In der „Freitagsküche“ tischt Koch-Könner Sebastian Dickhaut auf. Eine Mischung aus Show mit Aha-Effekt und Sonntagsessen bei Oma.
München - Sahne und Öl stehen hinter einem Topf mit köchelnden Linsen. Eierschalen liegen neben einer Schüssel mit Spätzle. Zitronenhälften fürs Salat-Dressing liegen ausgepresst auf einem Holzbrett. Im Messbecher stecken Probierlöffel, und auf der Herdplatte sind Spritzer vom Fischsud. In dieser Küche wird gekocht, das ist keine sterile Showküchenwelt – und trotzdem ist ein Profikoch am Werk: Sebastian Dickhaut, Kochbuchautor und AZ-Kolumnist.
In seinem Kochstudio Hukodi in Untergiesing entstehen seine „Basic Cooking“-Bücher. Ein Mal im Monat lässt er sich dort in der „Freitagsküche“ beim Arbeiten zusehen.
Das Viergängemenü beginnt mit einem abenteuerlichen Aperitif: Crémant mit einem Sirup aus Thymian, Honig, Ingwer, Zitrone und Chili. Während sich die Gäste an den gedeckten Tisch vor der Küchenzeile setzen, verschwindet Dickhaut nach einer kurzen Vorstellungsrunde hinter dem Herd. Er richtet für die Vorspeise grüne Wintersalate, Entenbrust-Bonbons, rote Zwiebeln und Orangen mit einem Sumach-Zitrus-Dressing an. „Die Zwiebeln sind gesalzen, dadurch schmecken sie milder im Salat“, erklärt Dickhaut, während er serviert.
Die Freitagsküche ist kein Kochkurs, sondern ein bisschen wie ein Sonntagsessen bei Oma, die am Herd steht, während Kinder und Enkel schon am Tisch plaudern und auf das Essen warten. Bei Dickhaut sollen die Gäste zusätzlich etwas lernen: wie den Tipp mit den Zwiebeln. Angst, dabei seine Geheimnisse preiszugeben, hat Dickhaut nicht: „Die Freitagsküche ist Werkstatt und Salon zugleich. Da bin ich nah an den Leuten und erfahre, was sie gern essen und kochen.“
Die acht bis zwölf Gäste, die er bei seinen Kochabenden empfängt, sind Hobbyköchinnen mit ihren Ehemännern, Studenten, Food-Blogger und Geschäftsleute. Manche kommen nur zum Genießen, andere sind neugierig, wie ein Profi das Essen auf den Tisch bekommt.
Während die einen am Tisch plaudern, stehen die anderen am Herd und beobachten. Beim zweiten Gang, einer Kartoffelschaumsuppe, sorgt die Mischung aus getrockneten und frischen Shiitake-Pilzen für einen Aha-Effekt: „So kann man den Geschmack herausarbeiten“, sagt Dickhaut und fährt fort: „Brot zur Suppe gibt es bei mir nicht. Die Leute sollen genießen, statt sich vollzustopfen. Satt essen können sie sich später."
Es geht ja noch weiter. Und zwar mit einem Experiment. Geräucherten Saibling und Saibling im Artischockensud kombiniert der Basic-Cook mit provençalischem Linsengemüse und Safranspätzle - alles serviert auf großen Platten zur Selbstbedienung.
Wie bei einer privaten Einladung setzt sich der Gastgeber erst beim Dessert entspannt an den Tisch und genießt. Zur Passionsfrucht-Tarte serviert Dickhaut Espresso, gibt Einkaufstipps und eröffnet, dass er es nicht leiden kann, wenn jemand von seinem Teller isst: „Mein eigenes Essen teile ich nicht gern." Das Geschichtenerzählen gehört dazu. Ganz wie zu Hause eben.
Hukodi, Untere Weidenstraße 14, 81543 München. 10.12.: Adventsmarkt ab 16 Uhr
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