Die neue AZ-Serie „Was man alles in den Bergen machen kann“ startet mit Mountainbiken und zeigt die besten Strecken, Techniken und die optimale Ausrüstung, auch für Einsteiger

München - Helm, flache Pedale und Turnschuhe - mehr Ausrüstung braucht man nicht, wenn man die richtige Mountainbike-Technik erlernen will, sagt MTB-Coach Andrea Potratz. Die 36-Jährige bringt Anfängern und Fortgeschrittenen bei, wie sie sicher den Berg hoch- und wieder runterkommen. Heute startet die AZ-Serie „Was man alles in den Bergen machen kann“. Den Anfang macht: Mountainbike!

Trainer
Andrea Potratz leitet das „black tusk Racing by tomotion Pro MTB Team“, ist Mountainbike-Techniktrainerin und war 2009 und 2010 12h-MTB-Weltmeisterin. Sie erklärt, was man haben und können sollte, damit man das Bike beherrscht - und nicht umgekehrt. Dann kann das Bergerlebnis kommen.

Das Rad
„Das muss keins sein, das 4000 Euro kostet“, meint Potratz. Auch eine Vollfederung tue nicht Not. „Gute Mountainbikes, mit denen man Spaß hat, gibt es ab ungefähr 1000 Euro.“ In dieser Preiskategorie seien die Sportgeräte nicht so schwer, „rollen gut und lassen sich gescheit bremsen“. Ein gutes Gewicht für ein Hardtail, also ein Rad ohne Sattelfederung, sei maximal 11 Kilogramm. „Wenn man viel in den Bergen fahren will, gilt: je leichter, desto besser.“

Die Pedale
Klickpedale, mit denen der Schuh mit dem Rad verbunden ist, oder normale? „Mit flachen Pedalen lernt man die Technik richtig“, sagt Potratz. „Es ist einfach, mit Klickis das Hinterrad anzuheben. Bei flachen Pedalen muss ich die Technik beherrschen, damit es geht.“ Und die Angst schwinde, nicht ausklicken zu können und umzufallen.

Die Grundposition
…ist das A und O für Anfänger und Profis. Dabei steht die Kurbel waagrecht, es wird im Stehen mit leicht gebeugten Armen und gestreckten Beinen gefahren. Vorder- und Hinterrad werden gleichmäßig belastet. „Das Gleichgewicht ist sehr wichtig“, erklärt die Trainerin. Je besser man austariert sei, desto besser könne man Hindernisse meistern. „Dann fährst du hin, hältst kurz an ohne abzusteigen, und kannst schauen, wo du weiterfahren willst.“ Übung macht den Meister: In der Geraden langsam fahren, kurz stehen bleiben, weiterfahren.

Die Aktivposition
Hier liegt der Körperschwerpunkt tiefer als in der Grundposition, also näher an der Stange. Arme und Beine sind stärker gebeugt, das Gesäß leicht nach hinten verlagert. Äste und Steine stellen dann kein Problem mehr dar. „In der Aktivposition kann man Schläge abfedern“, sagt Andrea Potratz. Um das zu begünstigen, wird der Sattel bei Abfahrten abgesenkt. „Damit man mehr Spielraum hat und der Schwerpunkt tiefer kommt“, erklärt die Expertin.

Bremsen
Beim Bremsen sollte sich das Körpergewicht nach unten verlagern, der Druck auf dem Vorderrad darf nicht verloren gehen. Deshalb sollte man hauptsächlich an der Vorderbremse ziehen. „Hinten bremst man mit, aber die meiste Kraft kommt aus der Vorderbremse.“ Bedenken, dass man dabei über den Lenker fliegt, räumt die ehemalige Weltmeisterin aus: „Wenn man die Aktivposition richtig einsetzt, geht man nicht vorn über.“ Ruckartiges Bremsen mit den schnell packenden Scheibenbremsen sei meist nicht notwendig. „In der Grundposition zieht man die Bremse mit dem Zeigefinger langsam zu. Je mehr man die Bremse zieht, desto weiter geht man mit dem Oberkörper runter.“

Kurven fahren
Dabei nicht in die Kurven legen, wie beim Motorrad fahren! Dann liegt der Körperschwerpunkt neben dem Rad und es rutscht seitlich weg, warnt Andrea Potratz. So geht's richtig: „Du kippst nur das Rad in die Kurve, dann hast du Druck auf dem Reifen und eine bessere Haftung.“ Zusätzlich könne man durch das gekippte Rad Kurven enger nehmen.

Bergauf fahren
Das Vorderrad hebt ab, beim Aufstehen dreht das Hinterrad durch? Nicht mit der richtigen Technik: Schultern Richtung Lenker und Gesäß zur Sattelspitze schieben. Beim Anfahren, den Tal-Fuß zuerst auf das Pedal setzen. Beim Absteigen bergab das Gesäß hinter den Sattel bringen, den bergzugewandten Fuß nach hinten absetzten. Eine Hand kommt vom Lenker an den Sattel, zur Not das Rad loslassen.

Hindernisse
„Generell sollte man immer möglichst gradlinig fahren, weil sich bei jeder Kurvenfahrt die Kraftverhältnisse ändern, was die Gefahr birgt, wegzurutschen.“ Die Expertin empfiehlt, nicht jedem Stein auszuweichen, sondern drüberzufahren. Wenn das Hindernis zu hoch ist, müsse man das Vorderrad anheben. „Normalerweise reicht es, wenn man den Schwerpunkt nach oben hinten verlagert, dann fährt das Rad von allein drüber. Je höher die Hindernisse werden, desto aktiver muss ich das Vorderrad anheben, um drüber zu kommen.“

Der Spot
Die Isartrails in München sind technisch anspruchsvoll und daher interessant. Aber das Gebiet steht unter Landschaftsschutz. Biker sind derzeit noch geduldet, solange sie sich vernünftig verhalten. Um Ärger zu vermeiden, sei wichtig, die Technik zu beherrschen und keine Bremsspuren zu ziehen und die Natur nicht zu schädigen, sagt Potratz. Die Pupplinger Au und das Würmtal, zwischen Germering und Starnberg, seien zudem gute Übungsareale, ebenso der Forstenrieder Park mit seiner Schotterautobahn. In Garmisch und Umgebung könne man richtig fahren. „Mein absoluter Lieblingstrail ist der Tibettrail“, verrät die Trainerin, „der geht vom Stilfser Joch runter ins Vinschgau. Er ist sehr [/INI_3]anspruchsvoll, mit Serpentinen und Geröllfeldern, und man hat eine schöne Aussicht.“