AZ-Serie zum 100. Geburtstag Franz Josef Strauß: Sein schwieriges Verhältnis zu den Medien

Franz Josef Strauß stand immer im Medienfokus. Rechts: FJS gesehen von AZ-Karikaturist Franz Eder. Foto: dpa/Franz Eder

Der einstige bayerische Ministerpräsident ist bei Satire verwundbar - und rächt sich gerne.

München - Große Teile der Medien waren für Strauß keine Partner, sondern potenzielle politische Gegner. Der Norddeutsche Rundfunk, der Westdeutsche Rundfunk, zeitweise auch die kleineren Sender in Berlin und Bremen – sie waren nichts Besseres als „Rotfunk“ oder, analog zu einer DDR-Sendung, der „rote Kanal“. Und im Verbund damit die „Kampfpresse“, „der Kampagnen-Journalismus“, die „Hamburger Mafia“ – so nahm man von der Münchner Lazarettstraße aus insbesondere den „Spiegel“, den „Stern“ und zeitweise auch „Die Zeit“ ins Visier.

Einen permanenten Anti-CSU-Kurs glaubten Strauß und seine Hardliner auch bei der Abendzeitung erkennen zu können. Mit Telex, Brief oder Telefonat wurden der Chefredakteur oder andere Mitarbeiter oder gleich die damalige Verlegerin direkt bombardiert.

Ein früherer AZ-Redakteur hat einen dicken Ordner voller Schreiben dieser Art gesammelt, aus denen er dann gern mal in der Journalistenschule vorlas. Einmal hat ihn Strauß sogar am Wochenende zu Hause angerufen und beschimpft. „Nach einer halben Stunde waren wir beinahe beste Freunde und haben uns zum Bier verabredet,“ erinnert sich der alte Abendzeitungs-Kollege.

Stets hatte der Parteiführer Zuckerbrot und Peitsche zur Hand. Auch über meine Berichte beschwerte er sich mindestens einmal höchst persönlich, wenn auch erfolglos – beim Chefredakteur der „Saarbrücker Zeitung“, von welcher er offenbar Loyalität erwartete, weil sie der CDU nahestand.

Natürlich landeten nicht alle diese Proteste und Gegendarstellungen im Papierkorb. Manche enthielten juristische Drohungen. Und manche waren mehr als berechtigt.

Tatsächlich schossen ja viele Kommentatoren weit über das Ziel hinaus. Oder sie schossen in ihrem Eifer glatt daneben. Sie wollten einen Mann treffen, den sie für gefährlich hielten, und sie trafen dabei mitten ins bayerische Herz.

Kaum verwunderlich also, dass der Hauptbetroffene, wenn er sich arg verletzt fühlte, sich heftig zur Wehr setzte und linke Literaten, seine schärfsten Widersacher, einmal als „Ratten und Schmeißfliegen“ beschimpfte.

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In manchen Medienbeiträgen zum „Phänomen Strauß“ mischten sich Tatsachen und Meinungen, Spekulation und Satire bis zur Unkenntlichkeit.

Vor allem mit der Satire hatten die hohen Politiker, die zu Hause so viel umjubelt wurden, lange Zeit ihre Probleme. Satire durfte eben noch lange nicht alles – wenn sie überhaupt als solche erkannt wurde.

Ein Beispiel: Auch in diesem Jahr werde die Staatsregierung auf die Entwicklung der Medienlandschaft ein besonderes Augenmerk legen, verkündete Ministerpräsident Strauß am 20. Januar 1982 im Antiquarium der Residenz vor 700 aus ganz Bayern geladenen Journalisten, Verlegern und hohen Repräsentanten der Politik. Ihnen allen entging an jenem Abend, wie umgekehrt ein Medium, das Fernsehen, sein besonderes Augenmerk auf höchste Vertreter des Freistaats legte.

Anderntags freilich konnten die Betroffenen per Video-Aufzeichnung nachschauen, was die Spötter Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt über den Sender Freies Berlin bayerischen Ministern nachgesagt hatten: Sie würden als Mitglieder des Aufsichtsrates des heiß umstrittenen Rhein-Main-Donau-Kanals mit unerlaubten Mitteln um dessen teure Vollendung kämpfen und dafür „Diätenschecks“ nehmen.

Nach anfänglichem Zögern („Die paar Hundert Mark Diäten sind wirklich nicht der Rede wert“) verlangte Dienstherr Strauß vom ARD-Vorsitzenden Reinhold Vöth, der natürlich ein Parteifreund war, eine umgehende „Richtigstellung“.

Auch wollte die CSU diesen „Scheibenwischer“ wieder mal vor den (bayerischen) Rundfunkrat bringen, nachdem sie dort zuletzt gegen den ebenso satirischen Achternbusch-Film „Servus Bayern“ erfolgreich interveniert hatte.

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Abermals drohte Strauß auch mit einem Alleingang bei der Nutzung neuer Medien, insbesondere beim Kabelfernsehen, in welchem er und mehr noch sein Medienexperte Edmund Stoiber gleichsam ein Pendant zum unbequemen Fernsehen sahen und somit große Hoffnungen setzten. 35 Millionen Mark wollte man dafür schon mal als Startkapital bereitstellen.

Dass FJS sogar noch post mortum die Hauptfigur satirischer Sendereihen in einem geläuterten Bayerischen Fernsehen werden würde, personifiziert durch den Karikaturisten Dieter Hanitzsch und den Kabarettisten Helmut Schleich, bleibt als Pointe anzumerken.

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