AZ-Serie: Yoga für alle Das ABC des Yoga

Natürlich lässt sich Yoga auch allein daheim üben, etwa mit Online-Anleitungen. Aber manchem macht es ineiner Gruppe im Studio dann doch mehr Freude. Foto: dpa

Yoga ist mehr als nur ein paar Übungen zu machen und seinen Körper zu verrenken. Es ist ein Lebensgefühl. Lesen sie hier das A bis Z des Yoga.

A

Asana: Sanskritbegriff für die Körperhaltungen des Yoga. Ursprünglich bedeutet es nur „Sitz; Haltung“. In den ältesten Texten werden keine Körperhaltungen erwähnt. Erst in der Hathayogapradipika, einer Grundlagenschrift aus dem Mittelalter, werden nach heutigem Wissen erstmals Asanas beschrieben. Als Sanskrit-Wort ist Asana ein Neutrum. Trotzdem sagen viele Yoga-Lehrer „die“ Asana.

Accessoires: Der Yoga-Boom hat einen Wirtschaftszweig entstehen lassen, der sich auf Yoga-Accessoires wie Klamotten, Matten, Schmuck, Trinkflaschen, Mala-Ketten, Mattensprays und Decken spezialisiert hat. In München findet man das im Yogacorner in der Theresienstraße 51, dem einzigen Yoga-Shop dieser Art in der Stadt. Ausbildung: Yoga-Lehrer-Ausbildungen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Sie reichen von zehn Tagen bis über viereinhalb Jahren, von 200 Stunden bis über 900. Je nachdem, was man sich von Yoga und der oder dem LehrerIn erwartet, sollte man genau hinschauen, wem man sich mit Leib und Seele anvertraut.

B

BDY: Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland. Ein Yogalehrender, der diese Bezeichnung führt, hat eine mindestens vierjährige und 800 Stunden umfassende, qualifizierte Ausbildung absolviert. Wer eine BDY-zertifizierte Ausbildung beginnen möchte, muss mindestens 25 Jahre alt sein, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Studium haben und seit mindestens drei Jahren regelmäßig Yoga praktizieren.

Bieryoga: Von den Erfinderinnen, zwei Berliner Yogalehrerinnen und begeisterte Biertrinkerinnen, nicht als Witz gemeinte Spielart des Yoga. Das Biertrinken und zwei Bierflaschen werden in die Yoga-Praxis integriert. Dadurch sollen Ausgelassenheit und Körperbewusstsein gefördert werden. Wird in München von den Macherinnen der Pop-Up-Yoga-Events gelegentlich angeboten. Infos: www.yoga-mit-gina.de

Bikram Yoga: Auch als Hot Yoga bekannt, weil die Raumtemperatur zwischen 35 und 40 Grad beträgt. Das Schwitzen soll den Körper entgiften. Erfinder ist Bikram Choudhury (71), der 2016 wegen sexuellen Missbrauchs zu 6,5 Millionen Dollar Schmerzensgeld verurteilt wurde.

BYV: Berufsverband der Yoga-Vidya-Lehrer. Der zweitgrößte Yoga-Lehrerverband Deutschlands. Bildet jährlich an die 1000 Lehrer aus. Das Angebot reicht von vierwöchigen Intensiv- bis zu dreijährigen Ausbildungen. Fleisch, Fisch, Eier, Tabak, Alkohol, Drogen sind während der Ausbildung nicht erlaubt.

C

Chakra: Konzept eines Energie-Rades im feinstofflichen Körper. Entlang der Wirbelsäule gibt es sieben (im tibetischen Buddhismus sind es nur fünf) Hauptchakren. Sind sie „geöffnet“, beziehungsweise bewegen sie sich, kann die Energie frei durch sie fließen und der Mensch erfährt sich gesund und vital. Blockierte oder in ihrer Schwungkraft gestörte Chakren machen sich angeblich auf psychischer und physischer Ebene bemerkbar, weil den Chakren Einfluss auf die Organe, Psyche, Emotionen und den Charakter zugeschrieben wird. Mit gezielten Yoga-Übungen sollen die Chakren harmonisiert werden können.

