AZ-Ratgeber Schnelle Suche nach Anstellung – wie kann Zeitarbeit helfen?

Zeitarbeit erstreckt sich mittlerweile auf sehr viele Branchen. Foto: imago

Die moderne Arbeitswelt erfordert eine hohe Flexibilität von Arbeitnehmern, die sich in einem stetig wandelnden Umfeld behaupten müssen. Was es beim Thema Zeitarbeit zu beachten gilt.

München - Viele Tätigkeiten wurden in den letzten 30 Jahren zugunsten einer maschinellen Produktion zusammengestrichen, andere wiederum werden schon seit Längerem im Rahmen automatisierter Prozesse auf ein Mindestmaß reduziert. So fällt es insbesondere Absolventen nicht gerade leicht, eine adäquate und mit ihren eigenen Vorstellungen übereinstimmende Anstellung zu finden – nicht selten drohen in den ersten Arbeitsjahren außerdem Befristungen, die Einfluss auf die Familienplanung nehmen können. Zeitarbeit wird im Zuge dessen immer wieder genannt, vielfach wird damit ein einfacherer Zugang zum Arbeitsmarkt beschworen – doch was steckt tatsächlich dahinter?

Grundprinzipien der Zeitarbeit

Zeitarbeit existiert nicht erst seit wenigen Jahren, bereits 1972 wurden hierzu erste gesetzliche Regelungen getroffen. Mit dem ersten Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) wurde seinerzeit versucht, den Quereinstieg bestimmter Qualifikationsgruppen zu erleichtern. Der Grundgedanke dahinter ist, dass Arbeitgeber möglichst flexibel auf qualifizierte Arbeitnehmer zurückgreifen können. Besonders in Zeiten einer schwankenden Konjunktur und zur befristeten Steigerung der Produktionsfähigkeit.

Die Praxis stellt sich jedoch zum Teil gegensätzlich dar, insbesondere in ausschließlich produzierenden Gewerbezweigen zeigen sich Tendenzen einer einseitigen Ausreizung dieses Grundprinzips. Eine wesentliche Kritik liegt darin begründet, dass Arbeitgeber die Zeitarbeit eher als Instrumentarium sehen, ohne größere Verpflichtungen benötigte Arbeitnehmer zu integrieren. Als Übergang zu einer Festanstellung, wie es eigentlich gedacht ist, kann daher nur ein Teil der Zeitarbeitsverträge angesehen werden.

Anforderungen an Zeitarbeitnehmer

Mit dem Zeitarbeitsvertrag wird aufseiten des Arbeitnehmers eine hohe Anpassungsfähigkeit und Teamfähigkeit eingefordert. Der Zeitarbeitnehmer wird in mitunter eingespielte Teams integriert, muss sich zwangsläufig unterordnen und ebenso erst mit der Arbeitsstruktur des Unternehmens vertraut gemacht werden. Diese Eingewöhnungszeit, die je nach Ausgestaltung und Befristung des Vertrages nur wenige Tage beträgt, ist auch für die spätere Bewertung von Bedeutung.

Der Arbeitnehmer schnuppert gewissermaßen in das Unternehmen rein. Bei der Zeitarbeit haben auch solche Arbeitnehmer eine Chance, die unter normalen Umständen womöglich nicht bis zum Einstellungsgespräch gekommen wären. Gerade hier stehen Arbeitseinstellung, Organisationstalent und Teamfähigkeit unter verstärkter Beobachtung. Es gibt also kaum eine bessere Möglichkeit, die eigene Visitenkarte dem jeweiligen Unternehmen aufzudrücken. Auch in München bietet Zeitarbeit besondere Vorteile. Jedoch ist Zeitarbeit auch mit verschiedenen Risiken verbunden, ebenso mit einer geringeren Bezahlung.

Wichtige Aspekte während der Zeitarbeit

In der Zeitarbeit gibt es teils deutliche Unterschiede in Bezug auf die Verweildauer im Unternehmen. So lag nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einer Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, die durchschnittliche Beschäftigungsdauer bei drei Monaten. Der untersuchte Zeitraum fasst die Jahre von 2000 bis 2012 ein. Höherqualifizierte, hier also „Leiharbeiter mit Hochschulabschluss“, können hingegen auf eine durchschnittliche Verweildauer von fünf Monaten zurückblicken. Etwa 14 Prozent aller Zeitarbeitsverhältnisse dauern hingegen länger als 18 Monate an, 27,6 Prozent waren mindestens neun Monate beschäftigt (Datengrundlage: 2010).

- Es ist unabdingbar, dass sich Zeitarbeitnehmer der hohen Bedeutung der kurzzeitigen „Arbeitnehmerüberlassung“ bewusstwerden. Nur diejenigen, die engagiert auftreten und sich dem Organisationskonzept des Unternehmens voll anschließen, haben reale Chancen auf eine unbefristete Anstellung.

