Vorsicht, Betrug! Im Internet kursieren E-Mails, die eine Steuerrückzahlung versprechen. Vermeintlicher Absender sind offizielle Ämter – doch dahinter stecken Betrüger, die an Geld wollen.

München - Der Absender klingt höchst amtlich. Post vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Bonn, verheißt das E-Mail-Postfach. Rasch angeklickt, erfährt der „sehr geehrte Steuerzahler“, dass er eine „Steuererstattung von 233,14 Euro“ erhalten werde. Ein gewisser Roland Koch teilt mit, dass 2011 zu viel Einkommensteuer gezahlt worden sei. Das klingt schön. Zu schön, um wahr zu sein.

Denn hinter der Mail, die im Briefkopf sogar mit Bundesadler aufwartet, stecken Betrüger: Sie haben es auf Konto- und Kreditkartendaten abgesehen. Eine wahre Flut dieser betrügerischen Phishing-Mails schwappt derzeit in zahlreiche Mail-Accounts.

Dass das Anschreiben in holprigem Deutsch daher kommt, lässt sich bei Aussicht auf mehr als 200 Euro Steuerrückzahlung wohl leicht übersehen. Das Problem beginnt, wenn der E-Mail-Empfänger den Anhang öffnet, der im schlimmsten Fall sogar einen Trojaner oder Computervirus einschleusen könnte: Dann poppt ein neues Fenster auf, das ebenfalls täuschend offiziell aussieht. In das Formular, das komplett im Design des Bundeszentralamts gehalten ist, soll der Betroffene seine Daten eingeben: Name, Geburtsdatum, Anschrift bis hin zu Kontonummer und Kreditkartennummer.

„Drei bis fünf Tage“ erbittet sich das falsche Amt, um die Rückerstattung abzuwickeln. In Wirklichkeit handelt es sich um ein gutes Zeitfenster, das Konto leer zu räumen. Was auf den ersten Blick so offiziell daherkommt, ist nichts anderes als ein besonders dreister Phishing-Versuch.

Mittlerweile schlägt die Finanzverwaltung Alarm und warnt vor der Betrügermasche. Denn außer dem BZSt, das in Wirklichkeit überhaupt nicht für die Rückerstattung von überzahlten Steuern zuständig ist, tauchen im Absenderfeld häufig andere offizielle Stellen auf: So auch das Finanzamt München oder Elster, das Portal der Finanzverwaltung. Roland Jüptner, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Steuern und damit zuständig für das Finanzamt München, rät den Bürgern, diese Art von Mails ungelesen zu löschen.

Doch wie kann man sicher sein, dass kein Amt die Mail geschrieben hat? „Die Steuerverwaltung fordert niemals Informationen wie die Steuernummern, Kontoverbindungen, Kreditkartennummern oder PIN per E-Mail an“, sagt Jüptner. Auch Steuerbescheide oder Rechnungen würden niemals per Mail verschickt werden. Denn noch eine weitere Betrugsmasche wird derzeit praktiziert: Vom Absender Elster erhalten E-Mail-Nutzer Rechnungen, die sich auf den Elster-Service berufen. Auch diese Mails sollten in jedem Fall sofort gelöscht werden. Denn die Leistungen im Zusammenhang mit Elster sind kostenlos, wie das Landesamt für Steuern betont. Wer hinter den Betrügermails steckt, ist offen.

Ähnliche Mails kursieren offenbar auch in anderen europäischen Ländern – jeweils in Landessprache. Das BZSt hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Auch die Münchner Polizei ist wachsam: Drei Anzeigen liegen bereits beim zuständigen Dezernat vor.