AZ-Serie Bezirksausschüsse Micky Wenngatz (SPD): "Wenn der Pfeil losfliegt, lasse ich vieles mit los"

, aktualisiert am 18.08.2016 - 15:28 Uhr
"Durch den Wald zu streifen, mit wenig Technik, das macht mich dankbar und frei", sagt BA-Vizechefin Micky Wenngatz. Foto: privat

Micky Wenngatz (SPD) ist ein politischer Tausendsassa. Im BA 19 gibt die Freizeit-Schützin den Vize.

Winnetou? Der hat sie inspiriert. "Für mich gab es als Kind nichts Schöneres, als mit einem Bogen in der Hand über Stock und Stein zu springen. Einfach aus Spaß an der Freud'", sagt Micky Wenngatz und trinkt einen Schluck Kirschsaft.

Ihren Holzbogen hat sich die Münchner Vollblutpolitikerin selbst gebaut. Den Köcher aus Leder eigenhändig punziert und geflochten. Im Tiroler Ferienort Kössen pirscht die Sozialdemokratin in Trekkingkluft allein durch den Wald.

Scheibe für Scheibe zielt sie ins "Gold", in die Mitte. Und erobert so den Bogenschieß-Parcours im dichten Forst.

Für die persönliche Referentin von Bürgermeisterin Christine Strobl ist das Erholung pur: "Ich bin total fokussiert, wenn ich den Bogen spanne. Mein Kopf wird klar. Und wenn der Pfeil dann losfliegt, lasse ich vieles mit los", erklärt die Amazone tiefgründig.

"Dieser Sport macht mich wieder glücklich"

Ihr Hobby erfordert eine stolze Körperhaltung, Kraft und Intuition. Etwas Archaisches, Meditatives und Sinnliches hat das traditionelle Bogenschießen für Micky Wenngatz: "Dieser Sport macht mich wieder glücklich", sagt sie schlicht. Denn: Als junge Frau hat die heute 55-Jährige Handball gespielt – in der Oberliga. Eins ihrer Knie ist seitdem gründlich lädiert.

Statt eines bunten Trikots trägt sie jetzt am Wochenende ein praktisches Poloshirt zur gestrickten Trachtenjacke. Die Vize-Vorsitzende des BA 19 (Thalkirchen – Obersendling – Forstenried – Fürstenried – Solln) dreht ihre typische Samstags-Einkaufsrunde über den Wochenmarkt in Fürstenried-West: "Ganz spießig ziehe ich meinen Kartoffelporsche über den Schweizer Platz" – damit meint sie ihren Einkaufswagen, in den Äpfel, Karotten, Kraut und Käse wandern. Nach einem Cappuccino im Café Hauck geht es heim auf den Balkon.

Von dort oben sieht sie den Olympiaturm und bis zu den Alpen. Micky Wenngatz wohnt im sechsten Stock eines typischen Fürstenrieder Achtstöckers. In der Küche rollt sie hier perfekte Sushi, wenn es die Zeit erlaubt: "Nicht nur mit Lachs und falschem Krebsfleisch. Meinen Freunden und mir gönne ich einen guten Wolfsbarsch oder Jakobsmuscheln."

Seit 2003 ist Micky Wenngatz mit einer Frau verheiratet. Die Politikerin lebt in eingetragener Lebenspartnerschaft mit Gertrud zusammen. Gertrud kommt aus Fürstenried-West und schmeißt für einen SPD-Bundestagsabgeordneten dessen Wahlkreisbüro in Holzkirchen.

Schon in der Schule war sie immer Klassensprecherin

Das Münchner Rathaus ist Wenngatz' Haupt-Arbeitsplatz. Aber sie ist bayernweit erfolgreich: Zum dritten Mal ist die Power-Frau im April Landesvorsitzende der bayerischen SPD-Frauen geworden.
Hohe Ämter, viel Arbeit und eine große Verantwortung: "In der Schule war ich schon immer Klassensprecherin", erinnert sich die Politikerin. Als Schülerin setzt sie sich bereits für die ein, die sich ungerecht behandelt fühlen. Den Kern ihres Engagements beschreibt sie so: "Mir geht es in der Tat um Chancengleichheit, unabhängig vom sozialen Status, Herkunft, Geschlecht oder sexueller Identität".

Als Vorsitzende des Vereins "München ist bunt!" hat die Sozialdemokratin Pegida im Visier: "München ist nicht braun, sondern bunt und bietet keinen Platz für Nazis". Ihr großer Ansporn: Die Vision einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft, für die sie mit Leidenschaft kämpft. "Gerade in meinem Bezirksausschuss habe ich mit vielen kleinen Anträgen etwas erreicht, finde ich", sagt die stellvertretende BA-Chefin.

Pfeil und Bogen sind mit die ältesten Jagdwaffen überhaupt. Alle vier Teile der actionreichen Hollywood-Filmreihe "Tribute von Panem" mit der agilen Schützin Katniss hat Micky Wenngatz im Royal-Kino am Goetheplatz gesehen. Doch das traditionelle Bogenschießen boomt als Freizeit-Trend schon länger, behauptet Micky Wenngatz. Die Frau mit der Kurzhaarfrisur und den warmen Augen erklärt ihre persönliche Faszination: "In unserer hoch technisierten Welt durch den Wald zu streifen, mit wenig Technik, nur Äste knacken, ein Vogel singt, das macht mich so dankbar und frei."

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