ansturm auf griechische Banken
[Kommentare 2] In Griechenland wächst die Angst vor einem Ansturm auf die Banken. An einem einzigen Tag sollen die Griechen in dieser Woche fast eine Milliarde Euro abgehoben haben.
Starke Nachfrage: Facebook bringt mehr Aktien unters Volk
Weil sich die Investoren um einen Anteil am boomenden Sozialen Netzwerk reißen, verkaufen die Alteigentümer um Gründer Mark Zuckerberg mehr eigene Aktien als ursprünglich geplant.

Anzeige

Die AZ-Top-Bilder
mehr Bilder mehr Bilder
Anzeigen & Verlagsbeilagen zum Durchklicken
 
Das München-Wetter
 
 
Anzeige
Nachrichtenticker
20:48   Disco-Queen Donna Summer mit 63 gestorben
20:46   Ratingagentur Fitch senkt Bonität Griechenlands
20:27   Europäer beraten vor G8-Gipfel - Berlin: Sparen und Wachstum fördern
20:21   "Blockupy"-Demo - Polizei räumt Frankfurter Römerberg
20:20   Siegtor neun Sekunden vor Schluss: Finnland im WM-Halbfinale
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Interaktiv
  • Umfrage
olympia_fotolia

Im Olympiapark ist mit dem Champions-Festival das größte UEFA-Fan-Fest aller Zeiten. Gehen bzw. gingen Sie hin?

 
Ja klar, ein absolutes Muss!
Mal sehen, das mache ich vom Wetter abhängig.
Nein, derlei Veranstaltungen interessieren mich nicht.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Twitter
Video
Börse und Finanzen

 

Webtipps

Der tägliche Super Deal der AZ