Chanten: Das Singen von Mantren.

D

Disco-Yoga: Eine Verbindung von Yoga, Tanz-Elementen und DJ, der für den passenden elektromusikalischen Hintergrund sorgt. Wurde von der Münchnerin Claudia Shanti, ihrem Musiker-Freund Lenny Maze und einer gemeinsamen Freundin gegründet. Infos und Termine unter: www.vegan-yoga.kitchen.de

E

Erleuchtung: Ein erhöhter Bewusstseinszustand, bei dem Gedanken, Gefühle und andere Bewegungen so zur Ruhe gekommen sind, dass eine klare Sicht, eine klare Erfahrung gemacht werden kann. Weniger spirituell gesehen sind das die Momente, in denen einem sprichwörtlich ein Licht aufgeht.

Ernährung: In manchen Yoga-Traditionen ist die fleischlose Ernährung vorgeschrieben. Zwingend ist sie nicht. Oft entwickelt sie sich von selbst, weil eine Idee des Yogas die von Ahimsa, der Gewaltfreiheit ist und Töten fast immer eine gewaltvolle Handlung ist.

F

Fit-Rate: Eine Münchner Erfindung und eine Art Flatrate für diverse Sportarten, zu denen auch Yoga zählt. Für eine monatliche Gebühr kann man in den teilnehmenden Studios üben. Welche Schulen dabei sind: www.fitrate.de

Flow: Einerseits ein fließendes Aneinanderreihen verschiedener Asanas. Andererseits der Zustand, der entstehen kann, wenn Atem, Bewegung und Aufmerksamkeit eins werden, der Übende also im Jetzt angekommen ist.

G

Ganesha: Elefantenköpfig, Sohn Shivas, Freund von Süßigkeiten und einer der beliebtesten Götter des Hinduismus. Steht in vielen Yogastudios und gilt als Überwinder von Hindernissen.

Guru: Religiöser Titel für einen spirituellen Lehrer im Hinduismus, Shikhismus und im tibetischen Buddhismus. Der Guru bringt seinem Schüler das Wissen, also die göttliche Offenbarung, nahe und vertreibt die Unwissenheit und Verblendung des Suchenden. Ein Guru wird leider oft bedenklich blind verehrt.

H

Hatha Yoga: Inzwischen Überbegriff für alle Yoga-Stile, die körperlich üben. Hat sich im Mittelalter als Methode entwickelt, um den Körper von allen Blockaden zu reinigen, die der Einheit von Körper und Geist und einer höchsten Schöpfungskraft im Weg stehen. Hari Om: Beliebte Grußformel unter Yogis. Heißt in etwa: „Überall ist das Göttliche. Überall ist Liebe.“

I

Ida: Name eines der drei Hauptenergie-Kanäle im sogenannten Energie-Körper der Yogis. Läuft entlang der linken Seite der Wirbelsäule und endet im linken Nasenloch. Durch sie fließt die kühlende, beruhigende, weiche Mond-Energie. Wird manchmal mit dem Parasympathikus gleichgesetzt.

J

Japa: Das ständige Wiederholen eines Mantras. Kann zu trance-artigen Zuständen führen.

K

Karma: Die Vorstellung, dass jede Handlung eine Wirkung hat. So gesehen ist jeder Mensch das Karma seiner Eltern und häuft gleichzeitig ein Leben lang Karma an.

Kirtan: Singen spiritueller Lieder, oft auch als Wechselgesang. Kopfstand: Königsdisziplin des Hatha-Yoga. Soll, über mehrere Stunden gehalten, vor Alterung und Tod bewahren. Führt, wenn falsch geübt, leicht zu Verletzungen im Nackenbereich.

