AZ-Stadtspaziergänger Die Schneeglöckchenstraße wird hier zur Country Road

Wer kann, der Cancan: Wirtstochter Isabell (Mitte, im Spagat) ist eine der "Rattlesnake Dancing Queens" und betreibt nebenan ein Tanzstudio. Foto: Sigi Müller

Stadtspaziergänger und AZ-Fotograf Sigi Müller ist zu Besuch im Rattlesnake-Saloon – und erlebt eine üppige Bühnenshow.

Fasanerie - Zentral gelegen ist er nicht, nein, eher versteckt in der Schneeglöckchenstraße 91. Da braucht man Insiderwissen – das aber offensichtlich viele Menschen haben. Seit 33 Jahren ist der Rattlesnake-Saloon eine Institution, nicht nur für Countrymusik. Im Januar gab’s ein Nachwuchscasting, und seitdem gibt es die "Rattlesnake Torpedo Kids" – und keiner wurde rausgewählt.

Kinder vom Computer weglocken wollen sie damit, erzählt Wirt Bruno, denn wer Gitarre übt, hängt nicht vorm PC ab und ist auch von der Straße weg. Ein tolles Projekt; die Kinder und Jugendlichen sind mit Begeisterung dabei. Drei Schlagzeuger (selbst ABBA hatte in den besten Zeiten nur zwei), Keybord, Gitarre, Bass, zwei Sängerinnen und ein Saxofonist, das sind die "Rattlesnake Torpedo Kids". Und sie haben schon ein ganz schönes Repertoire. Songs wie "You are my Sunshine", "Cotton Fields" und "Country Roads" gehen bereits leicht von der Hand.

Eine schöne Initiative, denn es ist das eine, zu Hause ein Instrument zu lernen – oder eben damit auch in einer Band live aufzutreten und sich vor Publikum zu beweisen. Man kann die Aufregung spüren, als sich die "Rattlesnake Torpedo Kids" zur Bühne aufmachen.

Viel Herzblut steckt Wirt und Bandleader Bruno in das Projekt. Er unterstützt die Kids, wo es geht. Auch die gestandenen Musiker würden ihnen kostenlos Unterstützung und Unterricht geben, aber dazu fehlen die Räumlichkeiten. Bestimmt ein Leichtes, schlage ich vor: Am besten einfach bei der Stadt fragen, denn wer neue Konzertsäle baut, obwohl es schon welche gibt, hat sicher auch genügend Passion, um solche Projekte zu unterstützen.

Ehrensache, oder?

Natürlich kommt so kurz vor Weihnachten noch der Nikolaus in den Saloon, und jedes Bandmitglied bekommt ein Geschenk.

Die Bude rockt

Die letzte Zugabe. Die Kids gehen unter riesigem Applaus von der Bühne, und es wird umgebaut, denn bald kommen die Torpedos– die Hausband mit Wirt Bruno. Und wer jetzt glaubt, da hocken fünf staubige Cowboyhüte beim Bier an der Theke, der irrt gewaltig.

Zwar fängt das Konzert langsam an. Bruno sitzt alleine mit Gitarre auf der Bühne und stellt, während er "Honky Tonk Angels" spielt, einen Bandkollegen nach dem anderen vor. Zum Schluss stehen aber 14 Musiker dort, und die Bude rockt. "Wer hat den Song noch gespielt?", fragt Bruno, "wer noch nie hier war und es weiß, bekommt ein gutes Rattlesnake-Freibier." Natürlich kommt die Antwort prompt: Status Quo! Und sofort wird diese fetzige Version noch gespielt.

Der Saloon ist voll, die Stimmung ausgelassen. Als dann noch die "Rattlesnake Dancing Queens", angeführt von Wirtstochter Isabell, auftreten, einen Cancan auf den Tischen tanzen, brennt die Luft. 14 Musiker, drei Tänzerinnen, vorher die neun Kids: Das muss man erst mal auf die Bühne bringen.

Die Tänzerinnen suchen Nachwuchs, erzählt Bruno schmunzelnd durch das Mikrofon, die würden hier schneller schwanger, als man schauen könne und fielen dann aus. Also, wer mitmachen mag, der kann sich bei Isabell melden: Sie betreibt das Sundance-Tanzstudio nebenan.

Eine kleine, eine besondere Welt, der Rattlesnake-Saloon.

In diesem Sinne eine schöne Woche,

Ihr Sigi Müller

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