- Überdurchschnittlich viele Ausländer sind im Bereich der Zeitarbeitsverträge aktiv, zudem stellen jüngere Arbeitnehmer und Männer einen bedeutenden Teil.

- Wenige Stellen, die einen Hochschulabschluss erfordern, werden tatsächlich durch Zeitarbeit abgedeckt. Sehr wohl zeigen sich aber auch hier Tendenzen, zumindest in Form einer wachsenden Zahl an befristeten Stellen.

- Der „equal-pay“-Grundsatz befindet sich noch in der politischen Diskussion, hier ist auf kurze Sicht nicht mit einer Verbesserung für Zeitarbeitnehmer zu rechnen.

Was Zeitarbeitnehmer in keinem Fall tun sollten

Gilt es zu vermeiden Weil...
- Überschreitung der vertraglichen Kompetenzen

Zeitarbeitnehmer häufig nur begrenzte Zutritts- und Zugangsberechtigungen haben, sie stehen nachteilig gegenüber der Stammbelegschaft.

- Forderung nach mehr Gehalt

Alle vertraglichen Regelungen werden mit der Zeitarbeitsfirma getroffen, diese „überlässt“ den Arbeitnehmer dem jeweils anfragenden Unternehmen. Viel eher empfiehlt es sich, durch die Arbeitsleistung selbst eine Empfehlung gegenüber dem Supervisor abzugeben.

- Unseriöse Zeitarbeitsfirmen beauftragen

Seriöse Zeitarbeitsfirmen sind insbesondere an einem breiten Portfolio an Kunden erkennbar, vor allem Mittelständlern. Wichtig sind ein geregelter Bewerbungsablauf, bezahltes Probearbeiten und eine langjährige Tätigkeit des Unternehmens. Eine sogenannte „unbefristete Genehmigung zur Arbeitnehmerüberlassung“ ist sinnvoll. Solide Unternehmen sind Mitglied in einem Dachverband. Die Anwendung des Tarifvertrages, der nach CGZP mittlerweile als unwirksam betrachtet werden muss, ist ein Indiz für unseriöses Geschäftsgebaren.

- Auf gesetzliche Mitbestimmungsrechte verzichten

Klassische Merkmale eines „normalen“ Arbeitsvertrages, also eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Anspruch auf Urlaub, entsprechende Kündigungsfristen und andere Maßnahmen des Arbeitsschutzes, gelten auch für den in Zeitarbeit beschäftigten Arbeitnehmer. Steht dem Ganzen kein Tarifvertrag entgegen, der anderes regelt, so sind Leiharbeiter der Stammbelegschaft gleichgesetzt. Das Prinzip basiert auf „Equal Pay and Equal Treatment“. Sofern der Entleiher eine Betriebsratswahl abhält, sind Zeitarbeitnehmer dazu berechtigt, daran teilzunehmen – vorausgesetzt, sie sind seit mindestens drei Monaten dort beschäftigt.

- Anspruch auf Dauerarbeitsverhältnis ggfs. möglich

Gesetzlich ist klar geregelt, dass Zeitarbeitnehmer dem „Betrieb des Vertragsarbeitgebers“ zugerechnet werden. Praktisch sind sie aber Teil des Betriebes, an den sie ausgeliehen wurden. Das Landesarbeitsgericht Berlin Brandenburg hat kürzlich darüber entschieden, dass unter Umständen ein „Dauerarbeitsverhältnis“ entstehen kann, wenn es sich nicht allein um eine „vorübergehende Überlassung des Arbeitnehmers“ handelt (vgl. Az. 15 Sa 1635/12).

 

Fazit

Zeitarbeit bietet, darauf weisen Stellungnahmen und Erkenntnisse von Institutionen der Arbeitsmarktforschung hin, eine durchaus reale Chance zur Empfehlung gegenüber potentiellen Arbeitgebern. Mittlerweile greifen besondere gesetzliche Regelungen, die einen Missbrauch weiter einbinden. Unter Umständen ist es möglich, aus einem Zeitarbeitsvertrag ein sogenanntes „Dauerarbeitsverhältnis“ werden zu lassen. In der Rechtsprechung setzt sich zunehmend die Auffassung durch, dass Zeitarbeit nur unter engen Grenzen wirklich auch als solche anzusehen ist. Bewerber sollten sich darüber im Klaren sein, dass ein besonders loyales Verhältnis zum aufnehmenden Betrieb, sehr wohl die Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung hebt. Gerade im verarbeitenden Gewerbe ergeben sich, je nach Qualifikation und Konjunktur, mitunter zeitnahe Übernahmen.

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