Krankenkasse: Manche gesetzliche Krankenkassen bezahlen als Präventionsmaßnahme Hatha-Yoga-Kurse. Ob die Kasse übernimmt, hängt davon ab, ob der Yoga-Lehrer eine Zulassung von der Zentralen Prüfstelle Prävention hat.

L

Lach-Yoga: Im Vordergrund steht grundloses Lachen, das zunächst willentlich erzeugt wird und dazu führen soll, in einen Zustand kindlicher Verspieltheit zu kommen. Am Weltlachtag, der jeweils erste Sonntag im Mai, treffen sich Anhänger dieser Yoga-Form um 14 Uhr, um eine Minute lang global und grundlos zu lachen.

Lu Jong: Fließende Bewegungen in einer klaren Abfolge, die wie eine Akkupressur oder Massage auf unsere Blockaden wirken. Lu Jong hat eine tiefe Wirkung auf Körper und Geist, es balanciert die fünf Elemente in uns. Wird in München unter anderem von Judith Becker angeboten. www.tibet-yoga.de

M

Mantra: Wort(e), Gebet, das, beziehungsweise die helfen sollen, den unruhigen Geist zu beruhigen und zu konzentrieren, mit einem Gott oder einer Gottheit in Verbindung zu treten oder die in dem Mantra enhaltene Kraft oder Information zur Entfaltung und Wirkung zu bringen.# Mala: Gebetskette im Hinduismus und Buddhismus. Besteht aus 108 Perlen und einer großen sogenannten Guru-Perle. Wird von Yoga-Praktizierenden gerne um das Handgelenk oder als Kette getragen.

Mandala: 1. Geometrisches Schaubild, um komplexe religiöse und spirituelle Zusammenhänge verinnerlichen zu können. Meditationsobjekt. 2. Name eines Münchner Yoga-Fashion-Herstellers, der in seiner Boutique in der Pestalozzistraße 21 nachhaltige Mode verkauft. Matte: Unterlage, auf der Asanas praktiziert werden. Kann aus Schafsfell oder PVC beziehungsweise ein einfacher Teppich sein.

N

Nadi: Energiebahn, vergleichbar den Meridianen der TCM. In den Schriften schwankt die Zahl zwischen 350 000 und 72 000. Die drei wichtigsten Nadis laufen entlang der Wirbelsäule und heißen Ida, Pingala und Sushumna.

Namasté: Begrüßungsformel in Asien und unter Yogis. Bedeutet: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir und auf der Ebene sind wir alle gleich.“

O

OM: Urlaut. Wort für Gott. Universeller Klang aus dem alles, was ist, entstanden ist. Steht für die drei Bewusstseinszustände des Menschen: Wachzustand, Traum, Tiefschlaf. Turya, der vierte, unhörbare Laut des OM symbolisiert die Stille danach, die vor einem neuen Zyklus beginnt. Vergleichbar mit der christlichen Idee: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott.“

Online: Etliche Online-Platformen bieten Yoga-Videos an, mit denen man gegen Gebühr üben kann. Münchner Lehrer sind etwa auf www.yogaeasy.de und www.yogamehome.com zu sehen.

P

Prana: Die universelle Lebensenergie, die durch alles fließt, was lebendig ist. Ist der Prana-Fluß blockiert, wird der Mensch im yogischen Verständnis krank. Verlässt Prana den Körper ganz, stirbt er.

Pingala: Die Energie-Bahn, Nadi, die die aktive Energie auf der rechten Körperseite entlang der Wirbelsäule transportiert. Wird manchmal mit dem Sympathikus gleichgesetzt.

Pranayama: Überbegriff für die Atemtechniken des Yoga.

R

Retreat: Englisch für Rückzug, bedeutet Auszeit vom gewohnten Alltag, um der Spiritualität oder der Meditation für eine gewisse Zeit einen größeren Raum einzuräumen. In der modernen, urbanen Yoga-Welt oft verbunden mit schönen Hotels, gesunder Ernährung und Wellness-Angeboten.

