Eine Münchnerin (43) kümmert sich liebevoll um ihre Kinder. Ein Sohn ist schwer behindert. Die Frau braucht Hilfe.

MÜNCHEN - Wenn er am Wochenende nach Hause kommt, ist Ricki (alle Namen geändert) der Mittelpunkt der Familie. Dann bekommt er von seinen beiden Schwestern, dem großen Bruder und von der Mama all die Schmuseeinheiten, auf die er unter der Woche verzichten muss – wenn er im Heim lebt.

Ricki ist körperlich und geistig schwerstbehindert. Der Bub sitzt im Rollstuhl, er ist Spastiker. Der 13-Jährige muss gewickelt werden. Und er ist fast blind. Auch richtig sprechen kann er nicht, wirft nur manchmal einzelne Worte in den Raum. „Tiger” zum Beispiel, oder „alles gut”. Seine Mutter Alexandra R. freut sich über jedes Wort, vor allem aber über eines: „Drei Mal hat er bisher Mama gesagt”, erzählt die 43-Jährige. „Das war sehr schön.”

Sie verwöhnt ihn, wenn er nach Hause kommt. Badet ihn jeden Tag, weil er das so mag. Dabei ist ihr Sohn inzwischen fast so groß wie sie und wiegt 35 Kilo. Ein echter Kraftakt für die Mutter, die einen zerschlissenen Rücken hat und chronische Schmerzen.

Als Ricki auf die Welt kam, war er ein gesundes Baby. Doch wenige Tage nach der Geburt erlitt er in der Klinik eine Hirnblutung. Ein Schicksalsschlag, den die Beziehung zwischen Alexandra R. und ihrem damaligen Partner auf Dauer nicht verkraftete. Seit Jahren hat sie zu dem Mann keinen Kontakt mehr. Dabei ist er nicht nur Rickis Vater, sondern auch der ihrer jüngsten Tochter Annika. Sie erzählt: Er habe seinen Sohn als „Depp” bezeichnet. Ihre Antwort darauf sei gewesen: „Ned der Bua is da Depp, sondern du.”

Auf ihre vier Kinder lässt Alexandra R. nichts kommen. „Sie geben mir alle Lebensfreude.” Aus Sorge um ihre Sprösslinge will die Alleinerziehende auch nicht ihre richtigen Namen in der Zeitung lesen. „Die Mädchen werden von den anderen Kindern eh schon gehänselt, weil ich ihnen keine Markenklamotten kaufen kann.” Die Töchter (16 und 12) besuchen eine Förderschule. Auch sie sind behindert, leiden an Epilepsie.

Die Familie lebt von HartzIV. Der älteste Sohn (20) ist Einzelhandelskaufmann. „Er muss von seinem Gehalt einiges abgeben, damit wir durchkommen”, sagt Alexandra R. Sie selbst hat früher in einer Metzgerei gearbeitet.

Die Frau spart, wo sie kann. Und vor allem an sich selbst. Die Zimmer der Kinder sind im Winter beheizt – ihres nicht. Sie trägt seit Jahren die selbe Kleidung. Und schläft auf einem alten Klappsofa. Dabei werden ihre Wirbelsäulen-Probleme immer schlimmer. „Ich gehe mit Schmerzen ins Bett. Und am Morgen geht es mir noch schlechter.”

Eine OP an der Halswirbelsäule hat Alexandra R. schon hinter sich. Sie bräuchte dringend eine anständige Matratze und ein neues Bett. Doch das kann sie sich nicht leisten. Leise sagt die Mama: „Ich weiß nicht mal, ob es heuer für einen Weihnachtsbaum reicht.”