Die AZ-Redakteurin Anja Timmermann schreibt über den Wahltermin für Bayern.

München - Doch, Herr Seehofer, die meisten Bayern können halbwegs unfallfrei bis sieben zählen. Das war jedenfalls die Botschaft der CSU in Kreuth, warum ein gemeinsamer Wahltermin unbedingt zu vermeiden sei: weil sonst der Wähler verwirrt sein könnte wegen der vielen Zettel.

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Natürlich sind die wahren Gründe andere. Erstens: An einem gemeinsamen Wahlabend wird vermutlich die Frage, wer künftig Kanzler ist, die Spitzenmeldung sein und nicht die Landtagswahl in Bayern – da könnte beim flüchtigen Betrachter der Eindruck aufkommen, die Staatskanzlei samt ihrem aktuellen Hausherrn Seehofer sei nicht der Nabel der Welt. Was der selbstredend vermeiden will. Zweitens: Eine Bundestagswahl hat eine höhere Beteiligung, gerade auch von SPD-Wählern, weil sie bundesweit für ihr Lager bessere Chancen sehen als in Bayern – die gehen bei einer rein bayerischen Wahl vielleicht gar nicht erst hin, so Seehofers Kalkül. Peinlich, wer sowas nötig hat. Und drittens: Seehofer fürchtet, von der schwarz-gelben Regierung in Berlin runtergezogen zu werden. Dass man das auch ganz anders sehen kann, zeigt sein mindestens ebenso schwarzer Kollege in Hessen, Volker Bouffier: Der lässt sogar extra am Tag der Bundestagswahl wählen, weil er hochgezogen werden will von Merkels Werten.

Aber Seehofer setzt durch, dass nur eine Woche vorher gewählt wird, auch wenn es Millionen kostet – wer weiß, ob der Schuss nicht nach hinten losgeht.