Rückbeuge: Haltungen, bei denen die Körpervorderseite gedehnt wird. Kräftigt den Rücken, unterstützt die Einatmung.

RYT: Steht für Registered Yoga Teacher. Ein Yoga-Lehrer zeigt mit diesem Kürzel, dass er bei der amerikanischen Yoga Alliance registriert ist, der vorgeworfen wird, keine verbindlichen Kriterien für ihre Ausbildung zu haben. Die Zahlenangabe nach dem Kürzel sagt, wieviele Stunden die Ausbildung des Lehrers umfasst hat.

S

Savasana: Die Totenhaltung. Asana der Schlussentspannung in Yoga-Stunden, bei der man bewegungslos auf dem Rücken liegt und sich von allen Gedanken und Gefühlsregungen im Körper löst. Gilt als eine der mental und intellektuell schwierigsten Haltungen, weil der Geist und sein Ego ungern schweigen.

Shanti: Bedeutet so viel wie „absoluter innerer Frieden“ und bezeichnet einen erstrebenswerten Gemütszustand.

Shakti: Sogenannte weibliche Kraft. Jede männliche hinduistische Gottheit hat auch eine Shakti, eine weibliche Göttin, an seiner Seite. Sonnengruß: Abfolge von Asanas, die dynamisch, also fließend ineinander übergehend, geübt werden. Wird gerne zum Beginn einer Yoga-Stunde eingesetzt, um den Körper aufzuwärmen. Ideale Abfolge, um den Körper morgens zu aktivieren und wach zu machen.

SUP-Yoga: Yoga auf dem Paddelboard. Ist weniger wackelig als es sich anhört. Zu den SUP-Pionieren in Deutschland zählt der EX-MTVler Percy Johanssen, der in Herrsching am Ammersee Kurse anbietet.

T

Tantra: Sanskrit-Wort für Webstuhl, Kontinuum, Lehre. Es bezeichnet auch ursprünglich geheime esoterische Schriften, die sich mit Magie, Mystik und Methoden der Selbsterkenntnis und der Befreiung aus dem Rad der Wiedergeburten beschäftigen. Tantra ist zudem ein religionsübergreifendes Konzept, das im Mittelalter entstand, von der Einheit von Geist und Materie ausgeht und im Gegensatz zu bisherigen orthodoxen Weltsichten den Körper und das sinnliche, reale Leben bejahte und befürwortet, dessen Energien zu nutzen, um ein zufriedenes weltliches Leben zu führen. Im sogenannten linkshändigen Tantra ist die Nutzung sexueller Energien Teil der Übungspraxis.

U

Ujjayi: Atemtechnik, bei der die Stimmritzen verengt werden. Dadurch entsteht beim Atmen ein Geräusch, das an ein Meeresrauschen erinnert. Erhitzt den Körper und lässt den Atem tiefer, ruhiger fließen.

Umkehrhaltung: Asanas, bei denen das Becken höher als das Herz ist, wie zum Beispiel im Kopfstand. Entlastet den Beckenboden und die Venen, kann das Herz-Kreislaufsystem kräftigen.

V

Vorbeuge: Haltungen, bei denen die Körperrückseite gedehnt wird. Unterstützen die Ausatmung. Wirken beruhigend.

W

Wechselatmung: Dabei atmet man über ein Nasenloch ein, über das andere aus (unter Zuhilfenahme eines Fingers). Soll unter anderem gegen Übersäuerung wirken.

Y

Yoga-Stunde: Dauert meist zwischen 75 und 90 Minuten.

Z

Zungenrollen: Eine Atemtechnik, die zentriert und kühlt und Shitali genannt wird. Dabei wird über die wie ein Rörchen gerollte Zunge eingeatmet, am Ende der Einatmung die Zungenspitze an den Gaumen gelegt, der Mund geschlossen und über die Nase ausgeatmet.

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