Bamberger Symphoniker Jakub Husra und Christian Gerhaher im Gasteig

Der Dirigent Jakub Hrusa. Foto: Petra Klackova
Die Bamberger Symphoniker gastieren mit ihrem neuen Chefdirigenten Jakub Hrusa in der Philharmonie, Christian Gerhaher singt Schubert und Berg
 
Mit ihrem neuen Chefdirigenten Jakub Hrusa knüpfen die Bamberger Symphoniker an ihre Wurzeln an. Hrusa ist Tscheche, die Bamberger, heute ein Spitzenorchester, rekrutierten sich nach dem Krieg vor allem aus Mitgliedern des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag. Nach dem Münchner Gastspiel kann man dem Mittdreißiger Hrusa das größte Kompliment für einen Orchesterleiter überhaupt machen: dass er, unter Verzicht auf Show, ganz für die Musiker dirigiert.
 
Gerade an einem so vielgespielten Werk wie der Symphonie Nr. 4 e-moll von Johannes Brahms kann man das beobachten. Hier gibt es keine Routine und kein Ungefähr, vielmehr ist dieses Stück von der Pike auf sorgfältig neu einstudiert worden. Der für Brahms typisch dicke Streichersatz ist durchlüftet, weil Hrusa viel mit gut dosierten Akzenten arbeitet, sogar die Bratschen werden unaufdringlich präsent. Die Holzbläser steuern delikate Soli bei, das Kontrafagott knarzt unwiderstehlich, die Hörner schmettern selbstbewusst.

Zeit zum Klingen geschenkt

Nicht zuletzt hat Hrusa die einzelnen Sätze auch formal klug disponiert. Er wählt mäßige Tempi, schenkt Zeit zum Klingen, weiß aber auch instinktiv, wenn er einmal eine Entwicklung elektrisierend antreiben muss. Wenn dann einmal ein Abschnitt in einem fahlen Nonvibrato versandet, hat das seinen unbedingten formalen Sinn. Auch Christian Gerhaher, der Solist des ersten Teils, hört sich das interessiert an und nimmt dabei sogar einen eher unvorteilhaften Sitzplatz in der Philharmonie in Kauf.
 
In den selten gespielten „Altenberg-Liedern“ von Alban Berg hatte er mit den Bambergern echte Kammermusik gemacht. Die analytisch klare Orchesterkulisse lässt dem Bariton viel Raum für seine überlegene Diktion, auch die etwas matte Tiefe kommt wunderbar durch. Das gesangliche Ereignis ist hier, wie mühelos Gerhahers weich geführte Höhe anspricht, bis hinauf in die außerordentlich wohlklingende Kopfstimme.
 
Für zwei Arien aus Franz Schuberts Oper „Alfonso und Estrella“ schalten Gerhaher und die Bamberger dann geschmeidig um auf elegante Linien und hymnischen Harfenton. Natürlich liegt Gerhaher dieses frühromantische Repertoire, doch so sensibel und phantasievoll wird selbst er nicht immer begleitet. Die Münchner Orchester täten gut daran, sich um eine langfristige Zusammenarbeit mit Jakub Hrusa zu bemühen.

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