AZ-Ratgeber Morbus Bechterew: Das oft nicht erkannte Rückenleiden

Mehr als 300.000 Deutsche leiden an Morbus Bechterew. Foto: dpa

Sie wird erst oft nach jahrelangen Arzt-Tourneen erkannt: Morbus Bechterew, eine chronische entzündliche Rheuma-Erkrankung der Gelenke, die die Mobilität einschränkt und im Endstadium die Wirbelsäule versteifen lässt.

Die Betroffenen leiden nachts oftmals unter so starken Beschwerden, dass Schlafen unmöglich ist.

Über 300.000 Erkrankte in Deutschland

Laut offiziellen Zahlen sind in Deutschland ungefähr 340.000 Menschen von der Krankheit betroffen. Tatsächlich könnten es aber deutlich mehr Betroffene geben, Morbus Bechterew wird häufig erst sehr spät oder gar nicht diagnostiziert. Die Patienten werden häufig jahrelang fehlbehandelt, bis zumeist ein Rheumatologe die Krankheit feststellt.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Geschäftsführer der „Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew“, Ludwig Hammel. Er leidet seit nunmehr 35 Jahren an der Krankheit, doch es hat sieben Jahre gedauert, bis bei ihm die richtige Diagnose gestellt wurde! „Irgendwann haben sie mich in die Rheumaambulanz nach München geschickt. Dort haben sie mich dann fast den ganzen Tag lang von Kopf bis Fuß durchgecheckt und schließlich die richtige Diagnose gestellt“, so der 58-jährige Schweinfurter. Leider kein Einzelfall – bis die Diagnose Morbus Bechterew gestellt wird, vergehen häufig fünf bis sieben Jahre.

Das ist für die Betroffenen bitter, denn eine frühe Erkennung der Krankheit ist äußerst wichtig, um sie effektiv zu behandeln und einer Versteifung mit ihren dauerhaften Bewegungseinschränkungen vorzubeugen. Bis es zur Diagnose kommt, wird der Patient zwar häufig behandelt, aber nicht zielgerichtet.

Dazu Ludwig Hammel: „Meine damalige Freundin war Arzthelferin und ich bin zu Ihrer Chefin, eine niedergelassene Allgemeinärztin. Die hat mich dann von einem Arzt zum anderen geschickt, aber niemand konnte sich meine Probleme erklären.“ Daraufhin hatte Hammel „Krankengymnastik sowie Massagen erhalten und musste Schmerztabletten nehmen, weil es doch ziemlich heftig weh tat“.

Genaue Krankheitsursache noch unbekannt

Morbus Bechterew verläuft langsam und in Schüben. Typisch sind Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich, die nachts auftreten und mit einem Steifheitsgefühl einhergehen.

Bleibt die Krankheit unbehandelt, versteifen sich die Kreuzdarmbeingelenke und die Wirbelsäule, da das Knochengewebe unelastisch wird. Morbus Bechterew hat genetische Ursachen und entsteht durch eine Fehlprogrammierung des Immunsystems, hundertprozentig erforscht und heilbar ist die Krankheit allerdings noch nicht. Ist das fortgeschrittene Stadium erreicht, isolieren sich viele Betroffene – Depressionen können die Folge sein.

Umso wichtiger ist es, seinen Arzt bei Rückenschmerzen im unteren Bereich auf die Möglichkeit einer Morbus-Bechterew-Erkrankung anzusprechen.

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